Kunstrückgabebeirat empfiehlt Rückgabe der 4 Apothekenschilder von Waldmüller

Objekte der Albertina, des Völkerkundemuseums und des Belvedere zur Rückgabe empfohlen.

Wien (OTS) - Der Kunstrückgabebeirat hat in seiner Sitzung vom 24. Juni Rückgabeempfehlungen betreffend die Österreichische Galerie Belvedere, das Museum für Völkerkunde und die Albertina beschlossen. Im Zentrum der Beratungen standen Gemälde aus der ehemaligen Sammlung Hermann Eissler (1860-1953) wie etwa 4 Apothekenschilder, Ahornbäume bei Ischl (auch Dorf Ahorn) und die Wiedergenesene von Ferdinand Georg Waldmüller.

Bereits im Juni 1938 ersuchte die Münchner Kunsthändlerin Maria Almas-Dietrich um die Bewilligung der Ausfuhr der 4 Apothekenschilder, die für das Führerhaus in München bestimmt waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Apothekenschilder von den US-amerikanischen Behörden als nationalsozialistisches Raubgut an Österreich zurückgegeben. Ein Rückstellungsverfahren fand nicht statt. Der Beirat sah diesen Verkauf im unmittelbaren Zusammenhang mit der Vorbereitung der Flucht Hermann Eisslers zunächst nach Ungarn und dann nach Frankreich und wertete ihn daher als Entziehung. Die Rückgabe wurde empfohlen.

Ein Teil der Sammlung Eissler wurde anlässlich der bevorstehenden Flucht von Hermann Eissler zwischen seiner nach den Nürnberger Gesetzen arischen Frau Hortense und seiner unehelichen Tochter Berta aufgeteilt. Hortense Eissler erhielt unter anderem Ahornbäume bei Ischl. Die Sammlung war zu diesem Zeitpunkt (Frühjahr 1939) mit einem Sicherstellungsbescheid belegt. Dadurch waren die rechtlichen und faktischen Verfügungsmöglichkeiten von Hermann Eissler an die Zustimmung der Zentralstelle für Denkmalschutz gebunden, die jedoch nicht vorlag. Hortense Eissler konnte daher an dem Gemälde kein Eigentum erwerben und damit auch kein Eigentum an den späteren Käufer Hans Posse, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie und Sonderbeauftragten für das geplante Linzer Führermuseum übertragen. Damit sind auch die nachfolgenden Eigentumsübergänge unwirksam und das Kunstrückgabegesetz ist mangels eines Eigentumserwerbs des Bundes nicht anwendbar. Wie in vergleichbaren früheren Fällen, regt der Beirat die Ausfolgung an die Eigentümer an. Geprüft werden muss jedoch noch eine allfällige Ersitzung des Gemäldes durch die Republik Österreich , die im Zusammenhang mit einem von Hortense Eissler angestrengten Zivilverfahren in den 1970-er Jahren steht.

Im Fall der bereits 1917 als Heiratsgut an Berta Morelli, der Tochter von Hermann Eissler, geschenkten Kunstwerke Galasso Gallassi, Christus am Ölberg, Waldmüller, Die Wiedergenesene und Die Bitte des Kindes sowie einer Plastik von Auguste Rodin hat der Beirat die Rückgabe nicht empfohlen. Bereits 1953 hat Berta Morelli im Zuge eines laufenden Rückstellungsverfahrens ausdrücklich auf jeden Anspruch verzichtet bzw. gelangte die Plastik erst nach 1945 in den Kunsthandel.

Weiters empfahl der Beirat die Rückgabe von 26 ethnographische Objekte aus der Sammlung Ing. Otto Braun, 73 Stichen aus der Sammlung von Hanns und Gertrude Fischl sowie einer ethnographischen Sammlung, die im ursprünglichen Eigentum von Georg Popper stand, aus dem Museum für Völkerkunde.

Schließlich konnte ein anonymes Pastell, Damenbildnis aus der Albertina, der entzogenen Sammlung von Louis de Rothschild, zugeordnet und zur Rückgabe empfohlen werden.

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Nikolaus Pelinka
Tel.: (++43-1) 53 120-5030

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