• 22.07.2009, 11:18:04
  • /
  • OTS0094 OTW0094

Elektro- und Elektronikindustrie (EEI): Produktion sinkt im 1. Quartal 09 im Schnitt um -18%

FEEI-Hochleitner: Minus 25% beim Außenhandel / Unternehmen versuchen Mitarbeiter zu halten / Konjunkturklausel muss rasch umgesetzt werden

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=38&dir=200907&e=20090722_j&a=event
Jahrespressekonferenz der Elektro- und Elektronikindustrie - v.l.n.r.: Dr. Lothar Roitner (Geschäftsführer des FEEI), Dipl. Ing. Dr. h.c. Albert Hochleitner (Obmann des FEEI)

Wien (OTS) - Die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie
konnte sich im 1. Quartal 2009 dem weltweiten Konjunkturrückgang
nicht entziehen. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage liegt der
Produktionswert im Branchenschnitt um -18% unter dem Wert des
Vorjahreszeitraumes. Nahezu alle Sparten waren in ihrer Entwicklung
negativ. Einzig die Bereiche Energietechnik und Dienstleistungen
konnten Zuwächse verzeichnen. Neben rückläufigen Aufträgen macht der
EEI vor allem der Einbruch der Exporte um -24,8% von Jänner bis März
2009 zu schaffen. "Die österreichische Elektro- und
Elektronikindustrie ist zu 90 Prozent auf Herstellung von
Investitions- und Vorleistungsgüter konzentriert. Über 70% der
Produkte werden exportiert. Die EEI ist somit in höchstem Maß von der
Entwicklung anderer Industriebereiche in der ganzen Welt abhängig und
spürt daher die Auswirkungen der Krise besonders stark", erklärt
Albert Hochleitner, Obmann des FEEI - Fachverband der Elektro- und
Elektronikindustrie, die Ursachen für die rückläufige
Branchenentwicklung. Eine Prognose für die kommenden Monate ist
derzeit aufgrund der großen Unsicherheiten schwierig. In der Sparte
Bauelemente, die als ein Frühindikator für die Entwicklungen in der
EEI gilt, verstärken sich bereits die positiven Signale. Allerdings
wird die Konjunktur noch über einen längeren Zeitraum von der
allgemein schlechten Investitionsnachfrage und den Entwicklungen auf
den Exportmärkten beeinträchtigt werden. Für das Jahr 2009 rechnet
der Fachverband mit einem Produktionsminus von mindestens 10%.

Die schwierige Situation spiegelt sich auch bei den Beschäftigten
wider. Im ersten Quartal 2009 waren mit 58.854 Mitarbeitern 2,6%
weniger Personen in der EEI beschäftigt als im gleichen Zeitraum des
Vorjahres. In Anbetracht des deutlichen Produktionsrückgangs ist
Hochleitner aber positiv überrascht: "Wir haben einen wesentlich
stärkeren Personalabbau befürchtet. Das zeigt, dass unsere
Unternehmen in den vergangenen Monaten alles daran setzten, mit
Kurzarbeit und anderen Maßnahmen ihre Mitarbeiter zu halten". Im März
2009 befanden sich 3.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Per 10. Juli
2009 waren es 5.200 Personen. Spannend ist, wie sich die Situation in
den kommenden Monaten entwickeln wird. "Den Unternehmen kommen jetzt
die Sommermonate mit Werksferien etc. zugute. Wir befürchten
allerdings, dass es ab Herbst keine neue Kurzarbeitswelle gibt, da
das Instrument als langfristige Überbrückungsmaßnahme zu teuer ist",
erklärt der FEEI-Obmann.

78 Unternehmen wollen Konjunkturklausel in Anspruch nehmen

Durch ihre große Produktbandbreite und internationale Ausrichtung
sind die Unternehmen der EEI nicht nur sehr stark, sondern auch sehr
unterschiedlich von der Krise betroffen. Das Ziel der diesjährigen
KV-Verhandlungen war es daher, einen Abschluss zu erzielen, der der
Branchensituation gerecht wurde. Mit der Einführung einer
Konjunkturklausel ist ein differenzierter Ist-Abschluss gelungen, der
allen Unternehmen, die im 1. Quartal 2009 gegenüber dem 1. Quartal
2008 einen Umsatzrückgang von 15% und mehr erlitten haben, eine
geringere Ist-Erhöhung von mindestens 1,4% statt 2,2% ermöglicht. Für
eine Nutzung der Klausel mussten die Betriebe bis 19. Juni die
hierfür nötigen Anträge im FEEI und bei den Gewerkschaften
einreichen. Insgesamt nahmen diese Option 78 Unternehmen in Anspruch.
Betroffen sind knapp 20.000 Beschäftigte. Das ist mehr als ein
Drittel aller dem KV unterliegenden Mitarbeiter. Über 20 dieser
Unternehmen verzeichneten im 1. Quartal 2009 einen Umsatzrückgang von
40% und mehr, weitere 20 Unternehmen Rückgänge zwischen 25% und 40%.
Bis 21. September 09 werden die Anträge geprüft und die für die
Umsetzung nötigen Betriebsvereinbarungen ausgearbeitet. Beide
Sozialpartner müssen diesen in der Folge zustimmen.

FEEI erwartet zügige Umsetzung der Konjunkturklausel in die Praxis

Bereits bei den ersten Abwicklungen der Konjunkturklausel zeigte
sich allerdings, dass die Gewerkschaften Hebel in Bewegung gesetzt
haben, um von den Unternehmen Zugeständnisse für eine Realisierung
der Klausel zu erzwingen. "Wir hatten bis letzte Woche das Problem,
dass sich die Gewerkschaften in die Verhandlungen auf Betriebsebene
eingemischt haben bzw. allgemein gültige Bedingungen für eine
Umsetzung aussprechen wollten wie z.B. die Befristung der geringeren
Ist-Erhöhung, einen gebundenen Verwendungszweck für die "eingesparten
Mittel" oder keine Produktionsverlagerungen für einen gewissen
Zeitraum. Damit wird die zwischen den Sozialpartnern ursprünglich
vereinbarte Vorgehensweise eindeutig konterkariert. Details zur
Konjunkturklausel sind individuell auf Betriebsebene zwischen
Betriebsrat und Unternehmensführung zu vereinbaren", kritisiert
Hochleitner die Gewerkschaften und ergänzt, dass das einzig relevante
Kriterium für die Umsetzung der Klausel der Umsatz bleiben muss.
Natürlich steht es jedem Unternehmen individuell frei, dem
Betriebsrat weitere Zugeständnisse zu machen. Allgemein gültige
zusätzliche Bedingungen lehnt man von Seiten des FEEI jedoch strikt
ab.

Um die Umsetzung der Klausel durch die fordernde Haltung der
Gewerkschaften nicht zu gefährden, wurde am 15. Juli vom FEEI
nochmals ein Spitzengespräch mit der GMTN und GPA einberufen.
Ergebnis war die erneute gemeinsame Verständigung über das Ziel der
Konjunkturklausel: die Zukunft der Betriebe am Standort Österreich
und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern. "Nachdem uns
sowohl Herr Wimmer als auch Herr Proyer bestätigt haben, die
Umsetzung der Konjunkturklausel im Sinne der am
4. Juni unterzeichneten Sozialpartnervereinbarung zu unterstützen,
erwarten wir, dass die Anträge in den kommenden Wochen zügig geprüft
und über die überwiegende Mehrheit positiv entschieden wird", erklärt
der FEEI-Obmann abschließend.

Die wirtschaftliche Lage der Elektro- und Elektronikindustrie im
Detail

Die Abwärtstendenzen in der heimischen Elektro- und
Elektronikindustrie zeigten sich erstmals im
4. Quartal 2008 deutlich (-9,8%). Das Minus im Gesamtjahr 2008 blieb
aber dank einer stabilen Entwicklung bis September mit nominell -2,4%
im Rahmen (11,8 Mrd. Euro Produktionswert 2008). Im ersten Quartal
2009 hat sich das Bild weiter verdüstert (-18%). Der Produktionswert
in der Sparte Bauelemente sank im ersten Quartal 2009 um -51,6%, der
Rückgang bei Elektrischen Ausrüstungen für Kfz betrug -80,7%, die
Kommunikationstechnik ging um -14,8% zurück, Verteilungs- und
Schalteinrichtungen um -24,5%. Die Sparte Motoren, Generatoren und
Transformatoren verzeichnete im ersten Quartal 2009 neben den
Dienstleistungen als einzige Zuwächse (+37,7%). Grund dafür ist
einerseits der hohe Stellenwert, den Investitionen im Bereich
Energietechnik bereits seit geraumer Zeit haben. Der
Wirtschaftssektor zählt derzeit zu den wachstumsstärksten Sparten
überhaupt. Andererseits profitieren die Hersteller von Motoren von
einer langfristigen Auftragsabwicklung. Diese Unternehmen werden die
Auswirkungen der Krise erst in den kommenden Monaten zu spüren
bekommen.

Exporte brachen ab dem 4. Quartal 2008 ein

Einer der wichtigsten Impulsgeber für eine positive Entwicklung
der EEI, die Exporte, sind seit dem
4. Quartal 2009 deutlich im Minus (-6,8%). Der Rückgang beschleunigte
sich von Jänner bis März 2009
(-24,8%). Analog zur Produktion sind auch hier einzelne Sparten stark
betroffen. So mussten Bauelemente und Automobilzulieferer Einbrüche
von mehr als -52% bzw. -34% in den ersten drei Monaten des Jahres 09
hinnehmen. Die Ausfuhren bei Kommunikationstechnik gingen um 21,7%
zurück, bei Verteilungs- und Schalteinrichtungen um -21,3%. Die
einzige Ausnahme blieb auch hier die Sparte Motoren mit einem
Exportplus von 8%. Betrachtet nach Ländergruppen bleibt die EU mit
65,3% im ersten Quartal 2009 der wichtigste Exportraum der EEI. Die
dortigen Ausfuhren sanken um 29,8%. Rückläufig sind erstmals auch die
Ausfuhren nach Asien (-3,9%).

Ausblick 2009

Laut aktuellen Umfragen des WIFO von Ende Juni 2009 sollte die
Talsohle für die Sachgütererzeugung im 3. Quartal 2009 erreicht sein.
Auch in der EEI mehren sich die positiven Signale. In der Sparte
Bauelemente, die ein Frühindikator für die Branchenentwicklung ist,
verbessert sich die Auftragslage bereits seit geraumer Zeit
kontinuierlich. Allerdings ist auch in den kommenden Monaten von
einer allgemein rückläufigen Investitionsnachfrage auszugehen. Ebenso
wird die Entwicklung auf den Exportmärkten den Außenhandel und damit
auch die Entwicklung der Elektro- und Elektronikindustrie noch über
einen längeren Zeitraum belasten. Für das Jahr 2009 rechnet die
Elektro- und Elektronikindustrie daher mit einem Produktionsrückgang
von mindestens 10%. Auch ein weiterer Rückgang der Beschäftigten ist
zu befürchten.

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in
Österreich die Interessen von 285 Unternehmen mit mehr als 60.000
Beschäftigten und einem Produktionswert von 11,8 Milliarden Euro
(Stand 2008). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern - dazu gehören u.
a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation
(FMK), ICT Austria, das UFH, das Umweltforum Starterbatterien (UFS),
der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband
der Bahnindustrie (bahnindustrie.at) - ist es das oberstes Ziel des
FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und
Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu
stärken. Weitere Informationen und Pressemeldungen sowie Bildmaterial
finden Sie unter http://www.feei.at/presse/.

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=38&dir=200907&e=20090722_j&a=event

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:

Dipl.-Ing. Dr. h. c. Albert Hochleitner, Obmann des FEEI
   Tel.: +43 (0)51707-21001
   
   Dr. Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI
   Tel.: +43 1 58839-12, E-Mail: [email protected]
   
   Mag. (FH) Kathrin Mück-Puelacher, FEEI Kommunikation
   Tel.: +43 1 588 39 29, M: +43 664 619 25 08, E: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FEE

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel