"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gut bezahlt und ahnungslos" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 31.07.2009

Wien (OTS) - Bis zu ihrer Pensionierung waren sie
bestqualifizierte und gut bezahlte Bankmanager, Finanzexperten oder Abteilungsleiter großer Betriebe. Jetzt sind sie Funktionäre des "Schutzverbandes der Pensionskassenberechtigten" und jammern zum Steinerweichen.
Sie fühlen sich von ihren früheren Arbeitgebern (von AEG über Creditanstalt, BankAustria, Erste Bank, ORF oder Schoellerbank bis Siemens) übervorteilt. "Hunderttausende Leistungsträger" müssten Verluste bis zu 45 Prozent der Betriebspensionen hinnehmen, weil ihnen "unter Aufsicht des Staates das Kapitalmarktrisiko aufgezwungen" wurde. Jetzt soll der Staat - also die Gemeinschaft aller Steuerzahler - für ihre Verluste einspringen.
Zynischer geht es wohl nicht mehr: Mitte der neunziger Jahre haben Banken und andere Großbetriebe ihre Pensionszusagen an Pensionskassen ausgelagert. Dabei wurden unrealistisch hohe Ertragserwartungen zugrunde gelegt. In der Creditanstalt beispielsweise wurde ein jährlicher Ertrag von 7,5 Prozent unterstellt. Der Betriebsrat war einverstanden.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Traumzahlen waren. Die Pensionskassen haben von 1991 bis 2008 nur 5,7 Prozent Durchschnittsertrag erzielt. Das verursacht hohe Differenzen zwischen prognostizierten und ausbezahlten Betriebspensionen.
Unschuldig zum Handkuss gekommen sind jene Mitarbeiter, die Fachleuten vertraut haben: Dem Management, Abteilungsleitern, Funktionären und dem Betriebsrat. Diejenigen, die jetzt am lautesten schreien, haben zwar auch Verluste erlitten, sind daran aber alles andere als unschuldig.

Zumindest für Bank- und Finanzmanager muss sogar eine Gegenfrage erlaubt sein: Wenn sie sich in eigener Sache so ahnungslos geben -wie gut waren dann ihre Ratschläge und wie haben sie mit fremdem Geld gewirtschaftet?
Der einzige Vorwurf, den man dem Staat machen kann: Es wurden zu hohe Gewinnerwartungen und zu riskante Anlagestrategien genehmigt.
Aber hätte die Finanzmarktaufsicht kippen sollen, was "Bankmanager in leitender Funktion" (so die Eigendefinition eines Geschädigten) anstandslos akzeptiert haben? Warum haben die jetzigen Schreihälse nicht schon lautstark protestiert, als ihnen unrealistisch hohe Gewinnerwartungen aufs Auge gedrückt wurden?
Viele unter den 550.000 Beziehern von Betriebspensionen sind unschuldig zum Handkuss gekommen - ebenso wie viele hunderttausend Sparer, die unrealistischen Versprechen von Vermögensberatern und Bankangestellten geglaubt haben.

Trotzdem wäre es falsch, Verluste auf die Steuerzahler abzuwälzen. Die Entscheidung der Regierung war richtig, in Zukunft vorsichtigere Anlagestrategien und höhere Risikorückstellungen vorzuschreiben, die eingetretenen Verluste aber nicht durch Staatszuschüsse zu kompensieren.

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