- 04.08.2009, 16:53:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Sotschi 2014 - Realismus statt Euphorie - von Wolfgang Unterhuber
Es war richtig, die russische Karte zu spielen
Wien (OTS) - Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner ist Realist. Und
daher macht er sich keine falschen Hoffnungen. Gerade, was Russland,
oder konkreter gesagt Sotschi, angeht. Das Projekt Sotschi liegt für
die Strabag nämlich ab sofort "auf Eis". Will heißen: Haselsteiner
rechnet nicht länger mit irgendwelchen Aufträgen im Rahmen des
OlympiaProjekts. Urspünglich waren es insgesamt bis zu 500 Millionen
Euro, die sich die Strabag über die Jahre aus Orders rund um Sotschi
erwartet hatte.
Doch das war noch vor der Krise. Zu Zeiten, als der Oligarch Oleg
Deripaska bei der Strabag einstieg und die Olympia-Entscheidung
zugunsten der Schwarzmeer-Stadt fiel. Goldgräberstimmung kam auf und
Russland schien das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein.
Seither ticken die Uhren bekanntlich ganz anders. Deripaska liegt
wirtschaftlich auch auf Eis und die Strabag kann froh sein, wenn sie
ihre Russland-Umsätze heuer halbwegs halten kann. Haselsteiners
Sotschi-Realismus basiert übrigens auf der Tatsache, dass das
staatliche Bauprogramm für die Winterspiele 2014 um gut ein Drittel
zusammengestrichen wird und russische wie internationale
Privatinvestoren jetzt andere Sorgen haben als dort ihre Programme zu
fahren.
Hatten die Kritiker und Bedenkenträger also Recht, wenn sie
Haselsteiners Russland-Euphorie immer für falsch und manchmal sogar
für gefährlich hielten?
Nein. Denn erstens hängt die Existenz der Strabag nicht von Russland
ab und zweitens war es aus der damaligen Perspektive vollkommen
richtig, die russische Karte zu spielen. Die ist derzeit kaum etwas
wert, doch wird Russland eher früher als später wieder ein
prosperierender Markt sein.
Und Sotschi? Dass das wirtschaftliche Olympia-Programm stark
reduziert wird, trifft viele österreichische Unternehmen, die in der
dortigen Region bereits engagiert sind. Doch auch wenn die Zeit für
die umfangreichen Projekte schön langsam knapp wird, größere Probleme
können sich die Russen nicht leisten.
Wladimir Putin muss jetzt zeigen, ob er so gut ist, wie ihn die
eigene Propaganda darstellt. Er braucht dringend Geldgeber. Daher
will er im September persönlich am internationalen Investitionsforum
in Sotschi teilnehmen. Für österreichische Unternehmen, die dabei ihr
Know-how präsentieren wollen, eine große Chance, sich dem
Ministerpräsidenten zu empfehlen. Doch sollten sie achtsam sein.
Putin sagte einst, er werde die Winterspiele 2014 "um jeden Preis"
durchziehen. In der momentanen Lage kann das auch wie eine Drohung
klingen ...
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
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