- 13.05.2009, 17:57:57
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DER STANDARD-Kommentar: "Respekt" von Michael Moravec
Ausgabe vom 14.5.2009
Wien (OTS) - Die Vorwürfe der EU-Kommission gegen den größten
Computerchiperzeuger der Welt, Intel, sind nicht gerade schwach: Mit
versteckten Rabatten, an die Bedingungen geknüpft waren, und mit
Direktzahlungen an Elektronikketten soll der deutlich kleinere
Mitbewerber AMD so bedrängt worden sein, dass dieser seine Produkte
letztlich oft nicht einmal mehr gratis anbrachte.
Intel dementiert natürlich all diese Vorwürfe, und vermutlich wird
nun das Europäische Gericht entscheiden müssen, wer recht hat. Bisher
wurden die meisten Entscheidungen der EU-Kommission - etwa im
Verfahren gegen Microsoft - bestätigt. Aber es ist fast zweitrangig,
wie das Verfahren gegen Intel ausgeht und ob die Strafe von einer
Milliarde Euro ins EU-Budget fließt und die Nettozahler entlastet.
Wichtig ist vor allem, dass sich die EU-Wettbewerbsbehörde den Ruf
erarbeitet hat, auch die größten Konzerne der Welt nicht besonders
zimperlich zu behandeln. Gäbe es die Kommission nicht, wer könnte mit
den globalen Branchenriesen auf Augenhöhe und mit den nötigen
Werkzeugen in der Hand verhandeln? Die nationalen Wettbewerbsbehörden
wären mit Intel, Microsoft, den Handynetzbetreibern und ihren frechen
Roaminggebühren gnadenlos überfordert. Die Konsumenten profitieren
davon, dass sich die EU-Kommission als Wettbewerbswächter Respekt
verschafft hat. Vielleicht ein kleiner Ausblick auf das, was die EU
auch politisch erreichen könnte, wenn nationale Egoismen endlich
zurückstehen würden.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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