- 30.06.2009, 16:54:21
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Flughafen Wien und die "Odyssee 2001" - von Wolfgang Unterhuber
Wer hatte bei diesem Debakel welche Verantwortung inne?
Wien (OTS) - In Stanley Kubricks Meisterwerk "2001 - Odyssee im
Weltraum", steuert die Besatzung eines Raumschiffes macht- und
hilflos einer Katastrophe entgegen. Verantwortlich dafür ist der
zentrale Bordcomputer "Hal", dessen Intelligenz plötzlich absurde
Züge annimmt, was beinahe zum Untergang der gesamten Crew führt.
"Hal" dürfte in den vergangenen Jahren auch im Management des
Flughafens Wien in Schwechat sein Unwesen getrieben haben. Denn auch
dort begann 2001 eine eigentümliche Odyssee. Damals tagte zum ersten
Mal der so genannte Lenkungsausschuss, der das Projekt Skylink in
Angriff nahm. Skylink sollte ein Super-Terminal mit 17
Andockstationen für Flugzeuge und 150.000 Quadratmeter Fläche für
Shops, Lounges et cetera et cetera werden.
Doch was 2001 begann, war eine Irrfahrt der Sonderklasse. Von
Anbeginn gab es eklatante Planungsmängel und Bauverzögerungen.
Lenkungsausschuss tagte auf Lenkungsausschuss. Und gleichzeitig
explodierten die Kosten. Zunächst waren für Skylink rund 400
Millionen Euro veranschlagt worden. Jetzt liegen wir bei 830
Millionen. Für Planer, Architekten und Techniker wurde die Baustelle
indes zu einem Eldorado. Für ihre Beratungstätigkeit erhielten sie
bislang 120 Millionen. Und mittendrin: Ein offensichtlich
orientierungsloser Vorstand und ein Aufsichtsrat, der das Ganze
abnickte.
Neo-Vorstand Ernest Gabmann hat die Kosten-Odyssee jetzt gestoppt und
versucht zu retten, was zu retten ist. Statt Geld zu verbrennen, wird
das Unternehmen sowieso den Sparstift ansetzen müssen.
Die Passagierzahlen sind dramatisch rückläufig, und Hauptkunde
Austrian Airlines wird kräftig redimensionieren müssen. Zudem punkten
Konkurrenz-Flughäfen wie München und Zürich laut dem
Beratungsunternehmen Arthur D. Little mit besseren Serviceleistungen.
Abgesehen von all diesen Problemen stellt sich jetzt die Frage nach
der Verantwortung für das Millionen-Debakel. Warum sahen die
Vorstände jahrelang tatenlos zu? Welchen Rat erteilten die
Aufsichtsräte? Und welche Rolle spielten die politischen
Entscheidungsträger der beiden Großaktionäre - die Länder
Niederösterreich und Wien?
Bisher zeigten alle Involvierten gerne auf Christian Domany. Der für
das Projekt verantwortliche Vorstand trat im vergangenen Frühjahr
zurück. Derzeit wird jedenfalls noch intensiv geprüft, ob Domany
tatsächlich der Einzige gewesen sein soll, der bei dieser Katastrophe
die Rolle des "Hal" innehatte.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
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