• 07.05.2009, 18:21:41
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Luxemburg zeigt es vor"

Ausgabe vom 8. Mai 2009

Wien (OTS) - Auf einen groben Klotz ein grober Keil: Das verlangen
mit Inbrunst viele Österreicher angesichts der ständigen
Provokationen des Herrn Steinbrück. Der deutsche Finanzminister
erinnert nämlich allzu stark an das herrische Gehabe von
Kolonialherren gegenüber Eingeborenen - um nicht zu oft die
deutsch-österreichische Geschichte zu bemühen. Während noch Helmut
Kohl Respekt für Österreich und Bewusstsein für die deutsche
Vergangenheit gezeigt hat, ist mit Gerhard Schröder die einstige
deutsche Selbstherrlichkeit zurückgekehrt. Diese treibt nun sein
Schüler Steinbrück zum Exzess, während Angela Merkel schweigt.

Wo aber bleiben die österreichischen Antworten? Gewiss, man kann
das weitgehende Schweigen unserer Außenpolitik auch als
staatsmännische Noblesse interpretieren. Dennoch blicken die meisten
Österreicher voller Neid auf das kleine Luxemburg, das mutig Gleiches
mit Gleichem vergilt.

*

Amerikas Steuerzahler dürften früher als derzeit geglaubt einen
Teil der gewaltigen Lasten zur Rettung der Banken loswerden. Denn
durch die steigenden Kurse können sich etliche Banken schon bald
wieder an der Börse durch privates Kapital finanzieren. Österreichs
Steuerzahler sollten sich solchen Hoffnungen freilich nicht hingeben.
Hierzulande gehen wohl nur noch Masochisten mit ihrem Geld an die
Börse, diskutiert die größte Partei des Landes doch saftige Steuern,
falls Investoren tatsächlich einen Gewinn machen sollten. Aktionäre
werden sogar als "unerwünscht" bezeichnet.

Wäre aber eine Steuer auf Kursgewinne (Dividenden werden ohnedies
besteuert) nicht gerecht? So fragen manche. Immerhin muss man ja auch
beim Sparbuch 25 Prozent der Erträge abliefern.

Die Antwort: Dafür hat man aber am Sparbuch erstens fixe Erträge
und kein Kursrisiko, sowie zweitens eine staatliche Garantie. Aktien
können hingegen ihren ganzen Wert verlieren - in den letzten zwölf
Monaten haben sie oft weit mehr als die Hälfte verloren. Wenn man
jedoch künftig Risiko nicht mehr belohnt, sondern hart bestraft, dann
wird eben niemand mehr ein Risiko eingehen und in österreichische
Arbeitsplätze investieren. Was sich allerdings angesichts des
hiesigen Lohn- und Abgabenniveaus auch ohne neue Steuern ohnedies in
den meisten Fällen nicht mehr rentieren wird.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at

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