Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Frechheit siegt"

Ausgabe vom 13. Mai 2009

Wien (OTS) - Ein Papst kann sagen kann, was er will - irgendwer
wird immer etwas aussetzen oder vermissen. In Israel versuchen nun manche sogar, die Kirche - die selbst Opfer der Nazi-Schergen war -zum Geständnis einer Quasi-Mittäterschaft an den Gräueln zu bringen. Was absurd ist - so sehr man streiten kann, ob gegen ein Verbrecherregime stille Diplomatie mehr hilft als offener Protest. Die Kirche hat in jenen Jahren beides versucht: Dem Wüten der Nazis konnte sie weder so noch so beikommen.

Vielleicht sollte man überhaupt - auch in Bezug auf die Kirche -mehr über die Gegenwart reden: Wo bleibt etwa die Solidarität aller Christen für die derzeit massiv verfolgten Kopten Ägyptens? Während der Papst den Moslems seinen "tiefsten Respekt" bezeugt, werden die Kopten und ihre "unreinen" Schweine vom Mob gejagt. Als Schuldige an der sogenannten Schweinegrippe . . .

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Den Druckereien geht es sauschlecht. Das wissen bis auf den ÖGB alle. Wenn aber etliche Tage nach Verhandlungen noch immer unklar ist, welche Meinung die Arbeitgeber dort hatten, dann wird klar, dass die Druckereien neben maßlosen Löhnen noch ein Problem haben: ihre Chefs.

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Die Verträge, mit denen die Gemeinde Wien beim Verkauf der Bank Austria absichern wollte, dass diese weiterhin eine wichtige internationale Rolle spielt, sind nicht ihr Papier wert. Die italienischen Eigentümer nehmen nämlich der Bank eine Kompetenz nach der anderen. Und verlangen gleichzeitig von Österreich Milliarden. Ein arge Chuzpe.

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Lob für Österreichs EU-Abgeordnete: Sie sind die allerfleißigsten Teilnehmer an europäischen Parlamentssitzungen. Der faulste von ihnen ist Andreas Mölzer. So hat der Freiheitliche auch beim jüngsten Votum über die geplante asylantenfreundliche EU-Richtlinie gefehlt. Für einen Freiheitlichen ziemlich peinlich. Das kann man auch ausführlich in der "Kronen Zeitung" lesen. Total verschwiegen ist sie hingegen plötzlich in Hinblick auf ihren Liebling Hans-Peter Martin. Der hat nämlich gleich direkt für die Richtlinie gestimmt.

Aber der "Krone" ist ja ohnedies längst nichts mehr peinlich. Genauso wenig wie der ZiB, welche die Richtlinie bejubelt, aber das Abstimmungs-Chaos bei der SPÖ total verschweigt. Objektiv halt.

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