• 15.06.2009, 10:00:10
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Neues Sachbuch: Wien für "libertäre" Pedalritter

Wien (OTS) - Achtzehn Jahre hat es gedauert, dass im "schlauen"
Falter Verlag wieder einmal an das Fahrrad gedacht wurde. Dass der
Verlag, der Abonnenten ein gebrandetes Fahrrad kostengünstig
anbietet, so viel Zeit verstreichen ließ, erstaunt, steigende
Radfahrerzahlen plus neuem Drängen nach Politisierung der Mobilität
dürften nun aber "grünes Licht" gegeben haben. Was rausgekommen ist,
braucht sich nicht zu genieren.

Der Einstieg ins "Stadtradeln" erfolgt mit einer Typenkunde der
(Stadt)Radl-Welt. Rennräder, MTBs, Falt- und Klappräder, E-Fahrräder,
Lastenkonstruktionen und Kinderanhänger werden trocken, aber kundig
vorgestellt. Interessant ist die Rechtsbelehrung, deren Qualität man
daran ermessen kann, wenn man weiß, dass einer der beiden Autoren,
Johannes Pepelnik, nicht nur begeisterter Radfahrer, sondern auch
Rechtsanwalt, speziell für 26-Zoll-Angelegenheiten ist. Juristisch
hat sich seit eigenen Kindheitstagen, als das Fahren gegen die
Einbahn unbekannt und Mehrzweckstreifen noch nicht zu finden waren,
einiges verändert. Die beiden Intensiv-Radfahrer informieren
detailreich wer wann auf wen zu schauen hat, die relative
Schutzlosigkeit des Normal-Radfahrers wird dadurch freilich nicht
aufgehoben. Beruhigend: Bremse, Licht und Klingel sind weiterhin
vorgeschrieben, auch Erste Hilfe muss man 2009 leisten. Eigentlich
gut so, wenn man nicht aus eigener Stadt-Strampelerfahrung den
Eindruck hätte, dass man dermaßen ausgerüstet mitunter zu den letzten
Tret-Mohikanern Wiens gehört. Der neue Fahrrad-Guide aus dem "Wir
holen dich da raus"-Verlag ist praxisnah, andererseits macht er aber
gewisse Schleifen um die nicht wenigen ziemlich neurotisch dahin
flitzenden Fahrrad-Zeitgenossen, deren "Ich pfeif auf
rot"-Straßen-Queren-Einstellung andere Zeitgenossen in Bedrängnis
bringen. Das Selbstbewusstsein einer neuen Fahrrad-Community mit Lust
auf Einmischung ist jedenfalls an vielen Stellen dieses Buches zu
spüren.

Lobenswert hervorzuheben ist neben einer Zusammenfassung der
Rad-Politik der Wiener Parteien, das nicht unbeträchtliche Service
von Seiten der Stadt, wie auch die Vorstellung diverser Rad-Lobbies,
von ARGUS bis zur IG Fahrrad. Trotz eindeutigem
"Stadtrad"-Schwerpunkt verraten Hager und Peplnik auch einige hübsche
Radausflüge ins Wiener Umland, wie auch eine gefaltete Wien-Karte
alltagstaugliche Routenverbindungen zwischen City und Gürtel verrät.
Fahrradgeschäfte nach Bezirken geordnet, Reparaturanleitungen und
-adressen, Hinweise für politisch-aktivistische Zeitgenossen, aber
auch Argumentationsketten etwa pro und contra Fahrradhelm runden
dieses Drahtesel-Kompendium ab. Beim Bildmaterial hätte man ruhig
auch einmal verregnete, frostige und Schneeschauer-Situationen
bringen können, der 320seitigen Grundtheorie, dass Fahrradfahren in
der Stadt grundsätzlich (fast) immer möglich ist, hätte es genützt.

Jenseits dieser beckmesserischen Einwände haben die beiden
Autoren ein fundiertes, wie (alltags)taugliches Radbuch
zusammengestellt, was jedem auch nur halbwegs interessierten
Radfahrer in der Millionenstadt Wien ans Herz gelegt werden kann. An
den Verlag, der auch so gerne "kommunale Aufklärung" betreibt: Bitte
nicht erst 2027 wieder!

o Alec Hager, Johannes Pepelnik: Radfahren in Wien, Falter Verlag
  ( www.faltershop.at ), 320 Seiten, Wien 2009,                  
  ISBN 978-3-85439-416-7, Euro 16,50.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) hch

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Mag. Hans-Christian Heintschel
Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53)
Telefon: 01 4000-81082
Mobil: 0676 8118 81082
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