- 17.06.2009, 17:32:05
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Round-Table: "Fit für die Zukunft" - AUVA und PVA bauen gemeinsam auf die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit
Wien (OTS) -
Ihre Gesprächspartner (alphabetische Reihung):
- Prof. Dr. Juhani Ilmarinen, internationaler Experte Generationen-
Management (Finnland), EU-Berater
- Dr.in Irene Kloimüller MBA, Projektleitung "Fit für die Zukunft"
- Dr. Klaus Rudolf Pirich, Chefarzt-Stellvertreter der PVA
- Harald Schinnerl, Geschäftsführer Schinnerl GmbH
- DI Peter Vavken, Generaldirektor AUVA
- Mag. Christian Würzl, H&M
Projekt "Fit für die Zukunft?" erfolgreich angelaufen
"Arbeit und Alter" sind zentrale Stichworte unserer Zeit: Die
Menschen werden immer älter und die Lebensarbeitszeit immer länger.
Um ihre Arbeitsfähigkeit möglichst lange zu erhalten, hat die
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) gemeinsam mit der
Pensionsversicherungsanstalt (PVA) das Projekt "Fit für die Zukunft"
entwickelt. "Der optimale Einsatz von organisatorischen und
individuellen Ressourcen soll die Arbeitsfähigkeit nachhaltig
erhalten und fördern", so der stellvertretende Chefarzt der PVA, Dr.
Klaus Rudolf Pirich. "Neben den wirtschaftlichen Interessen der
Betriebe steht vor allem die Gesundheit und die Sicherheit der
Beschäftigten im Vordergrund", ergänzt der Generaldirektor der AUVA,
DI Peter Vavken. Pilotbetriebe aus acht verschiedenen Branchen
zeigen, wie das funktionieren kann.
Bei "Fit für die Zukunft" handelt es sich um das erste gemeinsame
Präventionsprojekt der Unfallversicherung mit der
Pensionsversicherung. "Die AUVA verfügt über die notwendige
Beratungskompetenz und den Zugang zu den Betrieben. Es war daher
naheliegend, dass wir diese in Anspruch nehmen", so Pirich. AUVA
General Vavken weist darauf hin, dass die Erhaltung der
Arbeitsfähigkeit auch mit einer Sicherheitskomponente verbunden ist:
"Physische oder psychische Beeinträchtigungen spielen im
Unfallgeschehen keine unbedeutende Rolle. Ich denke da zum Beispiel
an die vielen Sturzunfälle, die sich vermeiden ließen".
Bis ins hohe Alter aktiv - Finnen als Vorreiter
Was bedeutet Arbeitsfähigkeit?
Arbeitsfähigkeit beschreibt das Potenzial eines Arbeitnehmers,
eine Anforderung zu einem bestimmten Zeitpunkt unter vorgegebenen
Bedingungen zu bewältigen. Passen die Arbeitsinhalte zu den
Fähigkeiten, die sich im Laufe der Jahre altersbedingt verändern,
dann kann die Arbeitsfähigkeit bis ins höhere Berufsalter erhalten
bleiben. Zu altersbedingten Veränderungen zählen einerseits die
Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie andererseits die
Zunahme von mentalen und sozialen Fähigkeiten, wie Urteilsvermögen
und Weitsicht.
Ein Beispiel: Die Arbeitsfähigkeit eines Bauarbeiters nimmt mit
dem Alter ab, wird dieser jedoch geschult und danach verstärkt für
Koordination und Planung einer Baustelle oder für die Einteilung von
Teams etc. eingesetzt, bleibt seine Arbeitsfähigkeit lange erhalten.
Die Arbeitsfähigkeit von Menschen, die besonderen beruflichen
Beanspruchungen ausgesetzt sind, soll mit Hilfe des
Präventionsprogramms erhalten bzw. gefördert werden. Gleichzeitig
soll die Zahl der krankheitsbedingten Frühpensionen verringert
werden.
Wie funktioniert "Fit für die Zukunft?"
Bei "Fit für die Zukunft" stehen die MitarbeiterInnen von Beginn
an im Mittelpunkt. Arbeitsbedingungen und -belastungen werden
ausgelotet, optimiert, umgesetzt und evaluiert.
Zu Beginn der Projektphase wird der Betrieb auf das Programm
sensibilisiert. In dieser Phase wird der Begriff "Arbeitsfähigkeit"
näher definiert, um ein einheitliches Konzept verankern zu können.
Erste Analyse mit einem ganzheitlichen Denkmodell - dem "Haus der
Arbeitsfähigkeit"
In den teilnehmenden Betrieben wird mittels eines standardisierten
Prozesses der Status zur Arbeitsfähigkeit erhoben. Das Herzstück der
Analyse ist dabei der Arbeitsbewältigungsindex PlusTM (ABI Plus), ein
Fragebogen-Instrument zur Einschätzung von Arbeitsfähigkeit in einem
ganzheitlichen Denkmodell, dem "Haus der Arbeitsfähigkeit": Die
Bereiche Gesundheit, Einstellungen, Kompetenzen und Fertigkeiten
sowie Arbeit werden dabei untersucht. Dieses "Haus der
Arbeitsfähigkeit" wurde unter Federführung von Prof. Ilmarinen und
aufbauend auf dem Arbeitsbewältigungsindex für die AUVA und die PVA
entwickelt. Dieser ABI Plus wird in den Betrieben dreimal eingesetzt.
Pro Durchlauf können etwa 12.000 MitarbeiterInnen kontaktiert werden.
Diese werden befragt, ob die Arbeitsorganisation ihre
Arbeitsfähigkeit unterstützt, ob sie gesundheitliche Probleme haben,
wo ihre persönlichen Stärken liegen, ob sie genügend für ihre
Tätigkeiten qualifiziert und unterstützt werden, ob sie ihre Werte in
der Arbeit leben können, ob ihre Work-Life-Balance ausgewogen ist und
wie sie mit ihren Vorgesetzten und KollegInnen auskommen. Diese erste
Analyse erfolgt in Form von Fokusgruppen mit den Beschäftigten,
schriftlichen Befragungen, Ergonomie-Analysen, Interviews sowie
quantitativen Datenerhebungen (z.B.: Altersstruktur). Bei den meisten
Pilotbetrieben ist die Analyse bis Juni 2009 erfolgt. Die Befragung
erfolgt schriftlich und anonym.
Umsetzung
Nach der Erst-Analyse geht es an die Umsetzung, die etwa ein Jahr
in Anspruch nimmt. ArbeitsexpertInnen entwickeln gemeinsam mit der
Projektsteuerungsgruppe im jeweiligen Unternehmen Maßnahmen zur
Wiederherstellung, dem Erhalt oder der Förderung von produktiver
Arbeit. Die Unterstützungsmaßnahmen auf betrieblicher Seite setzen an
der Unternehmenskultur, den Strukturen und Abläufen sowie am
Verhalten an. Je zielsicherer diese Maßnahmen eingesetzt werden,
desto leistungsfähiger können ArbeitnehmerInnen in ihrer
Arbeitsumgebung agieren. MitarbeiterInnen der Betriebe erfahren in
den Pilot-Projekten - zum Beispiel durch Arbeitsbewältigungs-Coaching
oder Ergnomietrainings - auch, was sie selber tun können, um ihre
Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Bis
Juni 2010 werden die entwickelten Maßnahmen implementiert.
Erste Evaluierung
Nach der Umsetzung folgt die Evaluierung: Mit den Betrieben und
den MitarbeiterInnen werden ausführliche Befragungen durchgeführt.
Die Evaluierungsphase ist voraussichtlich bis 2010 abgeschlossen.
Anpassung der Maßnahmen
Anhand der Evaluierung kommen möglicherweise neue Facetten zum
Vorschein. Die bisher durchgeführten Maßnahmen können daher nach
Bedarf angepasst werden. Hierfür ist wieder ein Zeitrahmen von einem
Jahr vorgesehen.
"Aktives und ganzheitliches Gesundheits- und
Arbeitsfähigkeitsmanagement ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Vor
allem die Führungskräfte in den Betrieben müssen darauf schauen, dass
es ihren Beschäftigten gut geht. Das Projekt ist aber alles andere
als ein 'Schonprogramm' für die MitarbeiterInnen im höheren
Berufsalter, sondern zeigt auf, wie es durch altersgerechten Einsatz
der Potenziale möglich ist, optimale Arbeitsfähigkeit über eine lange
Erwerbsdauer zu erhalten", sagt Projektleiterin Dr.in Irene
Kloimüller.
Endevaluierung
"Die Wirksamkeit der Interventionen und Maßnahmen wird im Laufe
des Projektes ein weiteres Mal evaluiert, gegebenenfalls werden
notwendige individuelle Adaptionen vorgenommen", so Kloimüller
weiter. Nach der Endevaluierung wird ein ausführlicher
Abschlussbericht erstellt. Dieser wird bis Mitte 2012 abgeschlossen.
21 Betriebe aus 8 verschiedenen Branchen machen bei "Fit für die
Zukunft" mit
Die 21 Pilotbetriebe haben sich verpflichtet, rund vier Jahre lang
in dieses Programm als PartnerInnen einzusteigen. Diese Betriebe
weisen unterschiedliche Größen und Strukturen auf. "Gerade im Bereich
Handel ist es wichtig, dass die MitarbeiterInnen agil bleiben - in
dieser Branche ist man neben der Bürotätigkeit auch oft auf den
Beinen", sagt Mag. Christian Würzel, H&M Österreich. Harald
Schinnerl, Geschäftsführer Schinnerl GmbH, teilt diese Ansicht
grundsätzlich: "In Produktionsbetrieben ist man oft körperlich sehr
gefordert - dabei kommt es ganz wesentlich darauf an, dass die
MitarbeiterInnen fit sind und es auch nachhaltig bleiben."
Teilnehmende Branchen/Betriebe:
1. Baubranche: Strabag, Habau inkl. Held und Francke, Hentschläger-
Stross, Staudinger
2. Handel: H&M
3. Eisen- und Metall: Schinnerl, Liebherr, ABO, Julius Blum GmbH,
Böhler Edelstahl GmbH & Co KG
4. Beherbergungs- und Gaststättenwesen: Sana GmbH
5. Reinigung/Entsorgung: Saubermacher
6. Verkehr: Blaguss Reise GmbH
7. Gesundheit: Humanomed Gruppe, Haus der Barmherzigkeit Gruppe,
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern (Vinzenz Gruppe), UKH
Salzburg, Rehabzentrum Großgmain, Caritas Socialis, KAGES Stmk
8. Logistik: Österreichische Post AG / Paketlogistik Österreich
(PLÖ) Region Ost
Vom Programm zur Implementierung in Österreichs BetriebenStein des Anstoßes für dieses Projekt war der Auftrag des
Präventionsclusters des Sozialministeriums an die AUVA und die PVA,
gemeinsam ein Präventionsprogramm zur Senkung von
invaliditätsbedingten Pensionen bzw. zum Erhalt und zur Förderung von
Arbeitsfähigkeit ins Leben zu rufen.
Das Programm läuft von 2008 bis 2012. Nach Beendigung des
Programms sollen die Erfahrungen und entwickelten Förderkonzepte auch
anderen Betrieben zur Verfügung gestellt werden und so zur
Unterstützung der Erwerbsfähigkeit ihrer Beschäftigten beitragen.
Gesteuert wird das Programm von VertreterInnen der AUVA, PVA,
Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und dem
Österreichischen Gewerkschaftsbund unter der Projektleitung von Drin
Irene Kloimüller.
Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,5 Millionen
Versicherte
Bei der AUVA sind rund 4,5 Mio. Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,3 Mio. Arbeiter,
1,5 Mio. Angestellte, 380.000 Selbstständige sowie 1,3 Mio. Schüler
und Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale
Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber.
Diese zahlen 1,4 Prozent der monatlichen Brutto-lohnsumme jedes
Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 4.020,00 Euro) als
Unfallversicherungsbeitrag ein.
Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich
damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention
- also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von
Berufskrankheiten - senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die
Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am
wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von
Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die
Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder
Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre
vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu
verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am
Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von
besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2007
rund 60 Mio. Euro investiert.
Rückfragehinweis:
AUVA - Sicherheitsmarketing und Presse Dr. Wilfried Friedl Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien E-Mail: [email protected] Tel.: +43 1 33 111-530 Internet: www.auva.at Dr.in Irene Kloimüller, MBA Beratung, Coaching, Entwicklung Via Netzwerk GmbH Coaching Center Heumarkt 3/Stiege 1/Top 17 1030 Wien E-Mail: [email protected] Mobil: +43-(0) 699 104 00 755 Internet: www.via-netzwerk.at
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