• 12.05.2009, 19:50:26
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum die Rede des Papstes in Yad Vashem nicht gut ankam" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 13.05.2009

Graz (OTS) - Es ist ein Gezerre um den Papst, als könnte er
wirklich etwas bewegen auf seiner Reise durch das Heilige Land. Der
Bürgermeister von Jerusalem verlangt, er solle jeden Katholiken
einmal im Leben auf Pilgerreise in seine Stadt schicken. Der
Bürgermeister von Bethlehem findet, er solle das Rückkehrrecht aller
Palästinenser nach Israel verlangen. Israelische Stimmen fordern eine
Entschuldigung für den Holocaust, als hätte die Kirche diesen
begangen.

Die Kakophonie ist verständlich angesichts der gespannten Lage,
angesichts der Herkunft Benedikts XVI. - und angesichts der
Vorgeschichten. Es niemandem recht zu machen, ist die einzige Chance,
halbwegs heil aus dieser Gegend wieder wegzukommen. Die Verärgerung
oder Enttäuschung gleichmäßig zu verteilen, darf als Erfolg gelten.

Einen Vorwurf aber hätte sich Benedikt leicht ersparen können: es
sich zu leicht gemacht zu haben mit der eigenen Geschichte. Gewiss,
die Reaktionen auf seine Rede in der Holocaust-Gedenkstätte waren
überzogen. Unverständlich waren sie nicht.

Benedikt reise durch das Land, als wäre er "das Papst", fand ein
Vatikan-Journalist - körperlos, neutral, als abstrakte Ikone alles
Katholischen. So klang die schöne Meditation am Ort der Erinnerung an
den Holocaust tatsächlich: richtig, interessant, aber kühl und
distanziert. Von einem 82-jährigen, den die Nazis als 16-Jährigen
noch als Flak-Helfer eingezogen haben, durfte man sich etwas
Persönliches erwarten.

Auch sein Amt hätte ein deutlicheres Wort nahegelegt. Gewiss, sein
Vorgänger hat alles schon gesagt über die Geschichte des Judenhasses
in der Kirche, er hat seine Bitte um Vergebung damals in die Ritzen
der Klagemauer gesteckt. Benedikt selber war in der Synagoge in Köln,
und in Auschwitz. Aber der Hinweis auf zurückliegende Reden, die sein
Pressesprecher zur Erklärung anfügte, verfängt nicht. An einem
solchen Ort müssen die Dinge gesagt werden, und sei es als
Wiederholung.

Im Gesamtkonzept der Reise, soweit es schon sichtbar wird, ist Yad
Vashem freilich nur ein Aspekt, wenn auch ein wichtiger. Wo immer der
Papst hinkommt, betont er das Gemeinsame der drei Religionen, deren
Gläubige auf dem heiß umkämpften Terrain leben: den Glauben an einen
Gott, der uns Nächstenliebe abverlangt und uns mit Vernunft
ausgestattet hat. Immer wieder betont er, dass Religion nie
Gewaltanwendung rechtfertigen könne. In einer Gegend, die von
Abgrenzung und Hass dominiert ist, von Zäunen und Mauern aller Art,
klingt das fast neu.****

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Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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