• 30.04.2009, 11:28:33
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Arbeitslosigkeit: Landau appelliert an Bundesregierung

Um das Armutsrisiko erwerbsloser Menschen und ihrer Familien zu senken, fordert die Caritas ein Mindestarbeitslosengeld

Wien, 30.04.2009 (KAP) Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen
hat der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am Donnerstag
"dringend" an die Bundesregierung appelliert, "in Zeiten der Not
nicht nur für Banken und Unternehmen Notfallpakete zu schnüren". Vor
allem die sozial Schwächsten dürften jetzt nicht vergessen werden.
Viele tausende Menschen in Österreich seien derzeit arbeitslos.
Landau erinnerte daran, dass Ende März 334.000 Frauen und Männer
beim AMS als arbeitslos gemeldet waren bzw. sich in Schulungen
befanden.

Wenn man den Prognosen der Experten Glauben schenke, sei der
Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht. In den kommenden Monaten
werde die Zahl der Menschen steigen, die sich am Rande der
Gesellschaft und in existenziellen Notlagen befinden. "Arme Menschen
sind die Ersten, die von der aktuellen Krise betroffen sind - hier
geht es um soziale Gerechtigkeit. Was es jetzt dringend braucht, ist
ein Konjunkturpaket für die Ärmsten. Eine Reihe von Maßnahmen wird
notwendig sein, um den Sozialstaat Österreich nachhaltig armutsfest
und zukunftstauglich zu machen", so Landau.

Das Armutsrisiko ist für erwerbslose Menschen enorm und verstärkt
sich mit zunehmender Dauer: Durchschnittlich lebt jeder dritte
Erwerbslosenhaushalt in Österreich unter der Armutsgrenze, erinnerte
Landau. Um das Armutsrisiko der erwerbslosen Menschen und ihrer
Familien zu reduzieren, fordert die Caritas ein
Mindestarbeitslosengeld. Mit einer Netto-Ersatzquote von derzeit 55
Prozent rangiert Österreich im EU-Schnitt weit hinten, und auch die
notwendige jährliche Valorisierung der Leistungen der
Arbeitslosenversicherung fehlt nach wie vor. Armutsbekämpfung müsse
stärker als bisher bereits bei der Arbeitslosenversicherung
ansetzen. Die Sozialhilfe sei kein gleichwertiger Ersatz, da bei der
Sozialhilfe sehr strikte Vermögensverwertungsbestimmungen gelten,
die spätestens nach sechs Monaten Sozialhilfebezug greifen: Dann
gilt, dass alle Ersparnisse - wie etwa ein "Notgroschen" oder eine
Lebensversicherung - verwertet und für den täglichen Bedarf
verwendet werden müssen. Beim Vorhandensein eines Eigenheims müsse
auch dieses grundbücherlich sichergestellt werden. Landau: "Wer es
nicht schon ist, der muss erst bitterarm werden, um Anspruch auf
Sozialhilfe zu haben".

Die Caritas der Erzdiözese Wien bietet derzeit 270 Arbeitsplätze für
langzeitarbeitslose Frauen und Männer in sieben
Beschäftigungsprojekten an, rund 700 Menschen waren 2008 in einem
der Projekte beschäftigt. Die Tätigkeiten reichen von der
Textilsortierung und Möbelaufbereitung im Caritas-Spendenlager
"carla" bis zum Service im Caritas-Restaurant "Inigo". Erstmals
veranstaltete die Caritas am 30. April als dem "Tag der
Arbeitslosen" eine "Jobmeile" speziell für langzeiterwerbslose
Menschen. Im Mittelpunkt standen Information und Beratung über
konkrete Job-Angebote auf dem erweiterten Arbeitsmarkt.

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