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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Vermögen pfui, Seuche pfui"
Ausgabe vom 29. April 2009
Wien (OTS) - In Deutschland kürzt Daimler Arbeitszeit und Löhne um
über acht Prozent. Es gibt keinerlei Lohnausgleich. Bitter - aber
wenn (fast) niemand mehr einen Mercedes kauft, verzichtet man lieber
auf einen kleinen Teil des Lohnes als auf den ganzen Job.
Österreich hinkt wie immer nach. Bei der Kurzarbeit wird - noch -
massiv aus Steuermitteln (also Schulden auf eine ungewisse Zukunft)
zugebuttert. Arbeiterkammer und die Wiener wie die steirische SPÖ
(die Opposition sowieso) tun noch immer so, als ob sie Lohnerhöhungen
herbeischreien könnten; und in Oberösterreich probiert nun auch die
Volkspartei diese Art von Populismus.
Gewiss, es sind Arbeiterkammerwahlen, und da wird wie vor jeder
Wahl das Blaue vom Himmel herab versprochen. Lebensgefährlich aber
würde es, wenn wir auch noch die Wiener, die oberösterreichischen und
gar noch die steirischen Landtagswahlen abwarten müssten, bevor die
ökonomischen Grundrechnungsarten wieder Geltung haben dürfen. Bevor
die Politik zugeben darf, dass der Wirtschaft in den letzten Monaten
vor allem eines ausgegangen ist: Kapital - mit anderen Worten:
Vermögen. Doch nur in neomarxistischen Traumbüchern schafft man durch
Besteuerung mehr Vermögen. Was zumindest deutsche Wirtschaftsforscher
und -funktionäre voll erkannt haben.
*
Alle ehemaligen ÖVP-Obmänner unterstützen im EU-Wahlkampf nicht
die Nummer eins, sondern ausdrücklich die Nummer zwei. Das zeigt,
welch tiefer innerer Zwist in dieser Partei brodelt.
Die Motive im Anlassfall sind freilich klar: War doch der
desavouierte Othmar Karas nach Franz Fischler der weitaus
erfolgreichste Österreicher im komplizierten EU-Getriebe. Und somit
steht der schon einmal im heftigen Konflikt aus der Regierung
geschiedene Ernst Strasser als sehr einsame Erfindung Josef und Erwin
Prölls da.
*
Irgendwann sollte es doch auch der FPÖ zu blöd werden: Kaum gibt
es ein virulentes Thema wie jetzt die Grippeangst, versucht sie
daraus parteipolitisches Kleinstgeld zu machen und mit null
Sachkenntnis etwa nach Seuchenteppichen zu rufen.
Ähnlich simpel ist aber oft auch der Rechnungshof: Er tadelte vor
kurzem die Ex-Ministerin Rauch-Kallat für den Kauf von Millionen
Grippe-Schutzmasken. Weil sie bisher nicht nötig waren.
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