• 26.08.2009, 12:27:07
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Die AUVA 2008 bis 2020 Sommergespräch mit Obmann Renate Römer

Wien (OTS) - Ihr Gesprächspartner:

- KommR Renate Römer - Obmann der Allgemeinen
Unfallversicherungsanstalt

Positives Betriebsergebnis für das Jahr 2008 aufgrund
Beschäftigungs-höchststand

Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) weist für 2008
einen Bilanzgewinn in Höhe von 22 Mio. Euro aus. Die betrieblichen
Erträge der AUVA beliefen sich 2008 auf 1.194 Mio. Euro. Diese setzen
sich größtenteils aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber - 1,4 % der
monatlichen Bruttolohnsumme jedes Dienstnehmers bis zur
Höchstbeitragsgrundlage von 4.020 Euro - zusammen. Im Vergleich zu
2007 stiegen die Beitragseinnahmen um 4,9 %.

Dieses zufriedenstellende Ergebnis ist auf die günstige
Konjunkturentwicklung im Jahr 2008 mit einem
Beschäftigungshöchststand und damit gestiegenen Erträgen
zurückzuführen: Die Anzahl der Erwerbstätigen (Arbeiter, Angestellte
und Selbständige) ist 2008 in Österreich im Vergleich zu 2007 um 2,6
% auf rund 3,2 Millionen gestiegen.

Den Erträgen stehen betriebliche Aufwendungen vor allem für
Unfallheilbehandlung, Rehabilitation, Renten-zahlungen, Zuschüsse an
Dienstgeber für Entgeltfortzahlung und Prävention gegenüber.
Vor allem durch einen Rückgang bei den Schadensfällen um
2,1 % stieg die Summe der Aufwendungen im Jahr 2008 um nur 3,2 %
gegenüber 2007 auf 1.167 Mio. Euro.

Entwicklungen 2009: Alle Beteiligten sind gefordert

"Die derzeitige Krisensituation in der Realwirtschaft und der
damit verbundene Anstieg der Arbeitslosenzahlen deuten darauf hin,
dass die Bilanzzahlen für dieses Jahr deutlich schlechter ausfallen
werden. Im Kalenderjahr 2009 ist mit einem Bilanzverlust zu rechnen",
zeigt sich KommR Renate Römer besorgt. "Dieser Entwicklung müssen wir
unbedingt gegensteuern. Mit unseren Aktivitäten in Richtung
Prävention aber auch Prozessoptimierung sind wir auf dem richtigen
Weg. Auf der Finanzierungsseite muss sich aber auch etwas tun. Hier
sind alle Beteiligten gleichermaßen gefordert."

Prävention als oberste Priorität

Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich
damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt.
Prävention, also Verhütung von Unfällen und Vorbeugung von
Berufskrankheiten, senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die
Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am
wirksamsten.

Da rund 30 % aller Arbeitsunfälle in Österreich Sturzunfälle sind,
hat die AUVA bereits im Oktober 2007 die breit angelegte
Präventionskampagne "BABA UND FALL NET!" gestartet. Hauptziel ist es,
einerseits die Menschen zu motivieren, ihren Gleichgewichtssinn zu
trainieren und andererseits rechtzeitig Risikosituationen in Beruf,
Schule und Freizeit zu erkennen und nach Möglichkeit zu entschärfen.

Dank der von der AUVA gemeinsam mit ihren Sicherheitspartnern in
den ersten 12 Monaten der Kampagne gesetzten Maßnahmen konnte die
Zahl der Sturzunfälle alleine bei den Erwerbstätigen um 4,2 %
erheblich gesenkt werden. Die finanzielle Einsparung ist um ein
dreifaches höher als die vergleichbaren Kosten der Kampagne: so hat
es nach 12 Monaten der Kampagne 1.369 weniger Sturzunfälle als im
Vergleichszeitraum gegeben, und die Rentenneuzugänge sind um 5 %
gesunken. Damit hat sich jeder in die Kampagne investierte Euro
3-fach amortisiert.

Um die Situation ständig zu verbessern, entwickelt die AUVA aber
immer wieder neue Produkte wie z.B. "Fit für die Zukunft". Dabei
handelt es sich um das erste gemeinsame Präventionsprojekt der
Unfallversicherung mit der Pensionsversicherung. In diesem Projekt
soll die Arbeitsfähigkeit durch den optimalen Einsatz von
organisatorischen und individuellen Ressourcen nachhaltig erhalten
und gefördert werden. Bereits 21 Unternehmen nehmen daran teil.

Umfangreiches Projekt zur Prozessoptimierung eingeleitet

Innerhalb der AUVA wurden bereits die Weichen für die Zukunft
gestellt: Um in allen Bereichen der AUVA noch effizientere Strukturen
und Abläufe zu ermöglichen, hat die AUVA Ende Jänner das Projekt
"AUVA 2020" zur Prozessoptimierung gestartet. "Ich freue mich sehr,
dass in meiner Funktionsperiode ein solch zukunftsweisender und
dynamischer Prozess einsetzt, den ich begleiten darf", erklärt Obmann
Renate Römer.

Das Gesamtprojekt gliedert sich in mehrere Teilprojekte. Dazu
gehören beispielsweise die Optimierung der Aufgabenverteilung, des
Leistungsportfolios der AUVA, der Liegenschaftsnutzung, der
Beschaffung, der Kooperationen sowie die Festlegung von
Leistungsstandards im medizinischen Bereich.

"Das Projekt ist voll auf Schiene. Das heißt, wir befinden uns
einer fortgeschrittenen Phase der Analyse und Bewertung. Mit 2
Teilprojekten (Leistungsportfolio und Beschaffungsoptimierung) sind
wir schon in die Umsetzungsphase eingetreten. Die Umsetzung der
übrigen Teilprojekte startet nach dem Sommer", erläutert Renate
Römer.

Im Teilprojekt "Leistungsportfolio" geht es um die Frage, welche
Leistungen die AUVA in Zukunft erbringen muss und will. Die AUVA ist
weiterhin bestrebt, die vier Kernaufgaben der sozialen
Unfallversicherung aus EINER Hand zu erbringen. Gleichzeitig will sie
zusätzliche "einschlägige" Leistungen vor allem auf dem Gebiet der
Prävention, der Unfallheilbehandlung und der Rehabilitation gegen
Kostenbeteiligung der Nutznießer anbieten. Langfristig wird das
Spartenmodell angestrebt, in dem die AUVA der einzige soziale
Unfallversicherungsträger in Österreich ist.

Im Teilprojekt "Beschaffungsoptimierung" geht es darum, so
kostengünstig wie möglich einzukaufen. Zurzeit wird eine Liste der
für die AUVA betriebsnotwendigen Produkte erstellt und gleichzeitig
die Frage geklärt, welche dieser Produkte besser zentral und welche
dezentral eingekauft werden.

Erster Schritt: Sparmaßnahmen UKHs

Auch im Bereich der Unfallkrankenhäuser ist die AUVA bereits jetzt
auf Grund der sich immer weiter verschärfenden Wirtschaftskrise
gezwungen, Aufwand senkende Maßnahmen zu setzen. Dadurch wird es auch
in Zukunft möglich sein, bei weiterhin hoher Qualität ein annähernd
ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erzielen.

Durch eine Reduktion der Planoperationen um 10 % sowie durch eine
Begrenzung der Auslastung mit 90 % wird eine Aufwandsenkung von 4
Mio. Euro erreicht. Planoperationen sind Operationen, die nicht akut
durchgeführt werden müssen und daher auch in anderen Krankenhäusern
vorgenommen werden können. Die Begrenzung der Auslastung entspricht
der Personalausstattung der Häuser und sichert gleichzeitig einen
"Kapazitätspuffer" für Katastrophenfälle und Arbeitsunfälle.

Unfaire Reglung zur Finanzierung des Sozialversicherungssystems

Die Einrichtungen der AUVA gehören zu den besten in Österreich.
Dieses hohe Niveau kann nur dann gehalten werden, wenn auch die
Finanzierungsregeln im Sozialversicherungssystem angepasst werden.

Mittlerweile behandelt die AUVA in ihren Einrichtungen etwa 80 %
Freizeit- und nur 20 % Arbeitsunfallopfer, obwohl Freizeitunfalle
nicht unter ihren gesetzlichen Auftrag fallen. Die Einrichtungen der
AUVA sind in erster Linie für die Behandlung von Unfällen gedacht und
auch dafür ausgelegt. Alle sonstigen Krankheitsfälle können in
anderen Krankenhäusern besser behandelt werden.

Römer zeigt sich besorgt über die Entwicklungen: "Natürlich werden
wir keinen Patienten nach einem Freizeitunfall wegschicken.
Allerdings muss ich auch auf die wirtschaftliche Situation der AUVA
und somit auf die Deckung der Kosten Rücksicht nehmen."

Seit Jahren weist die AUVA daher auf die prekären
Finanzierungsregelungen im Sozialversicherungs-system hin: "Wir
bekennen uns zur bewährten solidarischen Sozialversicherung. Aber auf
Dauer kann es nicht gut gehen, dass die AUVA als größte
Unfallversicherung die Krankenkassen massiv quersubventionieren muss.
Das betrifft einerseits unsere überhöhten Pauschbeträge an die
Krankenkassen für die Behandlung von Arbeitsunfallopfern außerhalb
unserer Einrichtungen. So zahlt die AUVA weit mehr Geld an die
Krankenkassen, als diese für Arbeitsunfälle aufwenden
(unproportionale Steigerung seit 1960 von etwa 5 Mio. Euro auf heute
knapp 170 Mio. Euro). Und andererseits bekommen wir von den
Krankenkassen einen viel zu geringen Kostenersatz für die Behandlung
von Freizeitunfallopfern in unseren Unfallspitälern und
Rehabilitationszentren. So erhalten wir für die Behandlung von
Freizeitunfallopfern beispielsweise nur etwa ein Viertel der uns
anfallenden Kosten refundiert", erklärt Renate Römer.

Beispiel Kostenersatz und Unterdeckung pro Tag/Fall in der
Unfallheilbehandlung (stationär): Kostenersatz von pauschalierten
Krankenversicherungsträgern: EUR 147,25 (26,6 %) - Unterdeckung: EUR
406,15 (73,4 %). "Es ist endlich an der Zeit, dass es hier zu einer
fairen Lösung für alle Beteiligten kommt", so Renate Römer
abschließend.

Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,5 Millionen
Versicherte

Bei der AUVA sind rund 4,5 Mio. Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,3 Mio. Arbeiter,
1,5 Mio. Angestellte, 380.000 Selbständige sowie 1,3 Mio. Schüler und
Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale
Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber.
Diese zahlen 1,4 % der monatlichen Bruttolohnsumme jedes
Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 4.020 Euro) als
Unfallversicherungsbeitrag ein.

Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich
damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention
- also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von
Berufskrankheiten - senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die
Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am
wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von
Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die
Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder
Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre
vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu
verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am
Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von
besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2008
rund 61 Mio. Euro investiert.

Rückfragehinweis:

AUVA - Sicherheitsmarketing und Presse
   Dr. Wilfried Friedl
   Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien
   E-Mail: [email protected] 
   Tel.: +43 1 33 111-530 
   Internet: www.auva.

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