• 05.06.2009, 11:46:02
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Internationale NGOs verlassen unter Protest das European Nuclear Energy Forum (ENEF)

Linz wird am 17. Juni zum atomkritischen Zentrum der EU

Linz (OTS) - Die NGO-Teilnehmer am European Nuclear Energy Forum
(ENEF) haben geschlossen ihren Rückzug aus der offiziellen
EU-Diskussionsplattform zur Nutzung der Kernenergie erklärt. Die
Vertreter von Greenpeace International, Friends of the Earth and
Sortir du nucléaire begründeten diesen Schritt mit Unterdrückung
kritischer Statements zu negativen Aspekten der Atomkraft sowie dem
wiederholten Missbrauch des Forum für einseitige Propaganda der
Atomindustrie. "Die EU-Kommission versprach eine offene Diskussion,
kritische Statements der Zivilgesellschaft wurden jedoch systematisch
unterdrückt oder im Sinne der Atomindustrie uminterpretiert",
erklärte Jan Haverkamp, Vertreter von Greenpeace International beim
ENEF in seiner Presseaussendung. "Es gibt keinen Grund, warum
europäische Steuerzahler ein solches Propagandainstrument der
Atomlobby finanzieren sollten. Wir haben auf eine faire Diskussion
gehofft, die ist jedoch offensichtlich nicht auf der Agenda des
Forums, welches als eine Propagandamaschine der Atomlobby agiert", so
Haverkamp weiter.

Einen Beweis für einen solchen Missbrauch des Forums lieferte die
Atomlobby auch diesmal verlässlich. Im Rahmen der vierten Sitzung des
EU-Nuklearenergieforums (ENEF) am 29. Mai in Prag wurde zum Auftakt
in Anwesenheit der Premierminister Tschechiens und der Slowakei
feierlich ein Vertrag zur Errichtung eines neuen AKW-Blocks am
Standort Bohunice unterzeichnet. Das Forum, in dessen Rahmen auch
kritische Aspekte der Kernenergienutzung diskutiert werden sollten,
verkam damit endgültig zum Propagandainstrument der
tschechisch-slowakischen Atomindustrie.

Das Schweigen der EU-Vertreter, allen voran Energiekommissar
Piebalgs, zu diesem eklatanten Missbrauch einer offiziellen
EU-Einrichtung, bringt auch die EU-Kommission in ein schiefes Licht.
"Eine seriöse Diskussion der weit überwiegenden negativen Aspekte der
Atomkraft ist in diesem Forum nicht mehr möglich und muss daher im
Rahmen eines eigenen Diskussionsforums erfolgen", erklärt Radko
Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich. "Aus
diesem Grund wurde zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem
NGO-Bereich beschlossen, das Anti-Nuclear European Forum (ANEF) zu
gründen".

"Angesichts des unerträglichen Missbrauches des
Klimaschutz-Arguments für die Renaissance der Atomkraft möchten wir
uns diesem Thema als Schwerpunkt widmen", erklärt Elvira Pöschko,
Obfrau des Vereins Antiatom Szene. "Die negativen Auswirkungen der
Investitionen in die Kernenergie auf bessere Lösungen für zukünftige
Energieversorgung der EU sollen ebenfalls beleuchtet werden. ENEF ist
mittlerweile international in massive Kritik geraten und daher
erwarten wir für ANEF Teilnehmer aus vielen EU-Ländern und werden in
diesem Rahmen eine offene Diskussion ermöglichen".

"Wir hoffen auch auf die Unterstützung modern denkender Politiker
aus allen EU-Ländern und Fraktionen, um europaweit ein klares Signal
für einen möglichst raschen Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie
zu setzen. Die Energiepolitik darf nicht den Atomkonzernen und ihren
Lobbyisten überlassen werden", erklärt DI Manfred Doppler vom Anti
Atom Komitee.

Die erste Sitzung des Anti-Nuclear European Forum findet am 17.
Juni 2009 in Linz (Redoutensäle, Promenade 39, 1. Stock) statt.
Weitere Informationen sind auf den Internetseiten www.anef.info
erhältlich.

Rückfragehinweis:

Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich
   Tel.: 0043(0)664 / 421 74 91
   mailto:[email protected]
   http://www.temelin.com, http://www.mochovce.com
   
   Elvira Pöschko, Tel. 0650 6660065
   Manfred Doppler, Tel. 0664/ 45 05 015

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