• 17.08.2009, 16:40:06
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Uns geht's wie dem Zauberlehrling

Runter mit den Lohnkosten, sonst naht das Ertrinken

Wien (OTS) - Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los -
Goethes Zauberlehrling scheint aktueller denn je. Jahrzehntelang
leistete sich Europa hohe Lohnkosten. Vor allem die Lohnnebenkosten
wurden hoch gehalten (in Österreich laut OECD etwa rund 50 Prozent,
während Japan und die USA mit 30 auskommen, wie übrigens auch die
Schweiz). Die Fertigungsindustrie wurde damit ins günstigere Ausland
vertrieben: Osteuropa war es bei den einen, China bei den anderen.
Das machte Schule, wie beim Zauberlehrling. Dieser führte die Tat
durch und war entzückt über den vermeintlich guten Ausgang. Das waren
wir auch - waren die auswärtig hergestellten Produkte doch viel
günstiger. Doch das Problem war geschaffen und nahm seinen Lauf. Der
Lehrling ging in Wasser unter, Europa in Waren, die nicht mehr in
Europa erzeugt werden. Sei es nun chinesischer Stahl, der selbst in
deutschen Flughäfen verbaut wird, während wenige Kilometer entfernt
Hütten still gelegt werden, oder chinesische Solaranlagenhersteller,
die mittlerweile die europäischen "Erfinder" an den Rand der Existenz
drängen. Wer Fertigungskompetenz im großen Stil verlagert, darf sich
nicht wundern, wenn er diese mit der Zeit verliert. Das gilt dann
auch für das damit verbundene technische Know-how. Hier sollten GM
und die endlose Opel-Saga ein (warnendes) Beispiel sein. Ein
chinesischer Bieter wurde abgewiesen, da GM fürchtete, dass Know-how
abgezogen wird - das Ende der westlichen Autoindustrie würde noch
schneller vonstatten gehen. Warum die deutsche Regierung Magna samt
seinen russischen Partnern präferiert, bleibt wohl deren Geheimnis,
wird aber wohl mit irgendwelchen Energielieferungen zu tun haben. Das
ist aber ein anderes Thema.

Bei Goethe versuchte der Lehrling zu retten, was geht, scheiterte
aber und musste seinen Meister zu Hilfe holen. Doch spätestens jetzt
stehen wir Europäer an - wo ist unser "Meister"? Wer rührt in einem
ersten Schritt das Thema Lohnnebenkosten an - das aber natürlich auf
gesamteuropäischer Ebene? Für niedrigere Lohn(neben)kosten spricht
noch eine wohl nicht mehr umkehrbare Entwicklung: Europa hat sich von
einer Industrie- in Richtung einer Dienstleistungsgesellschaft
entwickelt. In der industriellen Fertigung nimmt die Lohnkomponente
einen geringeren Anteil der Herstellungskosten an, als bei
Dienstleistungen. Da macht es dann weniger, wenn die
Lohnnebenkostenquote höher ist. Es ist nötig, das Rad der Steuer mit
der Zeit mitzudrehen. Sonst ergeht es uns bald wie dem
Zauberlehrling, nur ohne Meister - das Wasser steht uns bis zum Hals
und darüber hinaus.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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