- 15.05.2009, 12:56:16
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Nach Ebensee: Mauthausen Komitee fordert Bildungsoffensive und Beratungsstellen
Zivilcourage-Trainings und mehr Guides für Mauthausen - Bünker: Rassismus sensibel im privaten Umfeld wahrnehmen
Wien (OTS) - Beratungsstellen gegen Rechtsradikalismus und eine
Bildungsoffensive fordert das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) von
der Bundesregierung. Die aktuellen Ereignisse in Ebensee oder in
Auschwitz zeigten, dass Jugendliche in Österreich viel zu wenig über
die Verbrechen des Nationalsozialismus wissen, sagte MKÖ-Vorsitzender
Willi Mernyi am Freitag, 15. Mai, bei der Präsentation eines
Maßnahmenkatalogs in Wien. Deutliche Kritik übte Mernyi an der
Bundesregierung: "Ebensee war ein Weckruf, und dieser Weckruf muss
gehört werden." Mit einer Politik nach dem Motto "Ball flachhalten"
könne man dieses Problem nicht lösen, "Neonazis gehören nicht
beobachtet, sondern bekämpft". Der evangelisch-lutherische Bischof
Michael Bünker zeigte sich beunruhigt über die Nachrichten "aus dem
finsteren Herzen Österreichs" und plädierte dafür, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit "sensibel auch im privaten Umfeld" wahrzunehmen.
"Bei uns rufen besorgte Eltern an, weil sie bei ihren Kindern
seltsame Zeichen sehen und nicht wissen, wie sie damit umgehen
sollen", berichtete Mernyi. Anders als etwa bei der Drogen- oder
Sektenberatung gebe es keine Stelle, an die sich Eltern oder
LehrerInnen wenden können. Zusätzlich zu Beratungsstellen brauche es
eine breite Bildungsoffensive. Dazu will beispielsweise auch das
Planspiel "miramix" beitragen, das das Mauthausen Komitee entwickelt
hat. Für die breite Verteilung fehlt jedoch das Geld, ebenso gebe es
zu wenig Guides für die Führungen durch Mauthausen. Immer wieder
müssten Anfragen von Schulen mangels Kapazität abgelehnt werden.
Derzeit werden, so Mernyi, 35 neue ehrenamtliche Mauthausen-Guides
ausgebildet. Damit können weitere 300 Führungen für 7500 Jugendliche
stattfinden. Rund die Hälfte der Guides sind Frauen, ein Drittel hat
migrantischen Hintergrund. "'0815'-Führungen bringen nichts", meinte
Mernyi, es gehe immer darum, bei der Lebenswirklichkeit junger
Menschen anzusetzen und sich auf die jeweilige unterschiedliche
Zielgruppe zu konzentrieren. Sara-Lydia Husar ist eine dieser jungen
Guides. Das Erinnern an die Opfer sei wichtig und ein längerer
Prozess in der Begegnung mit Jugendlichen, wobei auch die Vor- und
Nachbereitung an den Schulen eine entscheidende Rolle spiele, sagte
Husar.
Angeboten werden vom MKÖ ab sofort auch eigene
"Zivilcourage-Trainings". Bei diesen Workshops sollen Jugendliche
dafür gerüstet werden, im Kontakt mit Neonazis und anderen Radikalen
richtig handeln zu können. "Wir leben nicht in einem Land, das sich
durch Glanzleistungen der Zivilcourage hervortut", sagte Bischof
Bünker, der das Zivilcourage-Training "auch für Erwachsene" gut
fände. Verantwortung sieht der Bischof auch bei der Politik:
"Zivilgesellschaftliche Verwurzelung kann nicht von oben verordnet,
aber ermöglicht werden." Es sei beschämend, wie spät sich Österreich
der eigenen Vergangenheit gestellt habe. Zwar werde der Grundkonsens
gegen Rechtsradikalismus immer wieder beteuert, dennoch sei zu
fragen, ob er "an der Basis der Gesellschaft angekommen oder bloß
Lippenbekenntnis ist". Ebenso sei kritisch zu hinterfragen, ob es
"ein politisches Feld gibt, das Jugendliche für ihre nicht
verstehbaren und nicht entschuldbaren Handlungen als Ermutigung
verstehen".
Dass die FPÖ mit Slogans wie "Abendland in Christenhand" für die
EU-Wahl wirbt und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei der
"Anti-Moschee-Demo" am Donnerstag in Wien demonstrativ ein Kreuz
getragen habe, ist für Bischof Bünker "in höchstem Maße fahrlässig".
Religiöse Symbole zu "missbrauchen" sei gefährlich, da religiöse
Gefühle tiefe Emotionen auslösen könnten, die auch zu negativen
Handlungen führen könnten. Die evangelische Kirche distanziere sich
ganz deutlich davon. Auch Mernyi zeigte sich besorgt: "Wenn linke
Demonstranten 'Nazis raus' rufen und aus der Demonstration kommt
zurück 'aus dem Gefängnis!', ist das angesichts des Vorfalls in
Ebensee mehr als grauslich."
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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