Kardinal Kasper: "Es ist Zeit, von Gott zu reden"

Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen hielt bei der Eisenstädter Pastoraltagung den Hauptvortrag -Priester müssen sich heute auf das Wesentliche konzentrieren

Eisenstadt, 06.07.2009 (KAP) "Es ist Zeit, wesentlich zu werden. Es ist Zeit, von Gott zu reden": Mit diesen Worten fasste der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, die Aufgabe des Priesters heute zusammen. Kasper war am Montag Hauptredner bei der diesjährigen burgenländischen Pastoraltagung in Eisenstadt. Die Tagung - heuer im Zeichen des Goldenen Priesterjubiläums von Diözesanbischof Paul Iby - steht unter dem Motto "Priester im Spannungsfeld der Zeit".

Trotz zahlreicher gesellschaftlicher und oftmals auch persönlicher Anfechtungen bleibe das Priesteramt "ein lohnender und ein schöner Dienst", so Kasper. In einer Zeit der Orientierungslosigkeit und der um sich greifenden Sinnsuche unter den Menschen sei das Priesteramt darüber hinaus "auch in Zukunft ein für die Menschen notwendiger und notwendender Dienst". Dabei gelte es für den Priester von heute zu beachten, dass es keinen Grund gebe, "immerzu nur Hiobsbotschaften zu verkünden, Trauermärsche zu spielen und Klagelieder anzustimmen. Wir haben die Botschaft von der Auferstehung, von der Freude und von der Hoffnung zu verkünden. So können wir bei alldem, was uns beschwert und trotz manchen eher pessimistisch anmutenden Prognosen, zuversichtlich in die Zukunft blicken".

Kasper rief zugleich zu einer neuen Konzentration der Priester auf das Wesentliche auf: Alle Aufgaben des priesterlichen Dienstes leiten sich letztlich aus der "Freundschaft zu Jesus" und von der Eucharistie ab. Daher müsse die Eucharistie neu als "Mitte und Herzstück priesterlichen Tuns" verstanden werden. Selbst der diakonische Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit leite sich letztlich aus der Eucharistie ab.

Für den durch den Priestermangel erschwerten pastoralen Dienst bedeute dies eine neue missionarische Konzentration: "Wir müssen uns konzentrieren und missionarische geistliche Zentren schaffen. Wir gehen einer neuen pastoralen oder besser: missionarischen Situation entgegen, die den Mut zu einer umfassenden überzeugenden Neukonzeption verlangt". Angesichts einer "Wiederkehr des Religiösen", die sich allerdings laut Kasper vor allem als "Wiederkehr von alten und neuen Göttern, von Mythen, von Gnosis und Esoterik" darstelle, aber auch einer "Wiederkehr des aggressiven Atheismus" dürfe sich der Christ und insbesondere der Priester heute nicht verstecken. Kasper: "Wir müssen nur bei unserer Sache und bei unserem Leisten bleiben und Theologen im ursprünglichen Sinn des Wortes sein: Menschen, die von Gott reden".

Konkret bedeute dies, die Verkündigung des Evangeliums und eine "grundlegende Erneuerung der ganzheitlichen Katechese als Einführung in den Glauben und das Leben der Kirche" in den Mittelpunkt zu stellen. Zugleich warnte Kasper vor der Gefahr eines "Neoklerikalismus" unter den Priestern. Eine solche Haltung sei "nicht Ausdruck von besonderer Glaubensstärke, sondern von menschlicher Unsicherheit".

In diesem Zusammenhang verteidigte Kardinal Kasper auch den Zölibat. Die Ehelosigkeit sei "eine Form der Nachfolge Jesu" und gebe "innere und äußere Freiheit zum ungeteilten Dienst am Evangelium, weil sie vor vielen weltlichen Sorgen und von Rücksichten auf die Familie bewahrt". Gerade in einer "sexualisierten und erotisierten Umwelt" erfordere der Zölibat heute "ein hohes Maß an menschlicher Reife", zugleich behalte er seine Relevanz jedoch als "eschatologisches Zeichen um des Himmelreiches willen".

Weiters wies Kardinal Kasper auf die gegenseitige Verwiesenheit des gemeinsamen Priestertums aller getauften und gefirmten Christen und des Weihepriestertums hin. Entgegen mancher anderslautender Behauptung stelle diese gegenseitige Verwiesenheit keine "Infragestellung des besonderen Priestertums" dar, so Kasper, sondern gerade "eine Bereicherung". Wörtlich meinte der Kardinal:
"Der besondere priesterliche Dienst baut auf der in der Taufe begründeten gemeinsamen priesterlichen Existenz aller Christen auf. Bevor sich deshalb der künftige Priester zu seinem besonderen Dienst senden lassen kann, muss er zusammen mit allen anderen in die Gemeinschaft und Freundschaft mit Jesus hineinwachsen und sich darin bewähren. Er muss zeigen, dass er ein ordentlicher Christ ist".

Die Tagung im Eisenstädter "Haus der Begegnung" zählt weitere internationale Teilnehmer, so etwa den Prager Erzbischof, Kardinal Miloslav Vlk, den Bischof von Chisinau (Moldawien), Anton Cosa, den Bischof von Novo Mesto (Slowenien), Andrej Glavan, den Erzbischof von Olomouc (Tschechien), Jan Graubner, den Bischof-Prälaten von Trondheim (Norwegen), Georg Müller, den Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Friedrich Reinelt, sowie die indischen Bischöfe Mathew Arackal von Kanjirapally und Joseph Powathil, Alterzbischof von Changanacherry. An der Tagung nimmt auch der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, tei.

Höhepunkt und zugleich Abschluss der Tagung ist ein Festgottesdienst am Dienstag, 7. Juli, um 11.15 Uhr im Eisenstädter Dom anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von Diözesanbischof Paul Iby. Die Predigt wird Kardinal Vlk halten.

(forts. mgl.)
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