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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das lustige Hofburg-Spiel" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 23.8.2009

Graz (OTS) - Seit Wochen wird uns eine überflüssige Debatte
vorgeführt: Wer wird Bundespräsident?

Mit Kröpfen vergleicht der Volksmund Überflüssiges. Ein Kropf ist
nicht nur hässlich anzusehen, er kann seinem Träger auch gefährlich
werden. In diesem Sinne ist die Debatte in der ÖVP, ob man nächstes
Jahr gegen den amtierenden Bundespräsidenten einen eigenen Kandidaten
ins Rennen schicken sollte, überflüssig wie ein Kropf.

Erinnern wir uns, wie alles begonnen hat. Auslöser war ein kleines
Interview mit einem greisen Medienunternehmer von Einfluss. Der hat
en passant seinem Wunsch Ausdruck verliehen, bald von den beiden
Prölls, also Josef und Erwin, regiert zu werden. Josef sollte
Kanzler, Erwin Bundespräsident werden.

Erwin P. fand den Gedanken offenbar charmant. Er regiert seit 17
Jahren Niederösterreich. Die Mehrheit von 54,3 Prozent, die er 2008
erringen konnte, wird beim nächsten Mal kaum zu überbieten sein. Auch
wird es vielleicht irgendwann einmal fad mit den Weinköniginnen.
Warum also nicht die Karriere in den Prunkräumen Maria Theresias
ausklingen lassen?

Seither wird Pröll nicht müde, sein Interesse durch Beteuern des
Gegenteils zu bekunden. Die Gazetten des greisen Medienunternehmers
zeigen dem Amtsinhaber unterdessen täglich die Instrumente, wie man
in Zeiten der Inquisition sagte.

Heinz Fischer ist gewarnt. Es spricht für seine Nervenstärke, dass er
auf die infamen Mobbingtechniken gelassen reagiert. Weder ließ er
sich zu einer voreiligen Bekanntgabe einer zweiten Kandidatur
drängen, noch hat er seinen Amtsstil verändert. Er tut, als wäre
nichts, und das stimmt ja auch irgendwie.

Die ÖVP spielt unterdessen das alte Spiel der Selbstzerfledderung.
Erwin Pröll hat nicht nur Freunde in der Partei. Und dann gibt es
dort ja auch noch Leute, die ganz altmodisch nach dem strategischen
und politischen Sinn der Operation fragen. Wozu einen kostspieligen
Wahlkampf führen, nur um mit Hilfe Dritter Heinz Fischer in einen
zweiten Wahlgang zu nötigen? Ist der Aufwand die kleine Demütigung
des Gegners wert? Und sollte Erwin Pröll wider Erwarten den
Amtsinhaber entthronen, wie steht es dann mit den Chancen des Neffen,
der gerne beim nächsten Mal Bundeskanzler werden will? Was ist
wichtiger für die Partei, das Kanzleramt oder das Präsidentenamt?

All diese Fragen stellt man sich in St Pölten nicht. Er habe seine
Entscheidungen noch nie von anderen abhängig gemacht, lässt Erwin
Pröll ausrichten, nicht von Personen, nicht von Institutionen. Das
ist nicht gerade staatstragend gesprochen, aber immerhin klar.
Deutlicher kann man nicht werden. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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