- 29.07.2009, 11:47:59
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Handke-Uraufführung im Frühjahr 2010 am Burgtheater
Euripides-Nachdichtung mit Birgit Minichmayr unter Bondy
Wien (OTS) - Peter Handkes neues dramatisches Werk wird zu den
Festwochen 2010 am Burgtheater uraufgeführt. Das bestätigen Handke
und Festwochenintendant Luc Bondy in der morgen erscheinenden
NEWS-Ausgabe. Bondy wird selbst inszenieren, Birgit Minichmayr
spielt die Titelrolle in Handkes Nachdichtung der "Helena" des
Euripides. Ursprünglich war für die Festwochen-Koproduktion Carlo
Goldonis "Trilogie der Sommerfrische" vorgesehen. Doch die, so Bondy,
hätte zwei Abende erfordert, wofür die Vorbereitungszeit nicht mehr
reiche.
Handke selbst äußert sich im Rahmen eines dreiseitigen
NEWS-Interviews zum Projekt: "Ich schreibe gerade ein Stück, noch auf
Anregung von Wendelin Schmidt-Dengler (dem verstorbenen Germanisten;
Anm.), der sehr gut Altgriechisch gekonnt und mich auf die "Helena"
des Euripides aufmerksam gemacht hat. Dann kam Luc Bondy dazu. Die
schöne Helena geht in diesem Stück gar nicht nach Troja. Es war nur
ein Scheinbild, das mit Paris dorthin gegangen ist, während die
wirkliche Helena in Ägypten war. Das versuche ich seit drei Wochen,
mit einem schönen, alten Wörterbuch aus dem Jahr 1886 zu übertragen.
Es macht mir ein unglaubliches Vergnügen, jeden Tag dazusitzen und
nachzuschlagen, und dann gibt es einen Ruck, und es kommt zum
Verstehen. (...) Es ist ein Vorauftrag an mich ergangen, und das ist
meine Freude im Sommer. Insofern bin ich kein Solist. Ich lebe mit
der Helena, die in Ägypten am Ufer des Nils steht und auf ihren Mann
Menelaos wartet. Wenn man die Ilias kennt, ist sie froh, dass sie
ihren Mann los ist. Aber bei Euripides wartet sie auf ihn."
Handkes Stück "Storm Still" über Kärntner Widerstandskämpfer im
Nazi-Reich ist fertig. Wo es uraufgeführt wird, steht noch nicht
fest, Handke denkt aber an Martin Kusej als Regisseur: "Er ist ja
Kärntner und kann besser Slowenisch als ich, und im Stück kommen
nicht wenige slowenische Sätze vor. Ich möchte ihn gern treffen und
mit ihm drüber reden. Ich möcht ja niemandem mein Zeug aufdrängen …
Aber er hat so eine holzschnittartige Inszenierweise. Er tranchiert
wie ein guter Fleischhacker, ein chinesischer Fleischer, der oft als
Bild für eine Weltdarstellung herangezogen wird. Der weiß ganz genau,
wo er schneiden muss, damit schöne, zusammenhängende Stücke
entstehen, die beim unförmigen Lebendtier nicht gegeben sind. Für
meine Übersubtilität wäre das ganz gut."
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