"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum die Rede des Papstes in Yad Vashem nicht gut ankam" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 13.05.2009

Graz (OTS) - Es ist ein Gezerre um den Papst, als könnte er wirklich etwas bewegen auf seiner Reise durch das Heilige Land. Der Bürgermeister von Jerusalem verlangt, er solle jeden Katholiken einmal im Leben auf Pilgerreise in seine Stadt schicken. Der Bürgermeister von Bethlehem findet, er solle das Rückkehrrecht aller Palästinenser nach Israel verlangen. Israelische Stimmen fordern eine Entschuldigung für den Holocaust, als hätte die Kirche diesen begangen.

Die Kakophonie ist verständlich angesichts der gespannten Lage, angesichts der Herkunft Benedikts XVI. - und angesichts der Vorgeschichten. Es niemandem recht zu machen, ist die einzige Chance, halbwegs heil aus dieser Gegend wieder wegzukommen. Die Verärgerung oder Enttäuschung gleichmäßig zu verteilen, darf als Erfolg gelten.

Einen Vorwurf aber hätte sich Benedikt leicht ersparen können: es sich zu leicht gemacht zu haben mit der eigenen Geschichte. Gewiss, die Reaktionen auf seine Rede in der Holocaust-Gedenkstätte waren überzogen. Unverständlich waren sie nicht.

Benedikt reise durch das Land, als wäre er "das Papst", fand ein Vatikan-Journalist - körperlos, neutral, als abstrakte Ikone alles Katholischen. So klang die schöne Meditation am Ort der Erinnerung an den Holocaust tatsächlich: richtig, interessant, aber kühl und distanziert. Von einem 82-jährigen, den die Nazis als 16-Jährigen noch als Flak-Helfer eingezogen haben, durfte man sich etwas Persönliches erwarten.

Auch sein Amt hätte ein deutlicheres Wort nahegelegt. Gewiss, sein Vorgänger hat alles schon gesagt über die Geschichte des Judenhasses in der Kirche, er hat seine Bitte um Vergebung damals in die Ritzen der Klagemauer gesteckt. Benedikt selber war in der Synagoge in Köln, und in Auschwitz. Aber der Hinweis auf zurückliegende Reden, die sein Pressesprecher zur Erklärung anfügte, verfängt nicht. An einem solchen Ort müssen die Dinge gesagt werden, und sei es als Wiederholung.

Im Gesamtkonzept der Reise, soweit es schon sichtbar wird, ist Yad Vashem freilich nur ein Aspekt, wenn auch ein wichtiger. Wo immer der Papst hinkommt, betont er das Gemeinsame der drei Religionen, deren Gläubige auf dem heiß umkämpften Terrain leben: den Glauben an einen Gott, der uns Nächstenliebe abverlangt und uns mit Vernunft ausgestattet hat. Immer wieder betont er, dass Religion nie Gewaltanwendung rechtfertigen könne. In einer Gegend, die von Abgrenzung und Hass dominiert ist, von Zäunen und Mauern aller Art, klingt das fast neu.****

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