WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Sotschi 2014 - Realismus statt Euphorie - von Wolfgang Unterhuber

Es war richtig, die russische Karte zu spielen

Wien (OTS) - Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner ist Realist. Und daher macht er sich keine falschen Hoffnungen. Gerade, was Russland, oder konkreter gesagt Sotschi, angeht. Das Projekt Sotschi liegt für die Strabag nämlich ab sofort "auf Eis". Will heißen: Haselsteiner rechnet nicht länger mit irgendwelchen Aufträgen im Rahmen des OlympiaProjekts. Urspünglich waren es insgesamt bis zu 500 Millionen Euro, die sich die Strabag über die Jahre aus Orders rund um Sotschi erwartet hatte.
Doch das war noch vor der Krise. Zu Zeiten, als der Oligarch Oleg Deripaska bei der Strabag einstieg und die Olympia-Entscheidung zugunsten der Schwarzmeer-Stadt fiel. Goldgräberstimmung kam auf und Russland schien das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein.

Seither ticken die Uhren bekanntlich ganz anders. Deripaska liegt wirtschaftlich auch auf Eis und die Strabag kann froh sein, wenn sie ihre Russland-Umsätze heuer halbwegs halten kann. Haselsteiners Sotschi-Realismus basiert übrigens auf der Tatsache, dass das staatliche Bauprogramm für die Winterspiele 2014 um gut ein Drittel zusammengestrichen wird und russische wie internationale Privatinvestoren jetzt andere Sorgen haben als dort ihre Programme zu fahren.

Hatten die Kritiker und Bedenkenträger also Recht, wenn sie Haselsteiners Russland-Euphorie immer für falsch und manchmal sogar für gefährlich hielten?

Nein. Denn erstens hängt die Existenz der Strabag nicht von Russland ab und zweitens war es aus der damaligen Perspektive vollkommen richtig, die russische Karte zu spielen. Die ist derzeit kaum etwas wert, doch wird Russland eher früher als später wieder ein prosperierender Markt sein.

Und Sotschi? Dass das wirtschaftliche Olympia-Programm stark reduziert wird, trifft viele österreichische Unternehmen, die in der dortigen Region bereits engagiert sind. Doch auch wenn die Zeit für die umfangreichen Projekte schön langsam knapp wird, größere Probleme können sich die Russen nicht leisten.

Wladimir Putin muss jetzt zeigen, ob er so gut ist, wie ihn die eigene Propaganda darstellt. Er braucht dringend Geldgeber. Daher will er im September persönlich am internationalen Investitionsforum in Sotschi teilnehmen. Für österreichische Unternehmen, die dabei ihr Know-how präsentieren wollen, eine große Chance, sich dem Ministerpräsidenten zu empfehlen. Doch sollten sie achtsam sein. Putin sagte einst, er werde die Winterspiele 2014 "um jeden Preis" durchziehen. In der momentanen Lage kann das auch wie eine Drohung klingen ...

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