• 24.08.2009, 17:07:46
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ohne Politik Eigenständig Leben - von Hans-Jörg Bruckberger

Die Amis sind wahrscheinlich einfach nur raffiniert

Wien (OTS) - Unfassbar. Bei GM/Opel gibt es laufend neue Deadlines
und Meetings - allein, die Würfel sind noch immer nicht gefallen.
Natürlich kann den Beteiligten egal sein, was die ungeduldige
Öffentlichkeit denkt. Gut Ding braucht Weile. Andererseits ist Zeit
Geld. Und das ist im Fall von Opel wörtlich zu nehmen. Auch wenn sich
wichtige Märkte dank Verschrottungsprämien zuletzt gut entwickelten:
Viele potenzielle Kunden überlegen sich den Kauf eines Opels sicher
dreimal, solange die Zukunft offen ist. Wird das Servicenetz etwa im
Falle einer Übernahme durch den Finanzinvestor RHJ noch so dicht sein
wie bisher? Solche Fragen spielen beim Autokauf eine entscheidende
Rolle. Vor allem aber ist die Produktion kostenintensiv und Opel
braucht Geld. Die Zeit drängt also.

Vor diesem Hintergrund muss man sich schon wundern, was da läuft.
Zunächst taten die Deutschen so, als würden alle Fäden bei ihnen
zusammenlaufen. Grünes Licht für Staatshilfen und ein politisches
Bekenntnis zu Magna. Später mussten sie feststellen, dass das
natürlich nicht der Fall ist. Opel gehört GM. Dass sich aber auch die
Amis mit einer Entscheidung schwer tun, ist "strange". Denn gerade
sie sind für rasches Handeln im Business-Leben bekannt.

Bei GM scheint das anders zu sein. Schon im Vorfeld der Entscheidung
über Staatshilfen und eine Chapter-11-Insolvenz zog sich die Causa
wie ein Kaugummi. Auch da gab es ständig Deadlines für ein
Restrukturierungsprogramm. Nun ist es verlockend, einfach der Politik
den schwarzen Peter zuzuschieben. Zumal da sicher was dran ist. Die
neue GM-Führung muss neben der Sanierung auch politische Einflüsse
abwehren. Denn: Auch wenn der Staat Milliarden in den Konzern gepumpt
hat - der Weg aus der Krise und zurück an den Kapitalmarkt kann nur
ohne die Politik erfolgen. Im Fall von Opel kommt noch die deutsche
Politik dazu, wo Kanzlerin und Landespolitiker laufend ihren Senf
abgeben.

Und doch dürfte mehr dahinter stecken als schlechtes Krisenmanagement
und Polit-Hickhack. Denn die Amis haben bewiesen, dass sie, wenns
drauf ankommt, sehr wohl Gas geben können. Das Chapter-11-Verfahren
von GM wurde schlussendlich in Rekordzeit durchgezogen. Vielleicht
will GM Opel ja gar nicht (mehr) verkaufen, in Europa bleiben und
sich keinen neuen Konkurrenten in Russland einhandeln. Seit der
einstigen Grundsatzentscheidung sind zwei Dinge passiert: Die Weichen
für einen GM-Neustart wurden gestellt und der Verwaltungsrat ist neu
besetzt. Derweil bleibt zu hoffen, dass auch die nächste Deadline
nicht wörtlich zu nehmen ist.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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