- 06.07.2009, 14:56:49
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Kardinal Kasper: "Es ist Zeit, von Gott zu reden"
Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen hielt bei der Eisenstädter Pastoraltagung den Hauptvortrag - Priester müssen sich heute auf das Wesentliche konzentrieren
Eisenstadt, 06.07.2009 (KAP) "Es ist Zeit, wesentlich zu werden. Es
ist Zeit, von Gott zu reden": Mit diesen Worten fasste der Präsident
des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter
Kasper, die Aufgabe des Priesters heute zusammen. Kasper war am
Montag Hauptredner bei der diesjährigen burgenländischen
Pastoraltagung in Eisenstadt. Die Tagung - heuer im Zeichen des
Goldenen Priesterjubiläums von Diözesanbischof Paul Iby - steht
unter dem Motto "Priester im Spannungsfeld der Zeit".
Trotz zahlreicher gesellschaftlicher und oftmals auch persönlicher
Anfechtungen bleibe das Priesteramt "ein lohnender und ein schöner
Dienst", so Kasper. In einer Zeit der Orientierungslosigkeit und der
um sich greifenden Sinnsuche unter den Menschen sei das Priesteramt
darüber hinaus "auch in Zukunft ein für die Menschen notwendiger und
notwendender Dienst". Dabei gelte es für den Priester von heute zu
beachten, dass es keinen Grund gebe, "immerzu nur Hiobsbotschaften
zu verkünden, Trauermärsche zu spielen und Klagelieder anzustimmen.
Wir haben die Botschaft von der Auferstehung, von der Freude und von
der Hoffnung zu verkünden. So können wir bei alldem, was uns
beschwert und trotz manchen eher pessimistisch anmutenden Prognosen,
zuversichtlich in die Zukunft blicken".
Kasper rief zugleich zu einer neuen Konzentration der Priester auf
das Wesentliche auf: Alle Aufgaben des priesterlichen Dienstes
leiten sich letztlich aus der "Freundschaft zu Jesus" und von der
Eucharistie ab. Daher müsse die Eucharistie neu als "Mitte und
Herzstück priesterlichen Tuns" verstanden werden. Selbst der
diakonische Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit leite sich
letztlich aus der Eucharistie ab.
Für den durch den Priestermangel erschwerten pastoralen Dienst
bedeute dies eine neue missionarische Konzentration: "Wir müssen uns
konzentrieren und missionarische geistliche Zentren schaffen. Wir
gehen einer neuen pastoralen oder besser: missionarischen Situation
entgegen, die den Mut zu einer umfassenden überzeugenden
Neukonzeption verlangt". Angesichts einer "Wiederkehr des
Religiösen", die sich allerdings laut Kasper vor allem als
"Wiederkehr von alten und neuen Göttern, von Mythen, von Gnosis und
Esoterik" darstelle, aber auch einer "Wiederkehr des aggressiven
Atheismus" dürfe sich der Christ und insbesondere der Priester heute
nicht verstecken. Kasper: "Wir müssen nur bei unserer Sache und bei
unserem Leisten bleiben und Theologen im ursprünglichen Sinn des
Wortes sein: Menschen, die von Gott reden".
Konkret bedeute dies, die Verkündigung des Evangeliums und eine
"grundlegende Erneuerung der ganzheitlichen Katechese als Einführung
in den Glauben und das Leben der Kirche" in den Mittelpunkt zu
stellen. Zugleich warnte Kasper vor der Gefahr eines
"Neoklerikalismus" unter den Priestern. Eine solche Haltung sei
"nicht Ausdruck von besonderer Glaubensstärke, sondern von
menschlicher Unsicherheit".
In diesem Zusammenhang verteidigte Kardinal Kasper auch den Zölibat.
Die Ehelosigkeit sei "eine Form der Nachfolge Jesu" und gebe "innere
und äußere Freiheit zum ungeteilten Dienst am Evangelium, weil sie
vor vielen weltlichen Sorgen und von Rücksichten auf die Familie
bewahrt". Gerade in einer "sexualisierten und erotisierten Umwelt"
erfordere der Zölibat heute "ein hohes Maß an menschlicher Reife",
zugleich behalte er seine Relevanz jedoch als "eschatologisches
Zeichen um des Himmelreiches willen".
Weiters wies Kardinal Kasper auf die gegenseitige Verwiesenheit des
gemeinsamen Priestertums aller getauften und gefirmten Christen und
des Weihepriestertums hin. Entgegen mancher anderslautender
Behauptung stelle diese gegenseitige Verwiesenheit keine
"Infragestellung des besonderen Priestertums" dar, so Kasper,
sondern gerade "eine Bereicherung". Wörtlich meinte der Kardinal:
"Der besondere priesterliche Dienst baut auf der in der Taufe
begründeten gemeinsamen priesterlichen Existenz aller Christen auf.
Bevor sich deshalb der künftige Priester zu seinem besonderen Dienst
senden lassen kann, muss er zusammen mit allen anderen in die
Gemeinschaft und Freundschaft mit Jesus hineinwachsen und sich darin
bewähren. Er muss zeigen, dass er ein ordentlicher Christ ist".
Die Tagung im Eisenstädter "Haus der Begegnung" zählt weitere
internationale Teilnehmer, so etwa den Prager Erzbischof, Kardinal
Miloslav Vlk, den Bischof von Chisinau (Moldawien), Anton Cosa, den
Bischof von Novo Mesto (Slowenien), Andrej Glavan, den Erzbischof
von Olomouc (Tschechien), Jan Graubner, den Bischof-Prälaten von
Trondheim (Norwegen), Georg Müller, den Bischof von Dresden-Meißen,
Joachim Friedrich Reinelt, sowie die indischen Bischöfe Mathew
Arackal von Kanjirapally und Joseph Powathil, Alterzbischof von
Changanacherry. An der Tagung nimmt auch der Apostolische Nuntius,
Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, tei.
Höhepunkt und zugleich Abschluss der Tagung ist ein Festgottesdienst
am Dienstag, 7. Juli, um 11.15 Uhr im Eisenstädter Dom anlässlich
des Goldenen Priesterjubiläums von Diözesanbischof Paul Iby. Die
Predigt wird Kardinal Vlk halten.
(forts. mgl.)
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