Comeback des Habichtskauzes: Taufe der Jungkäuze im Tiergarten Schönbrunn

Außergewöhnliches Artenschutzprojekt - Jungtiere sollen Wiederansiedelung sichern

Wien (OTS) - Die drei Projektträger Land Niederösterreich, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) und Österreichische Bundesforste (ÖBf) haben vergangenen Herbst ein außergewöhnliches Artenschutzprojekt für den Habichtskauz initiiert. Nach den Zuchtmonaten im Winter sind die ersten Jungtiere nun geschlüpft. Im Tiergarten Schönbrunn wird der wenige Wochen alte Nachwuchs feierlich getauft. "Unser Ziel ist es", so Walter Arnold, Vorstand des Forschungsinstituts, "rund zehn Habichtskäuze nachzuzüchten, um im Jahr 2009 die Wiederansiedelung zu sichern." In den Sommermonaten werden die Jungtiere im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein freigelassen. "Die Zucht der Habichtskäuze ist schwierig. Sie leben in strenger Einehe und bringen nur unregelmäßig Junge zur Welt", so der Forschungsleiter.

Größte Waldeule Österreichs...

Als ehemals größte Eule unserer Wälder verschwand der Habichtskauz gegen Mitte des 20. Jahrhunderts aus Österreich. Grund dafür war einerseits sein ungewöhnlich vertrautes Verhalten gegenüber uns Menschen und infolgedessen häufige Abschüsse. Andererseits schrumpften gerade in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Lebensräume dieses "Urwaldbewohners". Durch schonenden Umgang mit dem Wald und die Ausweisung von Schutzgebieten verbesserten sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahrzehnten zunehmend. Die Unterstützung der Artenschutzziele durch die Jägerschaft ist ein wichtiges Element am Weg zur erfolgreichen Wiederherstellung intakter Habichtskauzpopulationen. Dadurch findet die Art heute wieder optimale Lebensbedingungen vor.

...noch ganz klein!

Für die Wiederansiedlung werden gezüchtete Käuze herangezogen. "Diese aufwändige Vorbereitung stellt sicher, dass wir im Ausland keine Tiere aus Wildpopulationen entnehmen müssen", sagt Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf. In Kombination mit der Ausweisung von Schutzgebieten sichern diese Artenschutzbemühungen nicht nur den seltenen Habichtskauz, sondern begünstigen auch eine Reihe anderer, ebenso sensibler Tierarten wie den Zwergschnäpper oder den Weißrückenspecht, ergänzt Pernkopf.

Wissenschaftliche Begleitforschung

Bereits im Februar als noch Schnee und Kälte die Landschaft prägten, begannen die Habichtskäuze in Zoos und Zuchtstationen mit der Brut. Koordiniert wird das Zuchtbuch vom FIWI an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. "29 Tage dauert es, bis aus den Eiern kleine, weiße Eulenkücken schlüpfen" schildert Walter Arnold den Brutablauf im Zuchtprojekt. "Pro Weibchen werden meist nur 2-3 Eier ausgebrütet", so der Institutsvorstand.

Wo die Käuze zu Hause sind...

"Unsere naturnahen Wälder im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein stellen einen idealen Lebensraum für den Habichtskauz dar", erklärt Georg Erlacher, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz der Österreichischen Bundesforste. "In einer nachhaltigen Waldwirtschaft spielt Artenvielfalt eine große Rolle", so der Vorstandssprecher. "Mit dem Projekt leisten wir auch einen Beitrag zur internationalen Biodiversitäts-Konvention "Countdown 2010", deren Ziel es ist, den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen und den Schutz von Arten und Lebensräumen zu fördern."

Starke Partner

Die Österreichische Zoo Organisation und der Verein Eulen und Greifvogelschutz züchten die Habichtskäuze und stellen sie kostenlos für die Freilassung zur Verfügung. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA49) unterstützen das Projekt auch tatkräftig durch die Anfertigung zahlreicher Nisthilfen und durch den Bau einer weiteren, ab dem Jahr 2010 genutzten Auswilderungsvoliere. Die beiden Schutzgebiets-Verwaltungen im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein tragen substantiell zur Abwicklung des Projektes vor Ort bei.

Das Projekt wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Vorträgen, Foldern und einer eigenen Website unter www.habichtskauz.at begleitet.

Weitere Infos und Downloads
www.habichtskauz.at

Rückfragen & Kontakt:

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Richard Zink, Tel. 0664-1306117

Österreichische Bundesforste
Pia Buchner, Tel. 02231-2123

Land Niederösterreich, Naturschutzabteilung
Katharina Kölbl, Tel. 02742-9005-15304

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