"trend": Widerstand gegen Generika

Laut neuer EU-Studie kostet die Blockade von Generika durch die Pharmaindustrie die EU-Bürger mehrere Milliarden Euro.

Wien (OTS) - Die Tricks der Pharmaindustrie zur Verteidigung ihrer Blockbuster sind für die Bürger ein teurer Spaß, schreibt das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe. Eine soeben fertiggestellte Studie der EU-Kommission zeigt, dass die Originalhersteller den Markteintritt von Generika verzögern und allein dadurch ein Fünftel der Einsparungen, die durch den Einsatz von Generika möglich wären, wieder zunichte machen. Im Untersuchungszeitraum von 2000 bis 2007 ging es dabei immerhin um eine Summe von drei Milliarden Euro.

Beliebtestes Mittel in diesem Abwehrkampf sind so genannte Patentcluster. Dabei wird ein einziges Präparat nicht bloß mit einem Patent, sondern mit hunderten verschiedenen Exklusivrechten versehen. Multipliziert mit der Zahl der EU-Mitgliedstaaten, kann das bis zu 1300 Patente pro Medikament bedeuten, die auslaufen müssen, ehe ein Generikum zum Einsatz kommen kann. Diese Strategie ist höchst effizient, weil es kein einheitliches EU-weites Patentrecht gibt. "Damit können Generikahersteller vor den Kadi gezerrt werden, nur weil sie in irgendeinem EU-Land irgendein Patent übersehen haben", kritisiert Peter Wieninger vom Hauptverband der Sozialversicherungen. Dringendste Forderung der Studienautoren ist deshalb die schnelle Einführung eines europäischen Gemeinschaftspatents und die gegenseitige Anerkennung von Patentrechtsverfahren. Darüber hinaus fordert Wieninger auch die Schaffung eines transparenten, EU-weiten Patentregisters. Derzeit muss ein Generikahersteller in jedem EU-Land extra recherchieren, ab wann ein Medikament patentfrei ist.

Kritik gibt es aber auch an den Generikaherstellern: Laut Studie endeten 223 von 698 Patentprozessfällen mit einem Vergleich, der zu einer Einschränkung des Generikavertriebs bei gleichzeitigem "Vermögenstransfer" vom Original- zum Generikahersteller führte. Im Klartext: Man ließ sich den Verzicht auf den Markteintritt mit in Summe 200 Millionen Euro abkaufen.

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