- 03.07.2009, 15:19:46
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Kasachstan: Kirche hofft auf baldigen Papst-Besuch
Erzbischof von Astana, Peta, im "Kathpress"-Gespräch über Situation der katholische Kirche in Kasachstan und muslimischen Fundamentalismus - Dritter Kongress der Weltreligionen mit Deklaration und Friedensfeier beendet
Astana, 03.07.2009 (KAP) Die Katholiken in Kasachstan - und nicht
nur diese - hoffen auf einen Besuch von Papst Benedikt XVI. in ihrem
Land. Das betonte der Erzbischof von Astana, TomaszPeta, im
"Kathpress"-Gespräch. Peta äußerte sich am Rande des Dritten
Kongresses der Weltreligionen, der am Donnerstagabend mit der
Verabschiedung einer Deklaration und einer Friedenszeremonie in der
kasachischen Hauptstadt Astana zu Ende gegangen ist. Erzbischof Peta
gehörte der römisch-katholischen Delegation an, die von Kardinal
Jean-Louis Touran, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den
Interreligiösen Dialog, angeführt wurde.
Erzbischof Peta erinnerte im Gespräch mit "Kathpress" an den Besuch
von Papst Johannes Paul II. 2001 in Kasachstan. Dieser sei nicht nur
bei den Katholiken im Land immer noch gegenwärtig. Durch den Besuch
sei Kasachstan auf der Weltbühne präsent geworden und vor allem für
die kleine katholische Gemeinde des Landes sei die Verbundenheit mit
der Weltkirche spürbar geworden.
Maximal 250.000 Katholiken leben in dem riesigen zentralasiatischen
Land mit 15 Millionen Einwohnern. Insgesamt bekennen sich angehörige
von 20 Nationalitäten zur katholischen Kirche, die überwiegende
Mehrheit hat aber deutsche oder polnische Wurzeln.
Papst Johannes Paul II. hatte Kasachstan unmittelbar nach den
Terroranschlägen vom 11. September besucht und eine
Friedensbotschaft an alle Religionen gesandt, sich für den Aufbau
einer Welt ohne Gewalt einzusetzen. Ein überdimensionales Portrait
von Johannes Paul II. ziert immer noch die Eingangsseite der
Kathedrale von Astana.
Johannes Paul II. legte Grundstein zum Weltkongress
Erzbischof Peta zeigte sich überzeugt, dass der kasachische
Präsident Nursultan Nazarbajew von dieser päpstlichen
Friedenbotschaft derart inspiriert worden war, dass er 2003 zum
Ersten Kongress der Weltreligionen einlud. "Präsident Nazarbajew war
sicher von der spirituellen Kraft dieses Besuchs beeindruckt", so
Peta wörtlich, der als Erzbischof von Astana der kleinen
kasachischen Bischofskonferenz vorsteht.
Ab Mitte der 90er-Jahre wurde die Kirche in Kasachstan von Johannes
Paul II. auf neue organisatorische Füße gestellt. Neben der
Erzdiözese Astana gibt es noch die Diözesen Karaganda und Almaty
sowie die apostolische AdministraturAtyrau. Dazu kommen einige
Pfarren der griechisch-katholischen Kirche. Der Bischofskonferenz
gehören neben Erzbischof Peta noch Bischof Janusz Katela (Atyrau),
Bischof Henryk TeofilHowaniec (Almaty) und Erzbischof Jan Pawel
Lenga (Karaganda) sowie Weihbischof Athanasius Schneider (Karaganda)
an.
Erzbischof Peta ist gebürtiger Pole. Er kam 1990 nach Kasachstan und
wurde 1999 von Papst Johannes Paul II. zum apostolischen
Administrator von Astana ernannt. Nach der Erhebung der
Administratur zur Diözese im Jahr 2001 wurde Peta Bischof, seit der
Erhebung von Astana zur Erzdiözese 2003 ist er Erzbischof.
Abwanderung der Katholiken
Er stehe in Kasachstan nur einer kleinen Herde vor, so Peta, der
zugleich aber auch daran erinnerte, dass dies nicht immer so gewesen
sei. Nach dem Ende des Kommunismus und dem Zerfall der Sowjetunion
hätten viele Katholiken die Möglichkeit genutzt und seien in ihre
ursprünglichen Herkunftsländer, meist Polen oder Deutschland,
ausgewandert. Die Zahlenangaben schwanken: Erzbischof Peta spricht
von zwei Millionen Katholiken, die vor 20 Jahren noch in Kasachstan
lebten, andere Quellen wiederum geben nur rund 800.000 Personen an.
Einen gewaltigen Aderlass musste die katholische Kirche aber auf
jeden Fall hinnehmen.
Insgesamt wirken in Kasachstan derzeit rund 80 Priester, dazu kommen
etwas mehr als 100 Ordensschwestern. Es gibt rund 85 katholische
Kirchen im Land, etwa 20 davon wurden nach dem Ende der
Sowjetherrschaft errichtet; darunter auch die Kathedrale von Astana.
Zuvor feierte die kleine katholische Gemeinde in einem adaptierten
Wohnhaus Gottesdienst, spätestens nach der überraschenden Ernennung
der damaligen Provinzstadt Zelinograd zur neuen Hauptstadt
("Astana") 1997 wurde der Bau einer Kirche aber virulent. 1999 wurde
die neue Kathedrale schließlich vom Kölner Kardinal Joachim Meisner
eingeweiht. Zur Erzdiözese Astana gehören 34 Pfarrgemeinden sowie
zwei griechisch-katholische Pfarreien.
Gute Beziehungen zum Staat
Mit der Situation der Kirche und der Religionsfreiheit in Kasachstan
zeigte sich Peta gegenüber "Kathpress" zufrieden. Die Beziehungen
zum Staat seien gut und er hoffe, dass dies auch so bleibe.
Ein Versuch des kasachischen Parlaments, die Religionsfreiheit
einzuschränken, war erst vor kurzem gescheitert. Im Februar hatte
das kasachische Verfassungsgericht ein neues Gesetz als
verfassungswidrig aufgehoben, das eine verstärkte Kontrolle von
Religionsgemeinschaften und Einschränkungen bei der Verbreitung von
religiösem Material vorsah. Das Gesetz zielte aber sicher nicht in
erster Linie auf die kleine katholische Gemeinde ab, viel eher schon
auf den aufkeimenden muslimischen Fundamentalismus, der vor allem im
Süden des Landes für Probleme sorgt, so der Erzbischof.
Dennoch könne man jedoch von einem weitgehend problemlosen
Zusammenleben aller Religionen sprechen. Die Beziehungen zwischen
Christen (überwiegend Orthodoxe) und Muslimen seien gut, so Peta. Er
glaube auch nicht, dass der islamische Fundamentalismus in
Kasachstan Überhand nehmen werde. In der 18-jährigen Unabhängigkeit
des Landes nach dem Zerfall der Sowjetunion habe es noch keinen
einzigen religiös motivierten Terrorakt gegeben, so der Erzbischof.
Schneider: Lob für universitäre Diskussionsforen
Von guten Beziehungen zwischen den Religionen berichtete auch der
Karagander Weihbischof Athanasius Schneider. Dabei gehe die
Initiative zum interreligiösen Dialog oftmals von der Regierung aus.
Diese sei sehr an guten und friedlichen Beziehungen interessiert.
Auch bestimmte staatliche Gedenk- oder Feiertage würden von den
Religionsgemeinschaften gemeinsam begangen.
Als sehr gelungenes Projekt stellte Schneider von den Behörden
initiierte Diskussionsforen an Universitäten in Karaganda vor.
Vertreter der orthodoxen und katholischen Kirche sowie des Islam
seien eingeladen worden, über ihren Glauben zu berichten und hätten
danach mit den Studenten und untereinander über Gemeinsamkeiten und
Unterschiede diskutiert. So stelle er sich einen gelungenen
interreligiösen Dialog vor, betonte Schneider.
In Karaganda befindet sich auch das einzige katholische
Priesterseminar für den gesamten zentralasiatischen Raum. Die
derzeit 13 Seminaristen würden allerdings alle aus Kasachstan
stammen, so Schneider, Studenten aus Usbekistan, Turkmenistan,
Tadschikistan und Kirgisistan gebe es bislang noch nicht.
Wie Weihbischof Schneider weiter sagte, bestünde auch zur orthodoxen
Kirche ein sehr gutes Verhältnis, Vorwürfe des Proselytismus, wie
sie im offiziellen Dialog zwischen Orthodoxie und katholischer
Kirche immer wieder im Raum stehen, habe er in Kasachstan noch nicht
vernommen. Evangelisierung in Kasachstan bedeute für ihn, "den
eigenen Glauben überzeugend zu leben, ohne aufdringlich zu sein;
aber auch in Achtung und Offenheit vor der Gewissensentscheidung
jedes einzelnen". Das sei aber beileibe kein Proselytismus, so der
Weihbischof.
In Zukunft wolle er auch durch kulturelle Projekte Brücken zwischen
den Kulturen und Religionen bauen. "Ein Orgelkonzert in einer
katholischen Kirche wird sicher auch für Orthodoxe und Muslime
interessant sein", so der Bischof.
Auch er bestätigte wie Erzbischof Peta Versuche muslimischer
Fundamentalisten, im Süden Kasachstans Fuß zu fassen, doch die
Regierung sei sehr wachsam und gehe konsequent gegen Hassprediger
vor, so Schneider. Er kenne auch persönlich Imame, die mit dieser
Art des Islam nicht einverstanden seien.
Was den Dritten Kongress der Weltreligionen in Astana betrifft, so
betonten Erzbischof Peta und Weihbischof Schneider übereinstimmend,
dass allein schon die Tatsache des Kongresses an sich ein sehr
positives Zeichen sei. Die Delegierten könnten zumindest ein
persönliches Beispiel geben, dass gegenseitiger Respekt und ein
friedliches Zusammenleben in der Welt möglich seien.
Erzbischof Peta wollte zudem auch darin ein bedeutendes Zeichen
sehen, dass der Kongress ausgerechnet in einem postsowjetischen Land
stattfindet, wo der Atheismus deutliche Spuren hinterlassen habe.
Umso kräftiger komme die Bedeutung der Religionen für die alle
Menschen auf der Welt zum Vorschein.
O-Töne können in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abgerufen
werden.
(forts. mgl.)
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