Patientenbefragung bringt alarmierende Ergebnisse ans Tageslicht

Wien (OTS) - Ärztekammerpräsident Dr. Reisner: "Knapp 95 Prozent unserer Patientinnen und Patienten sprechen sich für den Erhalt von ärztlichen Hausapotheken und ein duales System der Medikamentenversorgung aus."

Nach einer internen Erhebung der NÖ Ärztekammer sind unzählige Hausapothekenstandorte in Niederösterreich zukünftig aufgrund der aktuellen Gesetzeslage gefährdet. Eine Studie zeigt nun auf, wie sich für die Patientinnen und Patienten die Situation ändert, wenn die Versorgung mit rezeptpflichtigen Medikamenten von ärztlicher Hausapotheke auf öffentliche Apotheke umgestellt wird. So wurden Patientinnen und Patienten von ausgewählten Hausarztpraxen befragt, welche die Bewilligung zur Führung einer ärztlichen Hausapotheke in den letzten Jahren verloren haben. Denn nur genau diese Patientinnen und Patienten sind in der Lage, einen objektiven Vergleich zwischen den verschiedenen Versorgungssituationen zu ziehen.

Das Ergebnis ist laut Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner alarmierend: "Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Versorgung mit rezeptpflichtigen Medikamenten seit Schließen der ärztlichen Hausapotheke sehr oder eher verschlechtert hat." Die Hauptgründe laut Umfrage sind dienstfreie Apotheken (25,2 %), nicht lagernde Medikamente (54,8 %) und Hausbesuche, bei denen die Ärztin/der Arzt keine Medikamente mitbringen darf (39,1 %, Mehrfachnennungen waren möglich).

Bevölkerung strebt friedliches Nebeneinander von ärztlichen und öffentlichen Apotheken an

"Die nun vorliegende Umfrage der NÖ Ärztekammer widerlegt in eindrucksvoller Form die Behauptung, dass es durch die Neuerrichtung von Landapotheken zur wesentlichen Verbesserung der Gesundheitsversorgung käme", so der Medikamentenreferent der Ärztekammer Dr. Wolfgang Geppert. Aus seiner Sicht ist sogar das Gegenteil der Fall. "Die Menschen wollen jedenfalls ein friedliches Nebeneinander von öffentlichen und ärztlichen Apotheken. Zwangsschließungen sind aus Sicht der Bevölkerung unerwünscht." Immerhin gaben 94,8 % der Befragten an, dass sich ihre Situation verbessern würde, wenn neben der nächstgelegenen Apotheke auch Ärztinnen und Ärzte Medikamente abgeben dürften.

Präsident Dr. Reisner auf die Frage, warum ähnliche Umfragen der Apothekerkammer auf ganz andere Ergebnisse kämen: "Niemand bezweifelt, dass Apothekenkunden eine öffentliche Apotheke im Ort als großen Gewinn sehen. Man muss den typischen Apothekenkunden jedoch ganz deutlich von kranken und daher in aller Regel immobilen Patientinnen und Patienten unterscheiden. Diese Gruppe benötigt unmittelbar vor dem Medikament ärztliche Hilfe." Daher ist der Wunsch von 96,5 Prozent der Befragten nach einer Abgabemöglichkeit von Medikamenten beispielsweise bei Hausbesuchen verständlich.
Klares Votum der Bürgerinnen und Bürger für ein duales System der Medikamentenversorgung

"Der antiquierte Gebietsschutz für öffentliche Apotheken muss fallen", so Dr. Geppert. Nichts liegt aus seiner Sicht für die Landbevölkerung näher, als die Arzneimittel direkt von der Ärztin oder vom Arzt ausgefolgt zu bekommen. "Wer Zweifel an der aktuellen Umfrage hegt, der trete zum Beispiel den Weg nach Paudorf bei Krems an und mische sich unter die Bevölkerung. Ein ganzer Ort bäumt sich auf, um die zwangsweise Schließung der ärztlichen Hausapotheke zu verhindern."

Präsident Dr. Reisner abschließend: "Wir Ärztinnen und Ärzte stehen jedenfalls für ein friedliches Nebeneinander von ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken. Zwangsschließungen sind in keinem Fall zeitgemäß. Die vorliegende Umfrage ist ein ganz klares Votum der Bürgerinnen und Bürger für ein duales System der Medikamentenversorgung mit Niederlassungsfreiheit von ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken ohne Gebietsschutz."

Die gesamte Umfrage zum download unter www.arztnoe.at.

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