- 19.08.2009, 09:30:58
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Schulanfang nicht leistbar - Arme Eltern, schlechte Chancen?
Diakonie fordert eine Schule, die sozial nicht ausgrenzt und ruft zur Hilfe am Schulstart auf.
Wien (OTS) - "Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele
Kinder heuer nicht ausgehen", warnt der Sozialexperte der Diakonie
Österreich, Martin Schenk. "Jetzt schon leben 228 000 Kinder in
äußerst beengten Verhältnissen, sie leben in überbelegten Wohnungen,
das heißt sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit zu wenig Platz zum
Spielen und Arbeiten, keinen eigenen Schreibtisch.", weist Schenk auf
schlechte Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang hin. "Der
eigene Platz zum Lernen, sich zu Konzentrieren ist ein Faktor, der in
den OECD-Bildungsstudien als wichtiger Indikator für Lernerfolg
beschrieben wird", so Schenk. Und: "53 000 Kinder leben in Wohnungen,
die nicht angemessen warm gehalten werden können."* Aufgrund der
sozialen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten wir
uns, dass jetzt auch Leute um Hilfe bitten, die es bis jetzt noch
geschafft haben.
"Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren
Beiträge, die zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches
Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche,
Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer,
Malfarben kostet 100 bis 250 Euro", beschreibt Claudia Röthy,
Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien, die schwierige Situation.
Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie
Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und
Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.
"Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es
Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der
nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert," betont
Sozialexperte Schenk. "Wichtig wäre auch, Schulen in sozial
benachteiligten Bezirken oder Regionen besonders gut auszustatten und
zu fördern, damit sie für alle Einkommensschichten attraktiv
bleiben."
"Eine Schule, die nicht sozial ausgrenzt, ist zentrale
Voraussetzung für Armutsbekämpfung und Aufstiegschancen von Kindern
aus benachteiligten Familien.", so Schenk weiter. "Trotz gut
ausgebauten Sozialstaats sind die Aufstiegschancen von Kindern
unabhängig des soziales Status ihrer Eltern im europäischen Vergleich
in Österreich unterdurchschnittlich. In Österreich haben wir eine im
europäischen Vergleich geringe Kinderarmut, aber nur
durchschnittliche Werte bei den sozialen Aufstiegschancen von Kindern
aus ärmeren Haushalten. Die Schule hat eine zentrale Verantwortung
dafür, ob die Bildungschancen vom Talent des Kindes oder vom
Einkommen der Eltern abhängen.", zitiert Diakonie-Sozialexperte
Martin Schenk die internationalen Schul- und Armutsstudien. "Das
liegt an der Schulorganisation genauso wie an der
Unterrichtsqualität, genauso wie an der Schulraumarchitektur genauso
wie an der Lehrerausbildung. Das eine ist vom anderen nicht zu
trennen."
Aktion Schulanfang: Schulsachen für Kinder armer Eltern
Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht
leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto
eingerichtet. " Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen
und Möglichkeiten haben", so Claudia Röthy abschließend.
Aktion Schulanfang
Stadtdiakonie Wien. Kt.Nr: 207477417, Raiffeisen BLZ 32 000
* Quelle: Statistik Austria 2009, EU-SILC 2007.
Rückfragehinweis:
Martin Schenk, 01/ 409 80 01 oder 0664/ 544 55 54, www.diakonie.at
Claudia Röthy, 0664/ 522 75 46, http://diakoniewien.at/
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