• 30.07.2009, 18:02:21
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Wiener Zeitung: Unterbergers Kommentar: "Gute Banken, böse Banken"

Ausgabe vom 30. Juli 2009

Wien (OTS) - Vielen Banken geht es wieder etwas besser. Was noch
lange nicht gut ist. Und was sie auch nicht der Kritik entzieht -
berechtigter wie absurder.

Mehr als berechtigt ist der Tadel daran, wie mancherorts wieder
viele Boni, also erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile, bezahlt
werden. Wobei diese ja an sich durchaus sinnvoll sind: Wenn dadurch
die Fleißigen und Tüchtigen über die Minimalleister herausgehoben
werden, ist das für Kunden wie Aktionäre gut (nur für die
Gewerkschaft nicht, weil ja dann die Menschen wissen, dass sie der
eigenen Leistung, nicht der Gewerkschaft Dank schulden). Gefährlich
sind Boni aber dann, wenn sie zum Risiko verlocken, wenn also
Finanzmenschen dick kassieren können, falls ein riskantes Geschäft
gut geht, wenn ihnen aber nichts passiert, falls ein Risiko schlagend
wird. Außer, dass sie halt dann nur den fixen Gehaltsteil kassieren
können.

Gefährlich sind auch Aktienoptionen, wenn dumme Firmen den raschen
Verkauf der bezogenen Aktien erlauben, wenn also die Belohnten die
Firmenanteile nicht ein paar Jahre halten müssen.

Skurril ist hingegen die Kritik an den Bank-Gewinnen, wie man sie
etwa unlängst bei einer TV-Kulturdiskussion hören konnte. Denn uns
allen sollten Banken, die Gewinne machen, viel lieber sein als jene
mit Verlusten. Und die Kritiker "zweistelliger Profitsätze" sollten
den Unterschied zwischen Umsatz- und Eigenkapitalprozenten lernen.
Besonders laut - und subjektiv nachvollziehbar - sind die Kritiker
der Kreditklemme, also daran, dass die Banken beim Verborgen von Geld
viel selektiver geworden sind, dass man viel schwerer Geld bekommt.
Jedoch: Genau das sollte ja die Lehre aus der Krise sein, die durch
viel zu freizügige Kreditvergabe entstanden ist. Die westliche
Wirtschaft und unser Wohlstand waren und sind in viel zu hohem Ausmaß
auf Schulden aufgebaut. Der Rückbau einer Schuldenwirtschaft ist
freilich so schmerzhaft wie ein Drogenentzug. Noch viel notwendiger
wäre es nun, dass auch die Staaten mit dem Entzug beginnen. Als die
Banken wankten, konnten ja noch die Regierungen sie auffangen. Wenn
einmal die Staatsfinanzen platzen, dann ist kein Retter mehr da. Und
die Bürger werden zum Opfer. Wie in Kalifornien, in Lettland, in
Island, in Ungarn, in Argentinien, in der Ukraine. Dort können
Caritas und Armutskonferenzen lernen, was wirklich großflächige Armut
bedeutet.

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Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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