Gaunerzinken: Geheime Zeichensprache der Einbrecher

Mit wenigen Linien und Kreisen hinterlassen Kriminelle Hinweise, um Informationen über die Bewohner und die Gefahren eines Hauses oder einer Wohnung auszutauschen.

Wien (OTS) - Sie fallen kaum auf: kleine Markierungen an Hauswänden, Türen, bei Gegensprechanlagen, Briefkästen oder an Zäunen. Gemeint sind sogenannte Gaunerzinken, die von manchen Einbrechern gezeichnet und gedeutet werden. "Gaunerzinken sind einfache Zeichen und Symbole mit wenigen Linien und Kreisen, die für Kriminelle eine bestimmte Bedeutung haben. So kann miteinander über ein Haus, die Schutzvorrichtungen und seine Bewohner kommuniziert werden, ohne dass diese es mitbekommen", erklärt Mag. Birgit Zetinigg, Leiterin des Bereichs Eigentum & Feuer im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Die Zeichen können sich auch an Komplizen richten und darüber informieren, welche Gefahren zu erwarten sind, z.B. ob es einen bissigen Hund oder eine Alarmanlage gibt. "In Banden kundschaftet beispielsweise zunächst eine Person die Tatgelegenheiten aus und teilt dann Mittätern oder anderen Einbrechern die Erkenntnisse über Markierungen mit."

Nicht nur Kriminelle nutzen Geheimsprachen an Wohnobjekten

Ihren Ursprung haben die Gaunerzinken im "Rotwelschen", einer Gauner-Geheimsprache, die im zwölften Jahrhundert entstand. Kriminelle nutzten diese Sprache, um sich unerkannt über bevorstehende Taten unterhalten zu können. Im 16. Jahrhundert entwickelten sich daraus grafische Darstellungen, die an ein bestimmtes Haus angebracht wurden, um anzuzeigen, wann dieses ausgeraubt oder angezündet werden soll. Sie wurden vor allem mit Kreide oder Kohle an die Wände gemalt oder eingeritzt und sind die Grundlage der auch heute noch verwendeten Gaunerzinken. Nicht nur Kriminelle machen sich die Zeichensprache zunutze: Auch manche Bettler, Vertreter von religiösen Gruppierungen, Vertreter und Prospekt-Verteiler hinterlassen sich gegenseitig Zeichen. Ein modernes Phänomen ist das sogenannte "War Chalking". "Hier wird mit Kreide an ein Haus gezeichnet, dass es z.B. einen ungeschützten WLAN-Zugang in Reichweite gibt, der angezapft werden kann."

Was tun, wenn man einen Gaunerzinken entdeckt?

"Am besten ist es, derartige Zeichen zu entfernen und sich mit seinen Nachbarn darüber auszutauschen, denn möglicherweise haben diese an einer anderen Stelle ähnliche Zeichen entdeckt oder werden dadurch zumindest auf diese aufmerksam", meint Zetinigg.

Rückfragen & Kontakt:

Bakk.phil. Elisabeth Gerstendorfer
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Marketing & Kommunikation
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E-Mail: elisabeth.gerstendorfer@kfv.at
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