DER STANDARD-Kommentar: "Respekt" von Michael Moravec

Ausgabe vom 14.5.2009

Wien (OTS) - Die Vorwürfe der EU-Kommission gegen den größten Computerchiperzeuger der Welt, Intel, sind nicht gerade schwach: Mit versteckten Rabatten, an die Bedingungen geknüpft waren, und mit Direktzahlungen an Elektronikketten soll der deutlich kleinere Mitbewerber AMD so bedrängt worden sein, dass dieser seine Produkte letztlich oft nicht einmal mehr gratis anbrachte.
Intel dementiert natürlich all diese Vorwürfe, und vermutlich wird nun das Europäische Gericht entscheiden müssen, wer recht hat. Bisher wurden die meisten Entscheidungen der EU-Kommission - etwa im Verfahren gegen Microsoft - bestätigt. Aber es ist fast zweitrangig, wie das Verfahren gegen Intel ausgeht und ob die Strafe von einer Milliarde Euro ins EU-Budget fließt und die Nettozahler entlastet. Wichtig ist vor allem, dass sich die EU-Wettbewerbsbehörde den Ruf erarbeitet hat, auch die größten Konzerne der Welt nicht besonders zimperlich zu behandeln. Gäbe es die Kommission nicht, wer könnte mit den globalen Branchenriesen auf Augenhöhe und mit den nötigen Werkzeugen in der Hand verhandeln? Die nationalen Wettbewerbsbehörden wären mit Intel, Microsoft, den Handynetzbetreibern und ihren frechen Roaminggebühren gnadenlos überfordert. Die Konsumenten profitieren davon, dass sich die EU-Kommission als Wettbewerbswächter Respekt verschafft hat. Vielleicht ein kleiner Ausblick auf das, was die EU auch politisch erreichen könnte, wenn nationale Egoismen endlich zurückstehen würden.

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