- 15.06.2009, 17:12:09
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Post ist für die SPÖ abgefahren - von Esther Mitterstieler
Derzeit gibt es nur eine kompetente Partei in der Wirtschaft
Wien (OTS) - Jetzt haben wir es also Schwarz auf Weiß: Seit
gestern ist die Post definitiv schwarz. Wie viele Jahrzehnte das
Unternehmen von einem roten General geführt wurde, sei dahingestellt:
Mit der Kür von Georg Pölzl zum obersten Postfuchs hat sich die ÖVP
nicht nur ein lange Zeit von Sozialdemokraten geführtes Terrain
eingemeindet; sie hat vor allem ihren Anspruch untermauert, die
Partei mit Wirtschaftskompetenz im Land zu sein. Da muss Kanzler
Werner Faymann aufpassen, nicht bald von der eigenen Partei statt der
gelben die rote Karte zu bekommen. Erinnern wir uns an die
vergangenen Monate: Wolfgang Ruttenstorfer, SPÖ-naher Chef der OMV,
wird seinen Vertrag erfüllen, bekommt ihn aber nicht verlängert.
Günther Geyer, Chef der Wiener Städtische, wird auch nicht mehr allzu
lange an der Spitze der Versicherung bleiben. Mehr oder weniger
bleiben als rote Vorzeigechefs in der Wirtschaft zwei Frauen übrig,
was immerhin ein positiver Nebenaspekt an dem Ganzen ist: Brigitte
Ederer, Vorstandsvorsitzende von Siemens, und Monika Kircher-Kohl,
Chefin von Infineon.
Bitte nicht falsch verstehen: Ob Rot oder Schwarz, ist einerlei.
Daran sollte die Größe eines Managers nun wirklich nicht abzulesen
sein. Wenn Schwarz gleich Wirtschaftskompetenz stehen würde, braucht
man auch nur an Manager wie Alfred Ötsch (Ex-AUA-Chef) oder Martin
Huber (Ex-ÖBB-Chef) denken, um vom Gegenteil überzeugt zu sein.
Gehen wir von der wirtschaftspolitischen Realität aus: Die Aufteilung
zentraler Managementposten in staatsnahen Unternehmen hat leider
Tradition. Ausgehend von dieser unerfreulichen Tatsache ist der
Verzicht des Kanzlers auf den wichtigen Posten in der Post
genausowenig nachvollziehbar wie der auf den EU-Kommissar. Hier muss
man sich die Frage stellen, welche strategischen Ziele der Kanzler
hat. Gerade in Zeiten wie diesen auf die Wirtschaftskompetenz zu
vergessen, ist ein schwerer Fehler. Und die ÖVP darf sich zu Recht
die Hände reiben und den Kanzler loben.
Dass die Jobvergabe an Pölzl mit einem Entgegenkommen der ÖVP bei der
Staatsholding ÖIAG verbunden ist, kann derzeit bezweifelt werden.
Dabei könnte die SPÖ dort beweisen, dass sie vielleicht auch etwas
von Wirtschaft versteht. An der Spitze der ÖIAG-Bankentochter Fimbag
könnte man die in Insiderkreisen despektierlich benannte
"Altherren-WG", so benannt nach der Wohnung, die ihnen als Bürositz
zugeteilt wurde - Wala, Liebscher, Androsch, Sorger - ablösen und die
Fimbag dem Management der ÖIAG unterorden. Es könnte eine echte
Beteiligtenholding inklusive ÖBB, Asfinag und Verbund entstehen. Wenn
dann je ein Vorstand für SPÖ und ÖVP vorsitzt, wäre das okay -
Hauptsache zwei mit Managementerfahrung und wirtschaftlicher Brille.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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