- 29.06.2009, 10:50:58
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Studie FloodRisk II: Neue Erkenntnisse zum Hochwassermanagement
Lebensministerium und BMVIT kooperieren bei umfassendem Forschungsprojekt

Wien (OTS) - "Hochwasserereignisse wie das von letzter Woche sind
eine Heraus-forderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können", sind
sich Umweltminister Niki Berlako-vich und Verkehrsministerin Doris
Bures einig. Um aus den Hochwasserereignissen der Vergangenheit für
die Zukunft zu lernen, wurden diese in den letzten Jahren in
umfassenden Forschungsprojekten - FloodRisk I und II -
interdisziplinär analysiert. Im Vorfeld eines Fachsymposiums am 29.
und 30. Juni 2009 präsentierten Umweltminister Niki Berlakovich und
Ver-kehrsministerin Doris Bures gemeinsam mit Projektkoordinator
Helmut Habersack, BOKU, am Danube Day 2009 die Ergebnisse aus
FloodRisk II. ****
Umweltminister Niki Berlakovich unterstrich, dass "nach dem
Hochwasserkatastrophenjahr 2002 gemeinsam mit den Ländern ein
Finanzierungspaket mit einem Investitionsvolumen von 2,9 Millarden
Euro geschnürt wurde. Damit können wir die erforderlichen Maßnahmen
umset-zen, die zum Schutz der Menschen und vor wirtschaftlichen
Schäden notwendig sind. Wir ha-ben auch gelernt, dass wir für ein
erfolgreiches Hochwassermanagement offen mit der betrof-fenen
Bevölkerung kommunizieren und die Zusammenarbeit aller
Fachdisziplinen forcieren müssen."
Verkehrsministerin Doris Bures, zuständig für die Wasserstraßen
Donau und March betonte ebenfalls, dass Hochwassermanagement die
Zusammenarbeit aller erfordere. "Wir investieren derzeit massiv in
den Ausbau des Hochwasserschutzes. Seit 2007 greift die
15a-Vereinbarung zwischen Bund und den Bundesländern Oberösterreich,
Niederösterreich und Wien, wonach jährlich je 21 Millionen Euro von
Bund und Ländern investiert werden. Dieser Betrag konnte von Seiten
des BMVIT für die Jahre 2009 und 2010 um 14 Millionen Euro gesteigert
werden. Die Hochwasserschutzmaßnahmen werden mit voller Kraft
weitergeführt, sobald der Wasserstand der Donau weit genug
zurückgegangen ist und die Bauarbeiten wieder möglich sind."
Generell werden bis 2016 rund 570 Millionen Euro in den
Hochwasserschutz von Donau, March und Thaya investiert - 420
Millionen Euro für den Donau-Hochwasserschutz, 102 Milli-onen Euro
für die March und 50 Millionen Euro aus dem Sanierungsprogramm der
Donau-Hochwasserschutzkonkurrenz.
Ergebnisse aus FloodRisk II
Zentrale Erkenntnis von FloodRisk II ist, dass die Hauptursache
der enormen Schäden der vergangenen extremen Hochwasserereignisse in
einer außergewöhnlichen Kombination von großer räumlicher Ausdehnung
und extremer Entfaltung des Wettergeschehens liegt. Absoluter
Hochwasserschutz ist nicht möglich, das Restrisiko muss durch ein
umfassendes Hochwasserrisikomanagement minimiert werden. Eckpfeiler
der österreichischen Strategie im Umgang mit Hochwasser sind
vorrangig der Schutz des menschlichen Lebens, der Schutz der Lebens-
und Wirtschaftsgrundlagen, aber auch der Schutz der Gewässer selbst.
Darüber hinaus sind die erforderliche Minderung der Sachschäden, eine
Sicherung des Wiederaufbaus und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen
ebenfalls zu berücksichtigen.
45 Teilprojekte in allen hochwasserrelevanten Bereichen -
Meteorologie, Hydrologie, Geomorphologie, Naturgefahren, Ökonomie,
Recht, Raumordnung und Katastrophenschutz. - führten im Rahmen von
FloodRisk II beispielhaft zu folgenden weiteren Konkretisierungen und
Empfehlungen:
- In der Hydrologie sind zur Reduktion der Unsicherheit in den Bemessungswerten das Auftreten von Hochwasserdekaden verstärkt zu berücksichtigen, die Verwendung einer möglichst weitreichenden Datenbasis anzustreben und hochwasserrelevante, regional-spezifische Informationen zu verwenden. - Aus der Geomorphologie ist die Freihaltung des minimalen flussmorphologischen Raumbedarfs durch eine Erhaltung oder Herstellung eines minimalen Sicherheitsabstandes notwendig. Dieser sollte zumindest auf beiden Ufern die ein- bis dreifache Flussbreite betragen und wäre mit einem absoluten Bebauungsverbot zu belegen. - Aus ökologischer Sicht sind die noch bestehenden Auen in Österreich zu schützen. Überflutungsflächen sind für den Hochwasserschutz und zur Verbesserung der Hydrologie für die Auen - insbesondere dort wo sie außerhalb der bestehenden Hochwasserschutzdämme liegen - wieder zu gewinnen. - Ein Schwerpunkt des Hochwassermanagements sollte in Zukunft die systematische Zustandserhebung bestehender Hochwasserschutzbauwerke sein. Vor Hochwasserereignissen sollten Planungen für mögliche Sofortmaßnahmen zur Verfügung stehen, um im Anlassfall den Zeitraum der Umsetzung wesentlich zu verringern. - Aus ökonomischer Sicht sollten öffentliche Mittel dort eingesetzt werden, wo der Nutzen für die Gesellschaft am höchsten ist. Eine Aufgabe dabei ist es, das vorhandene umfangreiche Datenmaterial zu erschließen, um diesen Nutzen besser zu bewerten und sichtbarer zu machen. - Die raumordnungsgesetzlichen Ziele sollten verstärkt die Freihaltung von Überflutungsflächen priorisieren und Leitlinien den Umgang mit gefährdetem Widmungs- und Baubestand enthalten. - Aus rechtlicher Sicht sollte die Ausweisung der Hochwassergefahr (z. B. durch Gefahrenzonenpläne, Gefahrenkarten, Risikokarten) in Hinkunft normativ aufgewertet, die Raumordnungsgesetze der Länder betreffend ihre Regelungen für den Umgang mit Bauland in Gefährdungsbereichen präzisiert und insbesondere Änderungs- und Rückwidmungsbestimmungen eindeutiger festgelegt werden. In allen Bauordnungen sollten spezifische Ermächtigungen der Baubehörden vorgesehen werden, erforderlichenfalls nachträgliche (Hochwasserschutz-) Maßnahmen in Form von Auflagen vorzuschreiben.
Forschungsprojekt FloodRisk II
FloodRisk II basiert auf der Zusammenarbeit von ExpertInnen aus
allen hochwasserrelevanten Bereichen: Meteorologie, Hydrologie,
Geomorphologie, Naturgefahren, Ökonomie, Recht, Raumordnung und
Katastrophenschutz. Die Gesamtkosten von ca. 2,1 Millionen Euro
wurden von Lebensministerium, BMVIT, den Bundesländern sowie Städte-
und Gemeindebund getragen. Organisatorisch und fachlich koordiniert
wurde das Projekt vom Umweltbundesamt und dem Zentrum für
Naturgefahren der Universität für Bodenkultur (ZENAR). Mehr als 150
Fach-leute aller relevanten Fachgebiete aus österreichischen
Verwaltungs- und Forschungseinrichtungen arbeiteten dabei auch eng
mit weiteren Institutionen aus ganz Europa zusammen.
Abschließend wird von beiden Ministern betont, dass die im Rahmen
von FloodRisk II initiierte kompetenz- und fachübergreifende
Zusammenarbeit begrüßt wird und auch in Zukunft weitere Initiativen
zur Realisierung eines integrierten Hochwasserrisikomanagements
unterstützt werden.
Weitere Bilder:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=1&dir=200906&e=20090629_h&a=event
Rückfragehinweis:
BMLFUW Dr. Gerhard Popp, Pressesprecher Email: [email protected] Tel: +43 (0) 711 00 - 6703 BMVIT Susanna Enk, Pressesprecherin Email: [email protected] Tel: +43 (0) 1 711 6265-8121
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