Nachweis der Wirksamkeit von Sozialarbeit erbracht

Verein NEUSTART präsentiert Rückfallstudie

Wien (OTS) - Hilfe wirkt mehr als bloße Strafe

NEUSTART legt das Ergebnis eines umfassenden Forschungsauftrags, durchgeführt durch das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (Mag. Veronika Hofinger, Mag. Alexander Neumann) vor. Da nicht die bloße Verdachtslage (Anzeige), sondern die von einem ordentlichen Gericht beurteilte Kriminalität aussagekräftig ist, wurde die allgemeine Wiederverurteilungsstatistik (Statistik Austria) als Vergleichszahl gewählt. Der Beobachtungszeitraum ist 2,5 beziehungsweise 3,5 Jahre. Der Vergleich von betreuten und unbetreuten Straffälligen zeigt die Notwendigkeit von sozialarbeiterischer Betreuung und Kontrolle:

Täterarbeit vermeidet neue Opfer

Erfolgsrate bei Tatausgleich (Konfliktregelung zwischen Täter und Opfer): 86%. Die "Rückfallsraten" nach einem Tatausgleich sind bei Erwachsenen, Frauen und besser Gebildeten besonders niedrig und liegen bei 10%. Bei Gewalt in Partnerschaften - die zweithäufigste Konstellation im Tatausgleich - ist die Legalbewährung mit 89% ebenfalls überdurchschnittlich gut.

Vergleich bei leichter Körperverletzung:
Erfolgsrate bei Konfliktregelung: 85 %
Erfolgsrate bei bloßer Verurteilung: 59 %

Die Ergebnisse zeigen, dass die Justiz in diesen Fällen zurecht auf eine formelle gerichtliche Sanktion verzichtet, denn eine solche bringt keine besseren spezialpräventiven Ergebnisse.

sozialkonstruktive Maßnahmen wirken besser als Verurteilung

Die Arbeit für das Gemeinwohl stellt eine sinnvolle und effektivere Maßnahme als die bloße Verurteilung dar: 77% der für die Gesellschaft arbeitenden Klienten wurden nicht mehr rückfällig
Bei Vermögensdelikten liegt die Erfolgsrate bei den jugendlichen NEUSTART Klienten bei 66%, bei gerichtlicher Verurteilung bei 42%. Insgesamt ist bei diesen sozialkonstruktiven Maßnahmen (Tatausgleich und gemeinnützige Leistungen) eine Erfolgsrate von 76% zu verzeichnen.

Bewährungshilfe erfolgreich auch bei vom Gericht als "rückfallgefährdet" eingeschätzten Personen

Richter ordnen gerade dann Bewährungshilfe an, wenn sie von einer erhöhten Rückfallsgefahr und Unterstützungsbedarf ausgehen. Erfolgsrate bei Bewährungshilfebetreuung: 59%

Bei betreuten Haftentlassenen, die vorzeitig entlassen wurden, liegt die Erfolgsrate bei 57%. Personen. Bei Personen, die ihre Freiheitsstrafe zur Gänze verbüßen mussten kam es nur bei 44% zu keiner Wiederverurteilung.

Bei von NEUSTART betreuten Sexualstraftätern liegt die Erfolgsrate bei 93%.

Angesichts der Tatsache, dass die Rückfallsraten in Deutschland deutlich höher sind kann man auch hier von einem erfolgreichen Weg, den die Bewährungshilfe in Österreich geht, sprechen.

Resumée der Studienautorin Mag. Veronika Hofinger:

"Die Rückfallsraten sind vor allem nach einem Außergerichtlichen Tatausgleich bemerkenswert niedrig. Im Bereich der Bewährungshilfe muss man generell mit höheren Wiederverurteilungsraten rechnen, bekommen doch gerade rückfallgefährdete Personen einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Die Ergebnisse bei den bedingt Entlassenen sind daher im internationalen Vergleich gesehen durchaus positiv zu bewerten."

Wirtschaftskrise gefährdet auch öffentliche Sicherheit

Auf den ersten Blick erscheinen die "Erfolgsraten" vielleicht zu niedrig, erwartet man sich doch möglichst 100% Erfolg. Angesichts der prekären Lebenssituation der betroffenen Menschen sind die Erfolgsraten auch im internationalen Vergleich als hoch einzuschätzen.

Aus der praktischen Arbeit der Bewährungshilfe wird deutlich, dass der größte Teil der Klienten ohne Partner den Neubeginn starten muss. Rund drei Viertel verfügen über keinen Pflichtschulabschluss, am Arbeitsmarkt gibt es auch deshalb große Probleme, mehr als ein Drittel ist arbeitslos. Ein großer Teil der Klienten verfügt über keinen eigenen Wohnraum, ist also auf Notunterkünfte oder andere kurzfristige Unterbringungen, z.B. bei Freunden, angewiesen. Ein Drittel der Klienten ist suchtkrank. 60% der Klienten sind unter 25 Jahre alt, in einem Lebensalter also, in dem erhöhte Kriminalitätsrisiken zu verzeichnen sind. Rund 20% der Klienten sind Ausländer, haben also ebenfalls mit schwierigeren Lebensbedingungen als die sonstige Bevölkerung zu kämpfen.

Eine durch die Wirtschaftskrise verschärfte Situation für die Bevölkerung stellt für gerade diese ohnehin schon schwer beeinträchtigten Menschen eine bedrohliche Eskalation ihrer Lebenssituation dar. Mag. Karin Waidhofer, Geschäftsführerin NEUSTART: "Die Studie zeigt eindrucksvoll die Leistungen, die NEUSTART Mitarbeiter für die Sicherheit der Gesellschaft erbringen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, dass durch NEUSTART Täter ihre zweite Chance nutzen und Opfer die Möglichkeit erhalten ihr Leben nach der Tat wieder selbstständig zu gestalten. Bei einer angespannten finanziellen Situation, der sich NEUSTART gegenübersieht, liegt die besondere Herausforderung in der Aufrechterhaltung der in der Studie beschriebenen Wirkungen."

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Andreas Zembaty
NEUSTART
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andreas.zembaty@neustart.at
http://www.neustart.at

Mag. Veronika Hofinger
Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie
Museumstraße 5/12, 1070 Wien
Tel: +43-1-5261516-26
veronika.hofinger@irks.at
www.irks.at

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