• 11.08.2009, 17:17:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Dem Optimismus eine Chance geben - von Robert Lechner

Auch in der Industrie mehren sich die positiven Signale

Wien (OTS) - Vielen Rückkehrern aus dem Sommerurlaub geht es
dieser Tage ähnlich: Mit einem gewissen Aha-Effekt stellen sie fest,
dass es ihren Arbeitsplatz nach wie vor gibt. Es ist zwar weniger
Papierkram als in anderen Jahren liegen geblieben, aber in der Post,
die während des Urlaubs eintrudelte, befindet sich auch schon wieder
der eine oder andere Auftrag. Zu den angekündigten Sparprogrammen ist
kein weiteres dazugekommen. Neue Massen-Kurzarbeitspläne sind auch
nicht bekannt geworden.

Und die Milliarden, die die Steuerzahler in die Rettung der
Finanzbranche steckten, beginnen offenbar ihren Zweck zu erfüllen.
Jene Entspannung, die die Aktienbörsen im vergangenen Monat
vorweggenommen haben, lässt sich jetzt schwarz auf weiß an sinkenden
Zinsaufschlägen in Westeuropa ablesen. Der für Österreichs Wirtschaft
so wichtige Bankensektor hat - gemessen an den rückläufigen
Risikoprämien - wieder mehr Luft zum Atmen. Seit den Rekordständen
vom Frühjahr dieses Jahres haben sich die zusätzlichen Zinskosten für
Raiffeisen, Erste Bank und Bawag zumindest halbiert, wenn nicht gar
gedrittelt.

Hintergrund dafür ist eine gewisse Stabilisierung, wenn auch auf
deutlich tieferem Niveau. Was im Westen die automatischen
Stabilisatoren wie Arbeitslosengeld und Sozialhilfe sind, ist vor
allem in den weiter entfernten osteuropäischen Staaten der
Schwarzmarkt. Er sorgt dafür, dass es sich letztlich doch viele
Menschen leisten können, den Wohnkredit einer Erste Bank weiterhin
abzustottern oder die Raten fürs Auto halbwegs pünktlich an
Raiffeisen Leasing zu überweisen. Das hilft auch dem Staat Österreich
selbst, der für seine jüngste Anleihe nur noch 0,32 Prozentpunkte
Aufschlag gegenüber den wegweisenden deutschen Staats-
papieren zahlen musste.

Gleichzeitig mehren sich die Lichtblicke in der Industrie. Bei der
Voestalpine wird gerade daran gearbeitet, die Auslastung auf drei
Viertel hochzufahren. Und Unternehmen, die von der Krise besonders
stark gebeutelt wurden, wie etwa Palfinger, schmieden Zukunftspläne
in potenziellen Wachstumsmärkten. In ein neues Russland-Joint Venture
werden in den kommenden Jahren Millionen investiert, um vom nächsten
Aufschwung zu profitieren. Wenn dieser Tage auch noch die Sanierung
von Magna durch die Übernahme von Opel inklusive Milliarden-Garantien
aus Berlin gelingt, darf auch in der Steiermark wieder Zuversicht
aufkeimen.

Keine Frage, die zarte Optimismus-Pflanze ist dünn, aber es ist an
der Zeit, ihr eine Chance zu geben.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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