- 13.07.2009, 08:44:43
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politiker sind keine Manager - von Esther Mitterstieler
Alles ändern, um wirklich etwas zu verändern
Wien (OTS) - Alles ändern, um nichts zu ändern: Dieses Motto gilt
leider nicht nur in Sizilien. Es passt in Österreich genauso.
Jüngstes Beispiel: der Flughafen Wien. Im März wurde Vorstand
Christian Domany in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abberufen und Ernest
Gabmann an seine Stelle nominiert. Vom niederösterreichischen
Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP). Man darf davon ausgehen, dass sein
Wiener Amtskollege Michael Häupl (SPÖ) den Deal abgenickt hat.
Schließlich sind sie und nicht der Aufsichtsrat per Syndikatsvertrag
dazu auserkoren, die Vorstände des Flughafens zu bestimmen.
Wohlgemerkt: Der Flughafen Wien ist börsenotiert. Aber wen kümmert
das? Der Grund der Ablöse Domanys war damals schon bekannt: die
explodierenden Kosten rund um den Skylink. Gabmann sollte zum
Aufräumen kommen. Abgesehen davon, dass der gesamte Vorstand für das
Projekt geradestehen muss, zeigt sich nur: Wer, wenn nicht wieder ein
politisch gefärbter Manager, nimmt Platz im Vorstandssessel?
Der Flughafen Wien mag ein besonders auffälliges Beispiel von
öffentlichem Missmanagement sein. Fehlbesetzungen in der Top-Ebene
gab es aber schon früher zuhauf. Wir brauchen bloß an die frühere
Verstaatlichtenindustrie denken und in jüngster Vergangenheit an AUA,
ÖIAG, ÖBB oder ORF - und die Liste könnte nur noch länger werden.
Wenn ein Headhunter wie Othmar Hill ein Postenobjektivierungsgremium
im Rechnungshof fordert, hat er Recht. Zu intransparent sind die
Auswahlkriterien nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten immer
noch, wenn es um öffentliche Unternehmen geht. Was schließlich dazu
führen muss, dass sich die besten Manager gar nicht mal bewerben.
Schließlich wissen sie, dass sie am Gängelband der Politik hängen.
Solche Manager sind schwache Entscheider, die häufig nicht im
Interesse ihres Unternehmens, sondern in dem
politisch-wirtschaftlicher Küngeleien agieren.
Was dabei rauskommt, sieht man bei der AUA: Zuerst musste sie wegen
des politischen Drucks per se Stand-alone bleiben - als
rot-weiß-rotes Flaggschiff, Politiker sind eben keine Manager. Jahre
wurden dabei vertan und der Airline mit ihren Mitarbeitern immer mehr
Höhenluft genommen. Was liegt näher, als die politische Einflussnahme
zu streichen? Das würde viel Größe voraussetzen. "Es ist ja durchaus
richtig, und alle geschichtliche Erfahrung bestätigt es, dass man das
Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach
dem Unmöglichen gegriffen worden wäre" - Max Weber hat Recht. Also
lebt die Hoffnung, dass sich endlich etwas ändert.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
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