AKNÖ-Präsident Haneder im Pendlerzug: "Züge einstellen ist der falsche Weg"

Haneder wartete in Gänserndorf vergeblich auf S-Bahn um 5.52 nach Wien - Ausfall

Wien (AKNÖ) - Der niederösterreichische Arbeiterkammerpräsident Hermann Haneder konnte sich heute, Donnerstag, ein direktes Bild von der Nordbahnmisere machen: Die S-Bahn, mit der er von Gänserndorf nach Wien fahren wollte, fiel ersatzlos aus. Der nächste Zug war so voll, dass viele PendlerInnen bis Wien stehen mussten. Haneder: "Der Lokalaugenschein zeigte klar, dass dieser Zustand den Pendlern nicht zuzumuten ist. Ich unterstütze die Forderung der PendlerInnen, alle seit Dezember eingestellten Züge wieder einzusetzen."

Zahlreiche ArbeitnehmerInnen aus dem Bezirk Gänserndorf fühlen sich im Stich gelassen und waren froh, dass erstmals ein hochrangiger politischer Vertreter direkt zu ihnen in den Pendlerzug gekommen ist. Die PendlerInnen beklagten sich über immer ärger werdende Verspätungen, häufige Zugausfälle und die schlechte Information. Eine 30-jährige Angestellte berichtete dem AKNÖ-Präsidenten, dass "ich jeden Tag 45 Minuten früher von zu Hause wegfahre, um halbwegs pünktlich in der Arbeit zu sein. Mein Chef war schon ziemlich ungehalten, dass ich täglich angerufen habe, und mich entschuldigen musste, dass ich schon wieder später komme." Besonders verärgert zeigte sich diese Betroffene, weil sie gerade ihre neue Monatskarte gekauft hat: "Statt 74 Euro jetzt 78,50 Euro und die Leistung wird immer schlechter."

Krankenschwester: Habe keine Gleitzeit und komme jeden Tag zu spät "Seit dieser Woche ist es noch ärger als sonst, kein Tag ohne lange Verspätung. Bei 5 Minuten sage ich ja nichts, aber gestern 23 Minuten und heute dürften es nicht weniger sein. Als Krankenschwester muss ich pünktlich um 7 Uhr bei der Übergabebesprechung dabei sein. Lange schauen meine KollegInnen nicht mehr zu, die meine Arbeit mitmachen müssen."

Arbeiterin in Werkstätte kommt täglich eine Stunde später zurück zur Familie Eine Arbeiterin hat zwar Gleitzeit, doch "alles, was ich in der Früh verliere, muss ich am Nachmittag anhängen. Wie komme ich dazu, jeden Tag bis zu einer Stunde später zu meiner Familie nach Hause zu kommen. Ab 17 Uhr gibt es nur noch Stundentakt bis Bernhardsthal, weil Verbindungen gestrichen wurden."

An der Zugbegleiterin lassen alle ihren Zorn aus Zum Handkuss kommt die freundliche Zugbegleiterin, die sich täglich bei der Fahrkartenkontrolle den Zorn der Fahrgäste anhören muss. Der AKNÖ-Präsident unterstützt auch sie: "Die Zugbegleiter haben selbst keine Informationen, die sie weitergeben können. Ein Zustand, den ich im Handy- und Informationszeitalter überhaupt nicht verstehen kann. Hier liegt offenbar einiges im Argen. Einen Container kann ich bis Hongkong verfolgen, aber ob die S-Bahn bis zum Praterstern 20 Minuten Verspätung hat, darüber gibt es keine Informationen an die Fahrgäste?"

11-jähriger Schüler fährt schon um 6.14 Uhr in die Schule, "ich will ja was lernen"

Der AKNÖ-Präsident kam auch mit einem 11-jährigen Buben ins Gespräch, der bereits um 6.14 Uhr gemeinsam mit seiner Mutter ins Gymnasium nach Wien fahren muss. "Ich will ja nicht jeden Tag zu spät kommen. Ich müsste sonst alles, was ich versäume, nachlernen." Auch die Mutter legt großen Wert auf Pünktlichkeit: "Er muss pünktlich sein, das ist mir wichtig. Jetzt fahren wir halt jeden Tag eine halbe Stunde früher. Für die Kinder ist das sehr hart."
Pendler bitten Haneder, für sie etwas zu tun: "Was hier aufgeführt wird, ist eine Katastrophe"

Viele PendlerInnen nützen die Gelegenheit, dass sich endlich ein wichtiger Politiker um sie kümmert und sagen es ganz direkt: "Was hier mit uns aufgeführt wird, ist eine Katastrophe. Einmal ist es der Blitzschlag, einmal bleiben die alten Garnituren liegen, einmal reißt die Oberleitung. Sind wir hier entlang der Nordbahn in der 3. Welt?"

AKNÖ-Präsident kritisiert Preiserhöhung bei weniger Leistung

Präsident Hermann Haneder übte im Anschluss an den Lokalaugenschein scharfe Kritik an der heute in Kraft getretenen Preiserhöhung: "Bei weniger Leistung mehr Geld zu verlangen, dafür haben die Pendler ebenso wenig Verständnis wie ich. Es ist mir auch klar, dass die Verschlechterungen mit den Einsparungen beim Fahrplan zusammenhängen, alles, was seither dazugekommen ist, brachte das Fass jetzt zum Überlaufen." Haneder bezeichnete am Ende seiner Fahrt in Floridsdorf die getroffenen Einsparungen von 7 Zugpaaren als eine der Quellen des Übels.

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