Regulator E-Control und E-Wirtschaft über neue Netztarife einig

Teilung der Effizienzgewinne zwischen Kunden und Netzbetreibern

Wien (OTS) - Die E-Control und die E-Wirtschaft haben sich nach
mehr als einem Jahr intensiver Verhandlungen über die zukünftige Regulierung der Stromnetze im Zeitraum von 2010 bis 2013 geeinigt. Zusätzliche Investitionsanreize - über die bisherige Verzinsung hinaus - gewährleisten auch zukünftig die Investitionstätigkeit der Stromnetzbetreiber. Die Stromnetzgesellschaften können in der kommenden Regulierungsperiode eine Anerkennung von Netz-Investitionen und eine entsprechende Abgeltung erwarten, erklärte DI Reinhard, Brehmer, Sprecher Netze des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) und Geschäftsführer Wien Energie Stromnetz GmbH. DI Walter Boltz, Geschäftsführer der E-Control GmbH ergänzt, dass die Unternehmen über ausreichend finanzielle Mittel verfügen und einem weiteren Ausbau der Strominfrastruktur zur Gewährleistung der hohen Versorgungssicherheit aus finanzieller Sicht nichts entgegensteht.

Basis der neuen Netztarifregulierung sind die von der E-Control festgestellten Kosten und auch Effizienzgewinne der Netzbetreiber, die in den letzten Jahren erwirtschaftet wurden. DI Boltz zeigt sich erfreut, dass es in den Verhandlungen gelungen ist, bereits jetzt 25% der Effizienzsteigerungen den Kunden zugute kommen zu lassen und somit auch die Kunden von den Effizienzsteigerungen der Netzbetreiber zeitnah profitieren werden. Brehmer: "Sollte sich herausstellen, dass am Ende der 2. Regulierungsperiode im Jahr 2013 Unternehmen höhere Effizienzgewinne haben, werden zumindest sämtliche Effizienzgewinne zu gleichen Teilen zwischen Netzbetreibern und ihren Kunden aufgeteilt werden. Eine Hälfte der Effizienz-Gewinne bleibt bei den Netzbetreibern, die andere Hälfte wird den Kunden zugute kommen."

Tragfähige Basis für die zweite Regulierungsperiode

Aufbauend auf den Grundsätzen der 1. Regulierungsperiode wurde eine wirtschaftlich tragbare Lösung gefunden, die nicht nur die Finanzkraft der Netzgesellschaften absichert, sondern auch die Basis für die künftigen Investitionen legt, sind sich Brehmer und Boltz einig. Wenn Netzunternehmen über das Ausmaß der Abschreibungen hinaus Investitionen tätigen, erhalten sie dafür finanzielle Abgeltungen. Brehmer: "Alles hängt jetzt von der noch ausständigen Kostenprüfung der Netzbetreiber ab, deren Ergebnis als Ausgangsposition für die kommende Regulierungsperiode dienen wird. Werden dort die realen Gegebenheiten anerkannt, dann können die Investitionen im Netzbereich zügig vorangetrieben werden." Insgesamt sieht die E-Wirtschaft bis 2020 einen Investitionsbedarf von rund sechs Milliarden Euro bei den Netzen. DI Boltz verweist auf die Verzinsung des Eigenkapitals von mehr als 10% und ist davon überzeugt, dass sich die Netzbetreiber -wie auch in den letzten Jahren - ihrer Verantwortung bewusst sind und notwendige Investitionen kosteneffizient vorantreiben.

Uneinigkeit bei der Beibehaltung des generellen Abschlags

Zu kritisieren ist laut Brehmer jedoch die Beibehaltung des generellen Abschlags bei den Netztarifen von 1,95 Prozent pro Jahr bis 2013, der - so die Meinung der E-Wirtschaft - einer der höchsten in Europa ist. Dieser Abschlag sollte spätestens mit Ende der nun vereinbarten Regulierungsperiode reduziert werden, sonst wären die kontinuierlichen Netzinvestitionen erneut gefährdet. Walter Boltz sieht das naturgemäß anders: "Sämtliche Wirtschaftszweige haben in der Vergangenheit ihre Produktivität steigern können, dass hat natürlich auch für die Netzbetreiber zu gelten!"

Basis der aktuellen Verhandlungen war die Übereinstimmung zwischen VEÖ und E-Control, dass die Parameter der Regulierungsformel zu diskutieren seien, aber die Benchmarking-Methoden und deren Gewichtung zur Ermittlung von Effizienzwerten weiterhin ihre Gültigkeit haben sollten.

Weitere Eckpunkte der Einigung: Die durchschnittlich gewogenen Kapitalkosten für die kommende Regulierungsperiode wurden entsprechend den Marktverhältnissen auf 7,025 Prozent angehoben, die jährliche Abgeltung der Inflation erfolgt wie bisher durch den Netzbetreiberpreisindex, der auf dem Tariflohnindex, dem Baupreisindex und dem Verbraucherpreisindex beruht. Die Entgelte für Messleistungen und das Netzverlustentgelt sind nicht Gegenstand des Anreizregulierungssystems und werden gesondert behandelt. Die E-Control und der VEÖ werden schließlich vor Ablauf der 2. Regulierungsperiode - ab 2011 - in Gespräche über die Gestaltung der Regulierung der Systemnutzungstarife ab 1.1.2014, insbesondere über die Frage der Überführung des Anreizregulierungssystems sowie die Höhe der Produktivitätsabschläge eintreten.

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