- 16.07.2009, 17:00:15
- /
- OTS0227 OTW0227
"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Hochbezahlte Feiglinge" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 17.07.2009
Wien (OTS) - Man sollte meinen, dass mit hohen Manager- und
Ministergagen auch eigenständiges Denken und Handeln abgegolten
werden. Die Vorgänge rund um die AUA beweisen das Gegenteil.
Alle waren feig: Die Politiker, die mit einer "eigenständig
österreichischen Fluglinie" punkten zu wollten. Die von ihnen (oder
jedenfalls auf ihren ausdrücklichen Wunsch) bestellten Manager, die
den Politikern willfährig bestätigt haben, dass die AUA aus eigener
Kraft überleben kann. Und die gleichfalls politisch gebundenen
Aufsichtsräte, die anderslautende Analysen ignoriert und keine
lästigen Fragen gestellt haben.
Am wenigsten vorwerfen kann man den Betriebsräten: Sie werden nicht
dafür bezahlt, Vorstand und Eigentümervertretern unpopuläre
Entscheidungen abzunehmen. Deshalb war es ihr gutes Recht, gegen
Sparmaßnahmen zu kämpfen. Ob es besonders klug war, steht auf einem
anderen Blatt.
Die Lufthansa hat sich wohl nicht zuletzt deshalb allen
EU-Forderungen widersetzt, um bei der AUA zusätzliche Sparmaßnahmen
zu erzwingen. Als der Betriebsrat aus Angst vor einer Pleite à la
Swissair das Sparprogramm akzeptierte, ist prompt Bewegung in die
Verhandlungen zwischen Lufthansa und Brüssel gekommen.
Das alles wäre dem österreichischen Steuerzahler erspart geblieben,
hätten Politiker und Vorstand rechtzeitig ihre Verantwortung wahr
genommen.
Begonnen hat es damit, dass Politiker einst die AUA-Manager
"überredet" haben, die Lauda-Air samt 600 Millionen Euro Schulden zu
übernehmen, um einen drohenden Konkurs von "Niki Nazionale"
abzuwenden.
Als Lauda seine damalige Fluglinie zum ersten Mal fast in die Pleite
geführt hatte, ist er 1982 wieder in die Formel-I eingestiegen, um
die Schulden abzuarbeiten. Beim zweiten Mal war er zu alt, da musste
die Politik zu Hilfe kommen. Dass er und seine "Fly Niki" in Brüssel
den Deal mit der Lufthansa hintertreiben und trotzdem als mögliche
Retter der AUA ins Gespräch gebracht werden, ist hoffentlich nur ein
übler Scherz.
Mutige Manager hätten damals "nein" gesagt und ihre Ablöse riskiert.
Mutige Manager hätten rechtzeitig den politischen Wunsch nach einer
"stand alone"-Lösung abgeschmettert. Mutige Politiker hätten gar
nicht erst entsprechenden Druck ausgeübt. Und mutige Aufsichtsräte
hätten dem Vorstand den Rücken gestärkt, statt sich als willfährige
Instrumente der Politik zu gebärden.
Sie alle haben versagt. Die Rechnung zahlt wie immer der
Steuerzahler, und zwar gleich doppelt: Erstens in Form der
Spitzengagen für Manager staatsnaher Unternehmen und für Politiker;
und zweitens in Form von Milliardenzuschüssen für marode Unternehmen
wie die AUA.
Trotzdem sind am Schluss Geld und Arbeitsplätze weg. Was bleibt, sind
Schulden - und reichlich hochbezahlte Feiglinge in Politik und
Management.
Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PVN