• 30.05.2009, 10:30:00
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Ludwig: Neuer Architekturband über die Bauten des Roten Wien

Wien (OTS) - Zweieinhalb Jahre lang widmete sich der bekannte
Wiener Fotograf Walter Zednicek ganz der Arbeit für das 225 Seiten
starke Werk "Architektur des Roten Wien". Sein Buch umfasst
künstlerische Detailaufnahmen und Architekturskizzen von mehr als 60
Wiener Gemeindebauten, eine Stadtkarte mit den wichtigsten Bauten des
Roten Wien sowie informative Texte von Helmut Weihsmann, die in drei
Sprachen übersetzt wurden (Englisch, Italienisch und Französisch).

"Das Rote Wien ist auch heute noch lebendig. Nicht nur durch
seine Bauten, sondern vor allem auch durch seine soziale Wohnpolitik,
die kontinuierlich fortgesetzt und weiterentwickelt wird. Die hohe
Lebensqualität in unserer Stadt ist maßgeblich den demokratischen und
sozialen Grundlagen zu verdanken, die damals geschaffen wurden.
Walter Zednicek hat in liebevoller Detailarbeit einen
hochqualitativen Architekturband geschaffen, der die Bedeutung des
Roten Wien erneut ins Bewusstsein rückt und die Schönheit der
Architektur der Wiener Gemeindebauten in den Blickpunkt stellt",
erklärte Vizebürgermeister Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
anlässlich der Publikation des Buchs.****

Walter Zedniceks Fotografien sind nicht nur durch rund 250
Ausstellungen auf der ganzen Welt, sondern auch durch seine Bücher
international einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Sein
Oeuvre ist vielschichtig, sein besonderes Augenmerk gilt jedoch der
Architektur-Fotografie. Fünf Architekturbände ("Adolf Loos", "Otto
Wagner", "Otto Wagner und seine Schule", "Wiener Architektur um 1900"
und "Josef Hoffmann") hat er bereits herausgegeben, für das Loos-Buch
wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet.

Zu den Städtischen Wohnhausanlagen hat Zednicek einen ganz
persönlichen Bezug: "Ich bin in einem Gemeindebau im 17. Bezirk
aufgewachsen, bin ein Kind der einzigartigen Wiener
Gemeindebaukultur. Als Fotograf nehme ich Wien sehr bewusst und mit
offenen Augen wahr. Die Gemeindebauten, speziell des Roten Wien, sind
für mich etwas ganz Besonderes. Ihre Bedeutung - auch in
architektonischer Hinsicht - wird immer noch oft unterschätzt. Mein
neues Buch soll die Architektur der Gemeindebauten des Roten Wien nun
entsprechend würdigen und präsentieren."

Das Rote Wien 1918-1934

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfünffachte sich
die Einwohnerzahl Wiens auf mehr als zwei Millionen Menschen. Der
Wohnbau wurde damals beinahe ausschließlich dem privaten Markt
überlassen. Nicht weniger als 95 Prozent aller Wohnungen verfügten
weder über WC noch über einen Wasseranschluss und bestanden lediglich
aus Küche und einem Zimmer, in dem nicht selten mehr als zehn
Menschen lebten. Durch den Ersten Weltkrieg verschlechterte sich die
Wohnsituation noch weiter.

Nach der Einführung eines allgemeinen, gleichen und direkten
Wahlrechts errang die Sozialdemokratische Partei 1919 die absolute
Mehrheit im Wiener Gemeinderat. Zum Kernpunkt der neuen
Kommunalpolitik sollte der Wohnbau werden.

Die entscheidende Frage beim sozialen Wohnbau blieb die
Finanzierung. Die wichtigsten und zum Teil zweckgebundenen Steuern
waren die Grundsteuer, die Wertzuwachssteuer und die 1923 eingeführte
Wohnbausteuer, die nach Wohnungsgröße gestaffelt war. Demnach waren
für eine einfache Arbeiterwohnung jährlich durchschnittlich 2,083
Prozent der Vorkriegsmiete an Steuer abzuführen, bei Luxuswohnungen
bis zu 36,64 Prozent. Diese starke Progression unterschied die
Finanzierung des öffentlichen Wohnbaus von anderen Ländern Europas.

Bis 1934 wurden von der Gemeinde Wien insgesamt 61.175 Wohnungen
in 348 Wohnhausanlagen, außerdem 42 Siedlungen mit 5.257 Häusern
errichtet. Jede Wohnung hatte über WC und Wasserentnahme zu verfügen,
ebenso über ein Vorzimmer. Ein solcher "Luxus" zu einem Preis, den
sich arbeitende Menschen leisten konnten, war zu jener Zeit etwas
komplett Neues. 1934 wohnte bereits ein Zehntel der Wiener
Bevölkerung in Gemeindewohnungen. Die Ausstattung der Gemeindebauten
mit Versammlungsräumen, Bädern, Kindergärten, Waschküchen,
Konsum-Läden, Bibliotheken etc. stellte einen wichtigen Schritt zur
Weiterentwicklung sozialer und demokratischer Grundsätze im Bereich
des Wohnens dar. In den Gemeindebauten sollten all jene sozialen
Errungenschaften konzentriert werden, die den Unterschied zur
privatkapitalistischen Stadt des 19. Jahrhunderts deutlich machten.
Die verbesserte Infrastruktur (z.B. Kindergärten) kam daher auch den
BewohnerInnen der umgebenden Stadtteile zugute.

Zum Unterschied von den Gründerzeitblöcken erfolgte der Zugang
zu den Wohnungen über öffentliche, halböffentliche und fast private
Räume, im allgemeinen durch Anordnung der Stiegenhauseingänge in den
Höfen. Diese Höfe, für jedermann öffentlich zugänglich, bilden bis
heute vielerorts ein durchgrüntes Wegenetz für Fußgänger. Schließlich
gab das Stadtbauamt auch die standardisierten Bauteile vor. Türen,
Fenster, Beschläge, Gasherde etc. wurden nach einer Ausschreibung in
großer Menge - oft für das Bauprogramm eines ganzen Jahres -
bestellt. Dies erklärt, weshalb Gemeindebauten der 20er Jahre trotz
großer architektonischer Vielfalt im Stadtbild deutlich erkennbar
sind - Symbole einer neuen Baugesinnung und Identität in der
gründerzeitlichen Stadt. Auffallend ist in den meisten Fällen eine
gewisse Monumentalität, die wohl aus der Herkunft vieler Architekten
aus der Schule des großen Jahrhundertwendearchitekten Otto Wagner
herrührt, der eine betont großstädtische Architektur baute und
lehrte. Besonders die größeren Wohnhausanlagen stellen sich als
Neuinterpretation der spätgründerzeitlichen Stadttextur dar.

Zum Symbol des Roten Wien wurde der Karl Marx-Hof: Der 1927 von
Karl Ehn geplante Bau mit seinen 1.200 Wohnungen und zahlreichen
Gemeinschaftseinrichtungen zeichnet sich durch eindrucksvolle
Architektur im monumentalen Mitteltrakt, aber auch durch großzügige,
begrünte Innenhöfe aus. Lediglich 30 Prozent der Grundfläche wurden
bebaut - im Gegensatz zu den privaten Spekulationsbauten der
Gründerzeit mit Bebauungsdichten bis zu 90 Prozent. Andere
bemerkenswerte Bauten sind der Reumann-Hof, der Rabenhof, der George
Washington-Hof und die Wohnhausanlage Sandleiten mit mehr als 1.600
Wohnungen. Bekannte Architekten wurden mit den Planungen betraut,
darunter Peter Behrens, Josef Frank, Hubert Gessner, Josef Hoffmann,
Clemens Holzmeister und Adolf Loos.

Service

o "Architektur des Roten Wien"                                      
  Walter Zednicek, Eigenverlag, www.wienerarchitektur.at            
  ISBN 978-3-9502544-2-6                                            
  Das Buch ist um 35 Euro im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

Unterstützung für das Zustandekommen der Publikation leisteten
das Wohnbauressort der Stadt Wien, der Pressedienst der Stadt Wien,
das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und das
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten.
(Schluss) da

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Christiane Daxböck
Mediensprecherin Vbgm. Dr. Michael Ludwig
Telefon: 01 4000-81869
E-Mail: [email protected]

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