"Abschied von der Hoffnung auf Glück...?!"

Wien (OTS) - Laut dem Philosophen Immanuel Kant ist Hoffnung auf Glück Voraussetzung für Menschenwürde. Wie gehen wir damit um? In der letzten Lebensphase. Im hohen Alter. Bei Verlust der Selbständigkeit. Oder Übersiedlung in eine Pflegeeinrichtung. Darüber diskutierten gestern, Mittwoch, Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland (Universität Wien), Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke (Medizinische Universität Wien) mit Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit). Es moderierte Dr. Ricarda Reinisch-Zielinski (ORF). Pfizer Austria und die Österreichischen Lotterien unterstützten das siebente DiskussionsFORUM der führenden Betreuungseinrichtung "Haus der Barmherzigkeit".

"Glücklicher Weise werden wir immer älter. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung 1840 noch bei nur 45 Jahren, werden wir heute - 170 Jahre später - im Schnitt 90 Jahre alt. Selbstverständlich wünschen wir uns dabei alle gesund und in Selbständigkeit ins Alter zu kommen. Was aber bedeutet Glück für hochbetagte, schwer pflegebedürftige Menschen oder bei eingeschränkten Lebenserwartung und wie gehen wir als Pflegeeinrichtung damit um?" Das war die Ausgangsfrage, die Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter des Haus der Barmherzigkeit) zu Beginn der Podiumsdiskussion stellte. Oftmals führt die Konstellation der fünf geriatrischen I´s -Immobilität, intellektuelle Beeinträchtigung, Inkontinenz, Isolation, Instabilität - zu Depression und in Folge auch zur Notwendigkeit einer professionellen Langzeit-Betreuung. Dabei wird die Übersiedlung in eine Pflegeeinrichtung von den Betroffenen oftmals als Endstation, als nunmehriges Warten auf den Tod, empfunden. "Als Pflegeeinrichtung beschäftigen wir uns täglich mit der Frage, was wir zum Glück des Einzelnen beitragen können" betont der Geriatrie-Experte die Notwendigkeit dabei dem Leben nicht nur Jahre, sondern den Jahren auch Leben hinzuzufügen. "Glück entsteht durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge" stellte bereits Wilhelm Busch fest.

Auch in Pflegeeinrichtungen wird Glück oftmals durch die kleinen Dinge gespeist. "Es ist unsere Aufgabe die Aufmerksamkeit auf die kleinen Dinge zu lenken. Das kann die Wahrung des persönlichen Freiraums unserer BewohnerInnen, persönlicher Interessen, aber auch nur ein freundlicher Gruß sein" so Gisinger weiters.
Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, Leiter der Palliativstation am AKH Wien, weiß "welche ungeheure Kraft wir Menschen haben, mit schwierigsten Situationen umzugehen und dabei trotzdem Lebensqualität zu empfinden". "Wir wollen diese natürlichen Anpassungsmechanismen unterstützen" sieht der Professor für Palliativmedizin als seine Aufgabe. Das Wahren der Würde des Einzelnen bis zuletzt, sieht er dabei als wichtigsten Beitrag für Lebensqualität von schwerkranken Menschen.

Lasst die Alten Menschen, alt sein!

Für Univ.-Prof. Franz Kolland, Institut für Soziologie der Universität Wien, bedeutet Lebensqualität im Alter "nicht nur für sich, sondern vor allem für andere da zu sein." So empfiehlt der Sozialgerontologe bereits früh ein soziales Netzwerk aufzubauen in dem man Anerkennung gibt und auch erfährt. Die Hinwendung zum anderen, eventuell durch eine ehrenamtliche Tätigkeit, erhöht die Lebensqualität und somit das eigene Glücksgefühl.

Obwohl die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten beachtlich zugenommen hat, wollen laut Kolland aktuell nur mehr 24 % aller Befragten 150 Jahre alt werden. Warum? "Vielfach herrscht ein negatives Bild der Alten in unserer Gesellschaft" so Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland weiters. Seit Einführung des Pensionssystems kommt es durch den Funktionsverlust zu einem Wertverlust des Alters. "Wir brauchen wieder eine Wertschätzung des Alters. - Eine Wahrnehmung des Alters, als etwas das wertvoll ist. - Lasst alte Menschen, alt sein!" wünscht sich Kolland.

Dabei hat die Suche nach Glück immer etwas mit Freiheit zu tun. Glück ist nicht von außen vorgegeben. Im Alter genießt man eine späte Freiheit. Unisono stellen die DiskussionsteilnehmerInnen fest, dass beständige Zufriedenheit manchmal auch nur ein kurzes Glücksgefühl sein kann. Manchmal brauchen wir auch ein wenig Unzufriedenheit um uns neue Ziele zu stecken, was wieder Bewegung und somit Zufriedenheit bringt.

Als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Haus der Barmherzigkeit war auch vorgesehen, dass Kammerschauspieler Prof. Fritz Muliar bei dieser Podiumsdiskussion teilnimmt. "Wir haben daher dieses DiskussionsFORUM dem Gedenken an Prof. Fritz Muliar gewidmet" so Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, einem Menschen, der durch seine Kunst der Menschen-Darstellung seinen Zuschauern und Bewunderern besondere Erlebnisse und Augenblicke vermittelt hat. -Eine Hoffnung auf Glück...?!

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