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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie eine neue Weltraum-Vision zum US-Motor werden könnte"
Ausgabe vom 20.07.2009
Graz (OTS) - Es ist ja schon fast nicht mehr wahr, dass Menschen
am Mond gestanden sind. Heute vor genau 40 Jahren landete die
Mondlandefähre "Eagle" im Meer der Stille. Neil Armstrongs Worte "Es
ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer Sprung für
die Menschheit" schrieben Geschichte.
Die Mondfahrt ist Geschichte. Man kann kaum mehr ermessen, welcher
Ruck durch die USA gegangen war, als 1961 der charismatische
US-Präsident John F. Kennedy das Versprechen abgab, man werde bis zum
Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond schicken.
Es war eine Vision, die den USA viele Schwierigkeiten dieser Zeit
(Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, Studentenunruhen) auszusitzen
half.
Die Fokussierung auf ein technologisches Ziel beschäftigte nicht nur
zehntausende hochqualifizierte Menschen, sondern führte zu
Entwicklungen, von denen die USA heute noch leben. Wichtigstes
Stichwort ist dabei nicht die legendäre Teflon-Pfanne, sondern der
Computer. Junge Amerikaner drängten in Technik und
Naturwissenschaften.
Das ist lange vorbei. Die marode Autoindustrie zeigt, wie die USA im
technologischen Bereich abgehaust haben.
US-Präsident Barack Obama regiert in schwierigen Zeiten und hat alle
Hände voll zu tun, rundum Schäden zu begrenzen und aus dem
rhetorischen "Change" einen gesellschaftlichen Wandel zu formen.
Könnte da ein Ziel wie der bemannte Mars-Flug helfen?
Dafür spricht, dass Amerikaner Helden und "unmögliche Missionen"
lieben. Klimawandel hin: Sehr sexy ist die Umstellung auf
Sonnenkollektoren letztlich nicht. Gesundheitsreform her: Billigere
Rezepte und Arztrechnungen werden die Amerikaner nicht an ihre
gloriosen Pionier-Zeiten erinnern.
Eine visionäre Mission könnte auch eine neue Antwort auf China sein.
Vielleicht ist es genau jenes gemeinsame Projekt, das beide Giganten
langfristig über Schuldscheine hinaus verbindet. Die Kosten wären
verkraftbar.
Andererseits spricht viel dagegen. Obama müsste eine Bush-Idee aus
dem Jahr 2004 neu beleben. Das wird ihn kaum reizen. Der Zeithorizont
dürfte ihm zu schaffen machen: Frühestens 2037 könnte es diese
Mission geben; da wird er längst seine Memoiren geschrieben haben.
Bisher hat er sich auffällig zurückgehalten, was das Thema Raumfahrt
betrifft. Ein Wort von ihm ist überfällig.
Man sollte aber nicht überrascht sein, wenn sich der US-Präsident
plötzlich erneut auf Kennedys Schultern setzt.****
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