Handke-Uraufführung im Frühjahr 2010 am Burgtheater

Euripides-Nachdichtung mit Birgit Minichmayr unter Bondy

Wien (OTS) - Peter Handkes neues dramatisches Werk wird zu den Festwochen 2010 am Burgtheater uraufgeführt. Das bestätigen Handke und Festwochenintendant Luc Bondy in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe. Bondy wird selbst inszenieren, Birgit Minichmayr spielt die Titelrolle in Handkes Nachdichtung der "Helena" des Euripides. Ursprünglich war für die Festwochen-Koproduktion Carlo Goldonis "Trilogie der Sommerfrische" vorgesehen. Doch die, so Bondy, hätte zwei Abende erfordert, wofür die Vorbereitungszeit nicht mehr reiche.

Handke selbst äußert sich im Rahmen eines dreiseitigen NEWS-Interviews zum Projekt: "Ich schreibe gerade ein Stück, noch auf Anregung von Wendelin Schmidt-Dengler (dem verstorbenen Germanisten; Anm.), der sehr gut Altgriechisch gekonnt und mich auf die "Helena" des Euripides aufmerksam gemacht hat. Dann kam Luc Bondy dazu. Die schöne Helena geht in diesem Stück gar nicht nach Troja. Es war nur ein Scheinbild, das mit Paris dorthin gegangen ist, während die wirkliche Helena in Ägypten war. Das versuche ich seit drei Wochen, mit einem schönen, alten Wörterbuch aus dem Jahr 1886 zu übertragen. Es macht mir ein unglaubliches Vergnügen, jeden Tag dazusitzen und nachzuschlagen, und dann gibt es einen Ruck, und es kommt zum Verstehen. (...) Es ist ein Vorauftrag an mich ergangen, und das ist meine Freude im Sommer. Insofern bin ich kein Solist. Ich lebe mit der Helena, die in Ägypten am Ufer des Nils steht und auf ihren Mann Menelaos wartet. Wenn man die Ilias kennt, ist sie froh, dass sie ihren Mann los ist. Aber bei Euripides wartet sie auf ihn."

Handkes Stück "Storm Still" über Kärntner Widerstandskämpfer im Nazi-Reich ist fertig. Wo es uraufgeführt wird, steht noch nicht fest, Handke denkt aber an Martin Kusej als Regisseur: "Er ist ja Kärntner und kann besser Slowenisch als ich, und im Stück kommen nicht wenige slowenische Sätze vor. Ich möchte ihn gern treffen und mit ihm drüber reden. Ich möcht ja niemandem mein Zeug aufdrängen … Aber er hat so eine holzschnittartige Inszenierweise. Er tranchiert wie ein guter Fleischhacker, ein chinesischer Fleischer, der oft als Bild für eine Weltdarstellung herangezogen wird. Der weiß ganz genau, wo er schneiden muss, damit schöne, zusammenhängende Stücke entstehen, die beim unförmigen Lebendtier nicht gegeben sind. Für meine Übersubtilität wäre das ganz gut."

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