Arbeitslosigkeit: Landau appelliert an Bundesregierung

Um das Armutsrisiko erwerbsloser Menschen und ihrer Familien zu senken, fordert die Caritas ein Mindestarbeitslosengeld

Wien, 30.04.2009 (KAP) Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen hat der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am Donnerstag "dringend" an die Bundesregierung appelliert, "in Zeiten der Not nicht nur für Banken und Unternehmen Notfallpakete zu schnüren". Vor allem die sozial Schwächsten dürften jetzt nicht vergessen werden. Viele tausende Menschen in Österreich seien derzeit arbeitslos. Landau erinnerte daran, dass Ende März 334.000 Frauen und Männer beim AMS als arbeitslos gemeldet waren bzw. sich in Schulungen befanden.

Wenn man den Prognosen der Experten Glauben schenke, sei der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht. In den kommenden Monaten werde die Zahl der Menschen steigen, die sich am Rande der Gesellschaft und in existenziellen Notlagen befinden. "Arme Menschen sind die Ersten, die von der aktuellen Krise betroffen sind - hier geht es um soziale Gerechtigkeit. Was es jetzt dringend braucht, ist ein Konjunkturpaket für die Ärmsten. Eine Reihe von Maßnahmen wird notwendig sein, um den Sozialstaat Österreich nachhaltig armutsfest und zukunftstauglich zu machen", so Landau.

Das Armutsrisiko ist für erwerbslose Menschen enorm und verstärkt sich mit zunehmender Dauer: Durchschnittlich lebt jeder dritte Erwerbslosenhaushalt in Österreich unter der Armutsgrenze, erinnerte Landau. Um das Armutsrisiko der erwerbslosen Menschen und ihrer Familien zu reduzieren, fordert die Caritas ein Mindestarbeitslosengeld. Mit einer Netto-Ersatzquote von derzeit 55 Prozent rangiert Österreich im EU-Schnitt weit hinten, und auch die notwendige jährliche Valorisierung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung fehlt nach wie vor. Armutsbekämpfung müsse stärker als bisher bereits bei der Arbeitslosenversicherung ansetzen. Die Sozialhilfe sei kein gleichwertiger Ersatz, da bei der Sozialhilfe sehr strikte Vermögensverwertungsbestimmungen gelten, die spätestens nach sechs Monaten Sozialhilfebezug greifen: Dann gilt, dass alle Ersparnisse - wie etwa ein "Notgroschen" oder eine Lebensversicherung - verwertet und für den täglichen Bedarf verwendet werden müssen. Beim Vorhandensein eines Eigenheims müsse auch dieses grundbücherlich sichergestellt werden. Landau: "Wer es nicht schon ist, der muss erst bitterarm werden, um Anspruch auf Sozialhilfe zu haben".

Die Caritas der Erzdiözese Wien bietet derzeit 270 Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Frauen und Männer in sieben Beschäftigungsprojekten an, rund 700 Menschen waren 2008 in einem der Projekte beschäftigt. Die Tätigkeiten reichen von der Textilsortierung und Möbelaufbereitung im Caritas-Spendenlager "carla" bis zum Service im Caritas-Restaurant "Inigo". Erstmals veranstaltete die Caritas am 30. April als dem "Tag der Arbeitslosen" eine "Jobmeile" speziell für langzeiterwerbslose Menschen. Im Mittelpunkt standen Information und Beratung über konkrete Job-Angebote auf dem erweiterten Arbeitsmarkt.

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