AUVA: Berufliche Hauterkrankungen sind vermeidbar

Projekt "Gesunde Haut in der Reinigung" im AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler: bei Anzeichen von Hautschäden sofort reagieren

Wien (OTS) - Bei Anzeichen von Hautschäden keine Zeit zu
verlieren, fordert Dr. Günther Berger, Arbeitsmediziner der AUVA Landesstelle Wien, bei der Vorstellung des Projektes "Gesunde Haut in der Reinigung" am Donnerstag, dem 9. Juli, im AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler: "Berufliche Hauterkrankungen sind vermeidbar. Treten erste Symptome auf, gilt es sofort zu reagieren, um Schlimmeres zu verhindern. Wir treffen bei unseren Betriebsbesuchen und Schulungen auf viel zu geringes Gefahrenbewusstsein und grobe Informationsmängel. Da setzt die AUVA Kampagne "Gesunde Haut" mit dem Projekt "Gesunde Haut in der Reinigung" an." Hauterkrankungen sind mit 83 Prozent die dominierende Berufskrankheit der Reinigungsbranche.

Hauterkrankungen und Lärmschwerhörigkeit führen seit Jahren die Berufskrankheitenstatistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) an. Schwerpunkt der AUVA Kampagne "Gesunde Haut" im Jahr 2009 sind die Reinigungsbetriebe und ihre Beschäftigten. Am 7. und am 9. Juli laden Arbeitsmediziner Dr. Günther Berger und sein Team vom Unfallverhütungsdienst der AUVA Landesstelle Wien die rund 60 hauseigenen und externen Reinigungskräfte des AUVA Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler zu Hauttests, zu grundlegenden Informationen und zu Praxistipps für einen optimalen Hautschutz. Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin erhält ein persönliches Hautschutzpaket mit Hautschutz und Pflegecremen.

Pflegedienstleiterin DGKS Irene Walgram befürwortet die Aktion "Gesunde Haut" im AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler, weil sie drei Viertel der rund 450 MitarbeiterInnen persönlich betrifft:
"Hautschutz ist ein wichtiges Thema für alle Berufsgruppen, die in einem Krankenhaus arbeiten - nicht nur für die Reinigung. Ob Schwester, Pfleger, Chirurg, Anästhesist, Therapeut, Laborant, Assistent: Gesunde Haut ist für jede und jeden mit direktem Kontakt mit unseren Patientinnen und Patienten von Bedeutung, wenn die Desinfektion der Hände und das Tragen von Handschuhen erforderlich sind."

Mit 83 Prozent sind Hautschäden die dominierende Berufskrankheit in der Reinigung. Es folgen Infektionskrankheiten mit neun Prozent und Erkrankungen der tieferen Atemwege auf Grund von chemisch-irritierenden oder toxischen Stoffen mit vier Prozent. Die Reinigungsbranche liegt damit in Österreich unter allen Berufsgruppen an fünfter Stelle. Hautprobleme verursachen nicht nur häufige sondern auch lange Krankenstände, die mehr als 10.000 Euro pro Erkrankung kosten. Sie zwingen oft zur Aufgabe des Berufs und betreffen vorwiegend jüngere ArbeitnehmerInnen. Das Wichtigste: Sie sind vermeidbar.

Wie erkenne ich die Gefahr einer Hautschädigung?

Mechanische Belastung, Nassarbeit, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Hitze, Kälte, Bakterien und Pilze führen zu unterschiedlichen Hautschäden (Abnützungs- oder allergischen Kontakt-Ekzemen).

"Reinigungsmittel, andere Zusätze, das Arbeiten im Wasser führen zur Entfettung. Dauernde Nässe und das ständige Tragen von Handschuhen bewirken eine Quellung der Haut. Putzlappen, Bürsten und Werkzeuge sorgen für Mikroverletzungen und das Berühren von rauen Oberflächen und Scheuermittel reiben auf. Das hält selbst die gesündeste Haut nicht aus", erklärt Dr. Günther Berger.

Verschärft wird die persönliche Situation durch den viel zu späten Arztbesuch. Weiters melden die Ärzte oft nur weit fortgeschrittene Fälle. Auch der Verdacht einer beginnenden Berufskrankheit kann schon zu Umschulungen oder zu anderen Maßnahmen der beruflichen und sozialen Rehabilitation durch die AUVA führen.

Vor der Anerkennung als Berufskrankheit liegt oft ein jahrelanger Leidensweg für die Betroffenen und unzählige Ausfalls- und Krankenstandstage für den Betrieb. An den Kosten für ein paar Tuben Hautschutz- und Pflegecreme sowie für die Schutzhandschuhe kann es nicht liegen: ein krankheitsbedingter Ausfallstag kommt den Reinigungsbetrieb bereits auf mindestens 70 Euro.

Die Ursachen dafür ortet die AUVA einerseits in einem deutlich zu geringen Gefahrenbewusstsein und andererseits bei Kommunikations-, Sprachbarrieren und Informationsmangel.

Welche Leistungen bietet die AUVA bei einer Berufskrankheit?

Stellt ein Arzt die Diagnose oder vermutet er eine drohende Berufskrankheit, ist eine Meldung an die AUVA Leistungsabteilung wichtig - und gesetzlich vorgeschrieben. Die Meldung ist Auslöser der Überprüfung, ob ein Leistungsanspruch besteht und sollte so früh als möglich erfolgen. Formulare gibt es im Internet unter "www.auva.at".

Pro Jahr werden von der Leistungsabteilung der AUVA Landesstelle Wien rund 800 Meldungen von Berufskrankheiten bearbeitet. 240 davon führen zu einem Leistungsanspruch. 2008 erhielten 90 Antragsteller eine Rente auf Grund einer Berufskrankheit zuerkannt. Der Leistungsanspruch umfasst zumeist Rentenleistungen, kann aber auch weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel berufliche und soziale Rehabilitation (zum Beispiel Umschulungen) sowie die Beistellung erforderlicher Körperersatzstücke und Hilfsmittel umfassen.

Wie schütze ich mich am besten? Das Drei-Punkte Programm

Ein idealer Hautschutzplan besteht aus drei Punkten:

  • Hautschutzmittel (Schutz vor Wasser, Universal- und Spezialschutz) vor der Arbeit und zwischen durch auftragen
  • Hautreinigung vor der Pause und nach der Arbeit (mild, rückfettend, dem Grad der Verschmutzung angepasst)
  • Hautpflege nach der Arbeit (schnell einziehend, auch zu Hause, reichhaltiger im Winter)

Wichtige Schritte zum Hautschutz sind auch,

  • Gefahrstoffe durch hautverträglichere Produkte zu ersetzen
  • Direktkontakt zu meiden
  • nie mit Lösungsmitteln zu reinigen
  • Hände gründlich abzuspülen und abzutrocknen
  • Einmalpapierhandtücher zu verwenden: Stoffhandtücher und elektrische Handtrockner zu meiden
  • Übermäßige Wärme und vor allem Kälte zu vermeiden und
  • Pflegen, pflegen, pflegen.

Wichtige Punkte für den Arbeitgeber sind:

  • Verständlicher Hautschutzplan mit geeigneten Schutzmitteln: Schutz und Pflege als fester Bestandteil des Arbeitschutzkonzeptes;
  • optimale Schutzausrüstung: Schutz- und Pflegeprodukte bereitstellen und nachfüllen;
  • Schulung durch ArbeitsmedizinerInnen oder durch Vertreiber von Hautschutzmitteln;
  • neue MitarbeiterInnen und Lehrlinge sind besonders gründlich zu unterweisen;
  • regelmäßige Überprüfung der Einhaltung der Schutz- und Pflegemaßnahmen.

Der Unfallverhütungsdienst der AUVA hat Tipps zusammengestellt, die in der Praxis leicht zu befolgen sind:

  • Handschmuck vor Arbeitsbeginn ablegen;
  • Handschuhe immer bei stark belastenden Tätigkeiten verwenden, sonst wenn es notwendig und gefahrlos ist;
  • Hände und Unterarme mit auf die Hautbelastung abgestimmter Schutzcreme vor der Arbeit und zwischen durch sorgfältig eincremen - nicht auf Handrücken, Fingerzwischenräume und das Nagelbett vergessen;
  • Verschmutzte Kleidung regelmäßig wechseln;
  • Die Haut nach der Arbeit möglichst schonend mit milden, rückfettenden Hautreinigern säubern und anschließend eine Hautpflegecreme verwenden.

Die AUVA bietet den Reinigungsbetrieben mit dem Projekt "Gesunde Haut" Unterstützung bei der Planung und Einführung eines unternehmensweiten Hautschutz-Konzeptes; Beratung bei der Auswahl und Einführung geeigneter Hautschutz- und Pflegeprodukte; Bewusstseinsbildung in Schulungen der ArbeitnehmerInnen; Individuelle arbeitsmedizinische Beratung speziell für Betroffene; Informationsmedien (Plakat, Folder) für Arbeitskräfte, Objektleiter und Auftraggeber.

Die AUVA Kampagne "Gesunde Haut" läuft seit 2008 und widmet sich in zwei weiteren Teilprojekten dem UV-Schutz am Bau und dem Hautschutz in den Metallberufen. 2009 liegt der Fokus auf den Reinigungsbetrieben.

Bei den Hauterkrankungen liegen Gebäudereiniger und Reinigungsberufe anderer Art mit 7,5 Prozent hinter den Frisören und verwandten Berufen (23,5 Prozent), den Metallberufen und Mechanikern (17,3 Prozent), den Köchen, Küchengehilfen, Nahrungs- und Genussmittelherstellern (10,7 Prozent) und den Bauberufen (8,8 Prozent) an fünfter Stelle. Zur Reinigungsbranche zählen in Österreich rund 5.000 Arbeitsstätten und 50.000 ArbeitnehmerInnen. In Wien sind es 1.125 Arbeitsstätten mit rund 19.800 Beschäftigten, in Niederösterreich 2.347 Arbeitsstätten mit 5.600 Kräften und im Burgenland 73 Arbeitsstätten mit 407 ArbeitnehmerInnen.

Folgende Firmen und Institutionen in Wien, Niederösterreich und Burgenland haben bisher am Projekt "Gesunde Haut" teilgenommen:
Reinigung: Umweltberatung St. Pölten; Krankenhaus Oberwart; Landesberufsschule Lilienfeld; Hotel Austria Trend Pyramide Vösendorf; Hotel Best Western Erzherzog Rainer, Wien; Therme Lutzmannsburg; AUVA Unfallkrankenhaus Meidling, Wien; Projekt NESIB, Neunkirchen; Stadtgemeinde Amstetten; Stadtgemeinde St. Pölten; MA 3 (Arbeitsmedizin) Wien; Wohn- u. Pflegeheim Bernstein.
Metall: Eurotrans, Vitis; Nikitscher, Pinkafeld; Buntmetall, Amstetten; Welser, Gresten; Siemens SGP, Wien; Benedict, Wien; Lagerhaus Zwettl; Worthington, Kienberg; Geberit, Pottenbrunn; Alusol, Wien, MKE, Heidenreichstein.
Zehn weitere Anmeldungen liegen vor.

Interessierte Betriebe in Wien, Niederösterreich und Burgenland mit mehr als 50 Mitarbeitern wenden sich an den Unfallverhütungsdienst der AUVA Landesstelle Wien unter der Telefonnummer 01-33133-252 oder mit maximal 50 Beschäftigten an den Betreuer der Präventionszentren AUVAsicher unter der Telefonnummer 0810 200 020 1000 (Festnetz).

Die aktuelle Liste Berufskrankheiten: www.auva.at

Rückfragen & Kontakt:

und Fotos:
Gabriela Würth, GWK,
Tel.: 02242-38300, 0676-33 24 879
E-Mail: gabriela.wuerth.gwk@utanet.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAU0001