MOEL im Sog der Krise

(OTS) - Die mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) gerieten September 2008 in den Sog der weltweiten Wirtschaftskrise. Das Zusammentreffen einer Erschwerung des Zugangs zu Krediten mit dem Konjunktureinbruch auf den Hauptabsatzmärkten beeinträchtigte die Entwicklung des realen Sektors der MOEL erheblich. Das zeigt die Analyse der Wirtschaftslage in den MOEL durch das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), die das WIFO in seinem jüngsten Monatsbericht publiziert.

In einigen Ländern kamen weitere Belastungen dazu, etwa die rückständige Exportstruktur in Russland und der Ukraine, die ausländische Finanzierung eines beträchtlichen Teils der inländi-schen Nachfrage sowie ein hoher Refinanzierungsbedarf im Bereich der Auslandsschulden speziell in den baltischen Ländern, in Ungarn, Bulgarien und Kroatien. Zwischen Oktober 2008 und März 2009 brachen die Industrieproduktion, die Warenexporte und importe der MOEL ein. Die Industrieproduktion verringerte sich vor allem in jenen MOEL erheblich, in denen die von der Weltwirtschaftskrise besonders betroffenen Branchen (z. B. Auto- und Stahlindustrie) großes Gewicht haben (Tschechien, Slowakei, Ukraine) oder deren Wirtschaft bereits vor September 2008 gelahmt hatte (Ungarn, baltische Länder). Das reale BIP der Region dürfte im I. Quartal 2009 im Vorjahresvergleich deutlich abgenommen haben.

Mit Ausnahme von Russland war die Leistungsbilanz in den letzten Jahren in allen MOEL nega-tiv zum Teil in hohem Ausmaß (speziell in den baltischen und südosteuropäischen Ländern). Die Finanzierung solcher Defizite dürfte auf absehbare Zeit deutlich erschwert sein. Der Rück-gang des BIP bewirkte in der Regel bereits eine Verbesserung der Handels- und Leistungsbilanz. In einigen Ländern (Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Serbien, Türkei, Russland, Ukraine) brachte die Krise eine deutliche Abwertung mit sich, die im Laufe des Jahres 2009 einen zusätzlichen positiven Effekt auf die Handels- und Leistungsbilanz haben dürfte. In jenen Ländern, in denen der Anteil der Fremdwährungsverschuldung hoch ist (Ungarn, Rumänien, Ukraine), setzt sie allerdings gleichzeitig viele private Haushalte und Unternehmen vermehrt unter Druck. Hingegen kann sich die Handels- und Leistungsbilanz der Länder mit fixem Wech-selkurs zum Euro nur verbessern, indem sich die Importe über eine starke Dämpfung der heimi-schen Nachfrage verringern oder die Wettbewerbsfähigkeit aufgrund einer Steigerung der Arbeitsproduktivität und Verringerung der Nominallöhne (baltische Länder) zunimmt.

In den MOEL wird "Deficit Spending" überwiegend skeptisch gesehen, und zum Teil wäre es auch schwierig, die erforderlichen Mittel aufzubringen (insbesondere in Ungarn, der Ukraine und den baltischen Ländern). Das Volumen gezielter fiskalpolitischer Konjunkturprogramme ist deshalb mit Ausnahme von Russland gering. Industrieproduktion und Exporte dürften sich im I. Quartal 2009 auf niedrigem Niveau stabilisiert haben. Sollte diese Flaute länger anhalten, dann wird sich die Arbeitslosigkeit weiter erhöhen, und auch die Budgetbelastung wird stei-gen. Eine Rückkehr zu hohen Wachstumsraten ist im Allgemeinen nur im Zuge eines deutlichen weltweiten Konjunkturaufschwungs wahrscheinlich.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 5/2009 ( http://www.ots.at/redirect.php?wifo# )

Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden Sie jeweils auf der WIFO-Website,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12.

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