Gefährliche Laufhilfen: 300 Babys verletzen sich jährlich

Kinderlaufhilfen zählen zu den gefährlichsten Produkten für Babys. Ab 7.8.2009 müssen die Geräte über eine Bremsvorrichtung verfügen, sonst drohen hohe Geldstrafen.

Wien (OTS) - Jährlich verletzen sich rund 300 Kinder unter zwei Jahren, wenn sie mit sogenannten Kinderlaufhilfen unterwegs sind. Zu den häufigsten Unfällen mit dem auch als Babywalker oder irreführenderweise als Lauflernhilfe bezeichneten Gerät zählen Stürze auf Stiegen, die meist zu sehr schweren Kopfverletzungen führen. Ab morgen, 7.8.2009, dürfen im österreichischen Handel nur noch Kinderlaufhilfen verkauft werden, die der Norm EN 1273:2005 entsprechen. "Wesentliche Neuerung ist, dass Kinderlaufhilfen über eine Bremsvorrichtung verfügen müssen. Fährt das Kind an eine Treppenkante, wird das Gerät abgebremst und kann nicht weiterfahren. Trotz dieser Vorrichtung ist aber generell von Kinderlaufhilfen, speziell mit Schrittgurt, abzuraten", betont Dr. Anton Dunzendorfer, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Wird die Laufhilfe an der Treppe gebremst, muss das Kind von einem Erwachsenen befreit werden, da sich das Gerät dann vom Kind weder vorwärts noch rückwärts bewegen lässt. Händlern, die nicht der Norm entsprechende Geräte weiterhin verkaufen, droht eine Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro.

Laufentwicklung wird nicht gefördert, sondern verzögert

Gefährlich ist, dass die Kleinen durch die Rollen schnell Geschwindigkeiten von bis zu 10km/h erreichen, die sie nicht mehr kontrollieren können. Kollisionen mit Tisch- oder Regalkanten, offenen Fensterflügeln oder anderen Gegenständen können zu ernsthaften Verletzungen führen. Jedes zweite Kind, das sich im Laufwagerl verletzt, erleidet eine Gehirnerschütterung. Viele Eltern kaufen dennoch derartige Babywalker, weil sie meinen, dass die Kinder damit schneller und einfacher laufen lernen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Laufwagerl verzögern bei Babys die Entwicklung der motorischen Fertigkeiten. "Dadurch, dass das Kind in einem Gurt hängt, wird der selbstständige Umgang mit dem eigenen Körpergewicht, sowie die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, verlangsamt entwickelt. Bei zu langem Aufenthalt in den Geräten besteht sogar die Gefahr von orthopädischen Schäden, da die Kinder sich in einer unnatürlichen Körperhaltung befinden", warnt Dunzendorfer. Hinzu kommt, dass viele Eltern ihre Sprösslinge im Laufwagerl sicher aufgehoben vermuten. Spielbrett, Figuren und Rasseln erwecken den Anschein, dass sich das Kind auch einige Zeit selbst beschäftigen kann. "Kinder mit Kinderlaufhilfe sollten keinesfalls unbeaufsichtigt gelassen werden. Durch die Rollen am Gerät, gelangen sie schnell an Orte mit Verletzungsgefahr. Die Bremsvorrichtung ersetzt die Aufsichtspflicht nicht", sagt Dunzendorfer.

Alternative: Bewegungsspielzeug zum Schieben

Deutlich besser für die Entwicklung von Gehen und Laufen ist Bewegungsspielzeug zum Schieben wie z.B. Rutschautos, Schaukeltiere oder Puppenwagen, an denen sich die Kinder abstützen und aufrichten können. Durch das vor sich Herschieben finden sie Halt beim Gehen -die ersten Schritte werden so unterstützt. Denn das Kind steht oder sitzt mit diesen Spielsachen frei, es ist nicht in einem Sitz wie in den Laufwagerln und lernt so besser die Balance zu halten. "Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos und der Gefahr einer Entwicklungsverzögerung raten wir dringend von Laufwagerln, Babywalkern oder ähnlichen Geräten ab", schließt Dunzendorfer.

Rückfragen & Kontakt:

Bakk.phil. Elisabeth Gerstendorfer
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Marketing & Kommunikation
Tel.: 05 77 0 77-1906
E-Mail: elisabeth.gerstendorfer@kfv.at
www.kfv.at

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