- 28.05.2009, 16:40:23
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Opel - Lose-Lose-Situation für die Europäer - von Herbert Geyer
Verhandeln die Deutschen zu gut, ist Opel wirklich tot
Wien (OTS) - Für die deutsche Bundesregierung geht’s ums eigene
Überleben: Eine Regierungspartei, die den Opel-Deal verbockt und
zigtausend Arbeitsplätze in den Opel-Werken den Bach runtergehen
lässt, braucht im Herbst zu den Bundestagswahlen gar nicht mehr
anzutreten. Angela Merkel (CDU), ihr Wirtschaftsminister Karl-Theodor
zu Guttenberg (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) müssen
also eine Lösung zustande bringen, die zumindest bis über den Wahltag
im September hält. Erschwerend kommt dazu, dass auch die
Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten ihre Wünsche
einbringen. Und damit es nicht gar zu einfach wird, kommen heute in
Brüssel die EU-Wirtschaftsminister in der Causa zusammen, um daran zu
erinnern, dass auch die Opel-Standorte in Belgien, Großbritannien,
Spanien, Polen und Österreich bei dem Deal nicht vernachlässigt
werden dürfen.
Auf der anderen Seite sind nach der Nacht der langen Messer in Berlin
zwei potenzielle Käufer übrig geblieben, die zwar schöne Konzepte
haben, aber kaum Geld, um sie umzusetzen: Fiat ist selbst schwer
überschuldet, Magna steht zwar besser da, muss aber mit gewaltigen
Umsatzeinbrüchen rechnen, da sie ihr Hauptgeschäft mit den "Großen
drei" aus Amerika macht, die alle aus dem letzten Loch pfeifen -
General Motors (GM), Chrysler und Ford. Magnas russische Partner
bringen zwar Fantasie in den Deal - der große russische Automarkt
winkt -, aber kein Geld.
Fiat und Magna sind also darauf angewiesen, das Geschäft bargeldlos
zu machen, fürs Zahlen ist die deutsche Regierung zuständig, wiewohl
Guttenberg Recht hat, dass man für eine Brückenfinanzierung zumindest
das gegenüberliegende Ufer sehen müsste.
Relativ kommod geht es GM, für die es kaum noch um etwas geht: Am
Montag wird wohl Gläubigerschutz beantragt. Wer den Schaden zahlt,
ist klar: Lieferanten, Gläubiger, Belegschaft und der Staat, die
zwecks Entschuldung zur Kasse gebeten werden.
GM ist also fein raus, den Europäern droht im schlimmsten Fall ein
Desaster: Wenn die Deutschen schlecht verhandeln, geht ein Großteil
der Opel-Arbeitsplätze den Bach runter. Verhandeln sie zu gut,
könnte Opel samt Übernehmer in ein paar Monaten oder Jahren GM in die
Insolvenz folgen. Und dann ist Opel wirklich tot. Eine echte
Lose-Lose-Situation.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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