• 15.06.2009, 20:06:51
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Zentralmatura löst viele zentrale Bildungsfragen" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 16.06.2009

Graz (OTS) - Mit der Schule sind ja fast alle notorisch
unzufrieden. Uniprofessoren klagen über Maturanten auf höchst
unterschiedlichem Niveau, was bedeute, dass sie bei vielen Themen
ganz von vorne beginnen müssten.

Studenten wehren sich trotzdem seit Jahrzehnten gegen
Einstufungsprüfungen und Eingangsphasen aller Art. Ihr Argument
lautet: Warum müssen es die Studienanfänger büßen, wenn sie an ihrer
Schule zu wenig gefordert wurden?

Ein Achtklässler jammert über seine ach so strenge Englischlehrerin,
eine andere Maturakandidatin klagt über ihren Deutschlehrer, der sie
einfach nicht leiden könne.

Eltern quälen sich mit der Frage, ob sie ihr Kind eh in die beste
Schule schicken: Warum maturierten in der Privatschule im Nachbarort
viel mehr mit Auszeichnung? Vielleicht sind die reichen Kinder
gescheiter, vielleicht der Unterricht besser. Womöglich ist die
Schule aber auch leichter.

Lehrer leiden unter Eltern, die nicht einsehen wollen, dass ihr Kind
fürs Gymnasium nie geeignet war, es nur mit hunderten
Nachhilfestunden in die Oberstufe geschafft hat. Es sei nicht ihre
Schuld, wenn dieses Kind trotz Förderunterricht seinen
Klassenkameraden weit hinterher hinke. Und, nein, die
Schularbeitsthemen und später Maturafragen, seien nicht ausgesucht
worden, um ausgerechnet dieses und nur dieses Kind zu quälen.

Ihnen allen kann geholfen werden: Die Zentralmatura, besser: die neue
Reifeprüfung mit zentralen Elementen, wird Maturazeugnisse
vergleichbarer machen. Dann wissen Studienanfänger und
Hochschullehrer, Berufseinsteiger und Arbeitgeber, wer was kann.
Eltern bekommen nach einigen Jahren ein zusätzliches, objektives
Kriterium für die Auswahl der richtigen Schule. Lehrer können bei
unfairen Beschwerden auf die standardisierte Prüfung verweisen.

Zwar wird auch die Leistung der Lehrer leichter vergleichbar, dies
aber nur bedingt. An einem Standort können Probleme auftreten, die
der beste Lehrer nicht löst - wenn etwa viele Eltern den Job
verlieren. Unterschiedliche Ergebnisse an einer Schule sagen da schon
mehr aus. Die meisten Lehrer dürften sich dem Vergleich aber gelassen
stellen, denn der Protest ihrer Gewerkschaft fällt vergleichsweise
moderat aus. Und die Unterrichtsministerin drückt deshalb aufs Tempo,
weil sie nicht wieder als miese Verhandlerin da stehen will.

Eines versteht sich von selbst: Die Reform darf nicht bei den AHS
enden. Eines Tages muss sich jeder Maturant in den Kernfächern den
zentralen Fragen stellen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
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