- 01.07.2009, 10:40:56
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Patientenbefragung bringt alarmierende Ergebnisse ans Tageslicht
Wien (OTS) - Ärztekammerpräsident Dr. Reisner: "Knapp 95 Prozent
unserer Patientinnen und Patienten sprechen sich für den Erhalt von
ärztlichen Hausapotheken und ein duales System der
Medikamentenversorgung aus."
Nach einer internen Erhebung der NÖ Ärztekammer sind unzählige
Hausapothekenstandorte in Niederösterreich zukünftig aufgrund der
aktuellen Gesetzeslage gefährdet. Eine Studie zeigt nun auf, wie sich
für die Patientinnen und Patienten die Situation ändert, wenn die
Versorgung mit rezeptpflichtigen Medikamenten von ärztlicher
Hausapotheke auf öffentliche Apotheke umgestellt wird. So wurden
Patientinnen und Patienten von ausgewählten Hausarztpraxen befragt,
welche die Bewilligung zur Führung einer ärztlichen Hausapotheke in
den letzten Jahren verloren haben. Denn nur genau diese Patientinnen
und Patienten sind in der Lage, einen objektiven Vergleich zwischen
den verschiedenen Versorgungssituationen zu ziehen.
Das Ergebnis ist laut Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner
alarmierend: "Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die
Versorgung mit rezeptpflichtigen Medikamenten seit Schließen der
ärztlichen Hausapotheke sehr oder eher verschlechtert hat." Die
Hauptgründe laut Umfrage sind dienstfreie Apotheken (25,2 %), nicht
lagernde Medikamente (54,8 %) und Hausbesuche, bei denen die
Ärztin/der Arzt keine Medikamente mitbringen darf (39,1 %,
Mehrfachnennungen waren möglich).
Bevölkerung strebt friedliches Nebeneinander von ärztlichen und
öffentlichen Apotheken an
"Die nun vorliegende Umfrage der NÖ Ärztekammer widerlegt in
eindrucksvoller Form die Behauptung, dass es durch die Neuerrichtung
von Landapotheken zur wesentlichen Verbesserung der
Gesundheitsversorgung käme", so der Medikamentenreferent der
Ärztekammer Dr. Wolfgang Geppert. Aus seiner Sicht ist sogar das
Gegenteil der Fall. "Die Menschen wollen jedenfalls ein friedliches
Nebeneinander von öffentlichen und ärztlichen Apotheken.
Zwangsschließungen sind aus Sicht der Bevölkerung unerwünscht."
Immerhin gaben 94,8 % der Befragten an, dass sich ihre Situation
verbessern würde, wenn neben der nächstgelegenen Apotheke auch
Ärztinnen und Ärzte Medikamente abgeben dürften.
Präsident Dr. Reisner auf die Frage, warum ähnliche Umfragen der
Apothekerkammer auf ganz andere Ergebnisse kämen: "Niemand
bezweifelt, dass Apothekenkunden eine öffentliche Apotheke im Ort als
großen Gewinn sehen. Man muss den typischen Apothekenkunden jedoch
ganz deutlich von kranken und daher in aller Regel immobilen
Patientinnen und Patienten unterscheiden. Diese Gruppe benötigt
unmittelbar vor dem Medikament ärztliche Hilfe." Daher ist der Wunsch
von 96,5 Prozent der Befragten nach einer Abgabemöglichkeit von
Medikamenten beispielsweise bei Hausbesuchen verständlich.
Klares Votum der Bürgerinnen und Bürger für ein duales System der
Medikamentenversorgung
"Der antiquierte Gebietsschutz für öffentliche Apotheken muss
fallen", so Dr. Geppert. Nichts liegt aus seiner Sicht für die
Landbevölkerung näher, als die Arzneimittel direkt von der Ärztin
oder vom Arzt ausgefolgt zu bekommen. "Wer Zweifel an der aktuellen
Umfrage hegt, der trete zum Beispiel den Weg nach Paudorf bei Krems
an und mische sich unter die Bevölkerung. Ein ganzer Ort bäumt sich
auf, um die zwangsweise Schließung der ärztlichen Hausapotheke zu
verhindern."
Präsident Dr. Reisner abschließend: "Wir Ärztinnen und Ärzte
stehen jedenfalls für ein friedliches Nebeneinander von ärztlichen
Hausapotheken und öffentlichen Apotheken. Zwangsschließungen sind in
keinem Fall zeitgemäß. Die vorliegende Umfrage ist ein ganz klares
Votum der Bürgerinnen und Bürger für ein duales System der
Medikamentenversorgung mit Niederlassungsfreiheit von ärztlichen
Hausapotheken und öffentlichen Apotheken ohne Gebietsschutz."
Die gesamte Umfrage zum download unter www.arztnoe.at.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich - Pressestelle
Michael Dihlmann, Tel. 0664/144 98 94
presse@arztnoe.at, www.arztnoe.at
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