"KURIER"-Kommentar von Daniela Kittner: "Zäsur"

Mit der Wahl Erich Foglars zum Präsidenten beginnt eine neue Ära im ÖGB.

Wien (OTS) - Bundespräsident Heinz Fischer bemerkte in seiner Eröffnungsrede am ÖGB-Kongress, seit 1945 habe es 20 Nationalratswahlen, aber nur 16 ÖGB-Kongresse gegeben. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Stabilität der Arbeitnehmervertretung. Diese Stabilität hatte sich jedoch in den letzten Jahrzehnten ins Negative gekehrt und war zur Erstarrung ausgeartet.
2006 spülte die Bawag-Krise eine ganze Generation von Spitzen-Gewerkschaftern hinweg. Der Existenz-Schock löste interne Reformblockaden.
Im Licht dieser Vorgeschichte stellt der gestern zu Ende gegangene 17. ÖGB-Kongress eine Zäsur dar.
Die Wahl Erich Foglars zum Präsidenten markiert im ÖGB den Beginn einer neuen Ära.
Das sagt noch nichts darüber aus, ob sie erfolgreich wird. Aber ein klares Signal sandten die Betriebsräte aus: Sie haben nach der Bawag-Depression wieder Selbstbewusstsein gefasst. Daraus lässt sich eines prophezeien: Finanzminister Josef Pröll wird in den Gewerkschaften einen harten Gegner beim Verteilungskampf im Zuge des Staatsschulden-Abbaus finden. Und die SPÖ läuft Gefahr, dass sie zwischen Koalitionsloyalität und ihrer kampfeslustigen Basis zerrieben wird.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001