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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Beim Poker um zwei US-Geiseln winkt Clinton und Kim der Sieg" (Von Bernhard Bartsch)

Ausgabe vom 5. August 2009

Graz (OTS) - Kim Jong-il kann sich wieder einmal als Sieger
fühlen. Mit seiner Geiselnehmerpolitik ist es Nordkoreas Diktator
gelungen, einen Besuch des ehemaligen Präsidenten der USA Bill
Clinton zu erpressen. Er will die Freilassung der US-Journalistinnen
Laura Ling und Euna Lee erwirken, die im März an der
nordkoreanisch-chinesischen Grenze verhaftet und im Juni zu jeweils
zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt wurden. Man darf erwarten, dass
Clinton bereits mit der Zusage losgeflogen ist, gemeinsam mit den
Reporterinnen zurückfliegen zu können. Anders hätte er sich wohl kaum
bereit erklärt, dem stalinistischen Regime einen derartigen PR-Coup
zu schenken.

Denn Pjöngjangs Propagandaapparat wird die Visite nach allen Regeln
seiner Kunst ausschlachten, um im Volk den Eindruck zu erwecken, ihr
Land genieße internationalen Einfluss und Respekt. So sehr sich
Clinton auch bemühen wird, nicht unterwürfig zu erscheinen - bei den
Nordkoreanern wird der Eindruck entstehen, der ehemalige US-Präsident
begegne ihrem "Geliebten Führer" mit Anerkennung und Dankbarkeit.

Dieser hat von seinem Vater gelernt, mit Kidnapping Politik zu
machen. 1968 ließ Kim Il-sung das amerikanische Aufklärungsschiff USS
Pueblo kapern. Die 82 Besatzungsmitglieder wurden elf Monate
festgehalten und erst freigelassen, nachdem Washington sich für den
Vorfall entschuldigt hatte.

Wie sein Vater dürfte nun auch Kim Jong-il die Freilassung der
Journalistinnen als Gnadenakt dazustellen versuchen, ein perfides
Stück Realitätsverdrehung, denn im Umgang mit seinem eigenen Volk ist
dem Tyrann jede Gnade fremd. Alle 23 Millionen Nordkoreaner sind
seine Geiseln. Sollten die US-Reporterinnen tatsächlich freikommen,
wäre der Besuch nicht nur für Kim ein Coup, sondern ebenso für Bill
Clinton. Denn auch wenn er nicht in offizieller Mission kommt, so
wird er im Auftrag seiner Frau sicherlich über die ganze Bandbreite
der Konfliktthemen sprechen, insbesondere nach Nordkoreas zweitem
Atombombentest Ende Mai.

Clinton dürfte Kim zur Rückkehr zu den Pekinger
Sechs-Parteien-Gesprächen oder zur Aufnahme bilateraler Verhandlungen
mit Washington zu bewegen versuchen. Womit er seiner Frau wieder
einmal die Show stiehlt: Während Hilary Clinton als
US-Außenministerin bisher keine überzeugende Figur gemacht hat und
zuletzt in Washington abwechselnd kritisiert und verspottet wurde,
kassiert den ersten echten Erfolg ihrer Diplomatie ausgerechnet ihr
Ehemann. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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