Betonstraßen als Schutzschild gegen Hitze

Aktuelle Forschung: Tiefere Temperaturen in Stadtzentren möglich

Wien (OTS) - In den Zentren großer Städte kommt es im Hochsommer zu deutlich höheren Temperaturen als am Stadtrand und in der näheren Umgebung. Dieses Phänomen wird als "urbane Wärmeinsel" bezeichnet. Unter anderem ist dies eine Folge der durch die Sonneneinstrahlung herbeigeführten Aufheizung der Straßenbeläge. Dies führt nicht nur zu einer verstärkten Erwärmung der Luft sondern beeinträchtigt auch aufgrund der Wärmeabstrahlung das Wohlbefinden der Menschen. An heißen und windstillen Tagen wird dieser Wärmeinseleffekt besonders spürbar. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen nun den Zusammenhang unterschiedlicher Baumaterialien auf die sommerlichen Temperaturen in den Stadtzentren auf. So werden Straßenoberflächen aus hellem Beton aufgrund des höheren Reflexionsvermögens um bis zu 13GradC weniger erwärmt als der dunkle Asphaltbelag.

Neben den Verkehrsbeanspruchungen hat das Klima einen wesentlichen Einfluss auf die Eigenschaften der Straßenbefestigungen wie Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit. 2001 wurden dazu erste Forschungsarbeiten durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie beauftragt. 2007 führte das Forschungsinstitut der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie (VÖZfi) Versuche über das unterschiedliche Erwärmungsverhalten von Straßenoberflächen durch. Diese Ergebnisse zeigten deutlich die Auswirkungen unterschiedlicher Straßenbeläge auf die Lufttemperatur. "Erreicht beispielsweise Wien eine Lufttemperatur von 25 GradC, so erwärmt sich eine Betondecke um nur 11,5GradC, eine Asphaltdecke aber bereits um 18,5 GradC mehr als die Luft", so Dr. Stefan Krispel vom VÖZfi, der die Arbeiten betreute. Mit den dazu nötigen physikalischen Modellierungen wurde A.o.Univ.Prof. Klaus Krec und sein Büro für Bauphysik betraut, Experte für Modelle zur Beschreibung von Wärmeleitung sowie Wärmespeicherung in Baukomponenten, Räumen und Gebäuden.

Auswirkungen noch in 16 Meter Höhe registrierbar
Der heiße Straßenbelag strahlt Wärme an die Oberflächen der Gebäude, aber auch direkt an die im Bereich der Straße befindlichen Personen ab. Der Einfluss der hohen Straßentemperatur ist bis in eine Höhe von 16 Metern noch spürbar. Bei Straßen, die im Schatten liegen, ist die Auswirkung des Straßenbelags auf die Temperatur der Straßenoberfläche naturgemäß geringer. Doch auch hier ergab die Studie, dass bei Verwendung eines hellen Betonbelags gegenüber einem Asphaltbelag die Tagesspitze der Oberflächentemperatur um 6,8Grad C reduziert werden kann.

Um 1,5 GradC tiefere Temperaturen möglich

Die aktuellen Forschungsergebnisse des VÖZfi und von Prof. Krec über den Zusammenhang unterschiedlicher Straßenbeläge auf die sommerlichen Temperaturen in den Stadtzentren zeigen, dass Straßenoberflächen aus hellem Beton aufgrund des höheren Reflexionsvermögens um bis zu 13GradC weniger erwärmt werden als der dunkle Asphaltbelag. Der Einsatz von hellen Betonoberflächen im Straßenbau vermag somit die empfundene Umgebungstemperatur in dicht verbautem Gebiet, selbst bei untertags großteils verschatteten Straßen um etwa 1,5 GradC zu reduzieren.

Straßenbeläge aus Beton reduzieren Energiebedarf

Diese eindrucksvollen Zahlen beweisen, dass helle Straßenoberflächen aus Beton als "Hitzeschild" gegen städtische Sommerhitze fungieren. "Straßen machen etwa zehn Prozent der Fläche eines Stadtgebietes aus, sind diese aus Beton, tragen diese erheblich zur Reduzierung der Temperatur im Hochsommer bei", so DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Diese Untersuchung der hochsommerlichen außenklimatischen Verhältnisse soll einen Beitrag zur immer intensiver diskutierten Thematik der urbanen Wärmeinseln liefern. So ist es im Hochsommer in der Innenstadt von Wien deutlich heißer als in den Randbezirken und der Umgebung rund um die Bundeshauptstadt. Bestimmend dafür sind Parameter wie Lage und Größe der Stadt, Sonneneinstrahlung, Bebauungsgeometrie sowie daraus resultierende Strömungshindernisse.

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