Ein trauriges Jubiläum: 30 Jahre Abtreibung am Fleischmarkt

Linz (OTS) - Offener Brief an pro:woman Geschäftsleiterin Elke Graf

Linz (14.05.2009, JfdL-tb).

Sehr geehrte Frau Graf,

Ihre Pressemeldung vom 13. Mai 2009 über Ihre Klinik am Fleischmarkt möchte ich zum Anlass nehmen, die in Ihrem Haus gelebte Praxis der Abtreibung zu hinterfragen.

Erschreckend ist die Tatsache, dass gerade der Anteil der jungen Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen, in den letzten Jahren so stark gestiegen ist. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang die mangelnde Aufklärung über Verhütung und Sexualität. Als junger Mensch muss ich Ihnen entgegenhalten, dass gerade in den Schulen und in den Jugend-Medien (z.B. Bravo) sehr viel und sehr umfassend über die Verwendung von Verhütungsmitteln aufgeklärt wird. Ich habe alle diese Aufklärungskampagnen über mich ergehen lassen und die Verhütungstechniken sind mir alle bekannt.

Meine weitere Entwicklung führte dazu, dass ich die menschliche Dimension der Sexualität erkannte. Zur biologischen Dimension der Fortpflanzung gehört untrennbar die menschliche Dimension der Liebe. Eine reine Verhütungsmentalität führt dazu, dass man die Schwangerschaft als Risiko empfindet und Abtreibungen damit rechtfertigt, dass dadurch unsichere Verhütungsmittel kompensiert werden.

Daher behaupten Sie auch, dass sich Abtreibungen nie vermeiden werden lassen. Daraus schließe ich, dass Sie Abtreibungen nicht deswegen durchführen, weil Sie es gerne tun, sondern weil Sie Abtreibungen für notwendig erachten. Warum diese Resignation vor dem Leben? Haben Sie etwa Angst vor einer Gesellschaft, in der alle ungeborenen Kinder gewollt sind und mit Freude erwartet werden? Es ist freilich nicht leicht, an einer solchen Gesellschaft zu arbeiten. Aber ist das Leben das nicht wert? Wollen wir nicht endlich eine Gesellschaft, in der das Recht auf Leben gänzlich geachtet wird?

Eine reine Verhütungsmittelmentalität führt aber leider dazu, dass sich die Menschen fragen, was sie tun müssen, um bloß keine Kinder in die Welt zu setzen. Die menschliche Frage wäre aber: Mit wem kann ich es mir vorstellen, Kinder zu haben? Fortpflanzung ist nichts Schlechtes, es ist schön, dass Kinder geboren werden.

Ich bin in diese Welt, in der Abtreibungen ganz selbstverständlich durchgeführt werden, einfach hineingeboren worden. Ich kann von Glück sprechen, dass ich nicht abgetrieben wurde. Aber ich kann nicht mit ansehen, wie einfach weiter abgetrieben wird, so als wäre es eine Errungenschaft der Moderne, einen ungeborenen Menschen umzubringen. Das hat man vor mehr als zweitausend Jahren auch schon versucht und praktiziert. Heute wird getan, als wäre Abtreibung eine medizinische Errungenschaft, genau genommen ist aber nur das Verfahren des Absaugens und das Verfahren mit Mifegyne ein Novum des 20. Jahrhunderts. Das klinisch saubere Verfahren täuscht vor, dass es sich um einen medizinischen Eingriff handelt, in Wahrheit wird aber niemand geheilt, sondern ein Menschenleben ausgelöscht. Auch für die Frau bleibt die Abtreibung das, was sie schon vor 40 Jahren war: eine schwere Verletzung des Muttermundmuskels.

Sicherlich ist ein Kind nicht immer geplant und "erwünscht" - das ist die Realität, vor der ich die Augen nicht verschließe. Als Gesellschaft können wir einer Frau, die ein Kind erwartet, Hilfe anbieten und ihr Mut zu einem gemeinsamen Leben mit ihrem Kind machen oder wir bieten ihr eine Abtreibung an. Damit übergehen wir aber ihre Probleme und ignorieren ihre Notlage, denn keine Frau will abtreiben. Bitte denken Sie darüber nach, welchen "Beitrag" Sie leisten - oder ob es nicht eher ein Zerstören und Vernichten ist, das aus Hoffnungslosigkeit entsteht und in die Hoffnungslosigkeit führt.

Daher meine deutliche Forderung an Sie: Bitte schließen Sie Ihre Klinik. Abtreibungen helfen niemandem. Die wahren Probleme liegen nämlich ganz woanders. Gegen die Hoffnungslosigkeit im Leben allgemein und insbesondere im Schwangerschaftskonflikt können wir gemeinsam sehr viel tun: Das beginnt mit der Erkenntnis, dass das Leben ein zu wertvolles und zu hohes Gut ist, um Abtreibungen einfach zuzulassen.

Briefe ersetzen niemals das persönliche Gespräch. Gerne würde ich mich mit Ihnen treffen, auch um eventuell aufgetretene Missverständnisse auszuräumen.

Mit freundlichen Grüßen,

Tobias Beier
Vorsitzender von Jugend für das Leben

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