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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die falsche Revolte" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 26.04.2009

Graz (OTS) - Am Ende begehrten auch die Jungen auf. Für
Fenstertage. Bilanz einer bitteren Realsatire.

Wer junge Menschen mag, wird auch mögen, dass sie selbstbewusst ihre
Stimme erheben, dass sie etwas wollen oder etwas nicht wollen, dass
sie Haltung zeigen. Da muss auch nicht alles der Erwachsenen-Vernunft
gehorchen. Auch die ist nicht immer vernünftig und
spirituosenresistent. Es ist also schon okay, wenn Schüler "Schwule
statt Schule" auf die Banner malen oder "Recht auf Faulheit". Die
Frage ist nur, ob dieser Streik der Schüler tatsächlich den großen
Ausbruch der Heranwachsenden aus der politischen Agonie markiert.

Dann hätte dem Protest wenigstens der Hauch eines politischen
Anliegens zugrunde liegen müssen: der Wunsch nach einer neuen,
besseren Form von Schule etwa. Nach mehr Nachhilfe in der Schule
statt der teuren außerhalb. Nach zeitgemäßeren Lehrplänen und einer
Stärkung der engagierten Lehrer. Nach einer Qualitätssicherung, mehr
Autonomie und nach mehr Wettbewerb.

Davon war aber nichts zu lesen auf den Spruchbändern. Die Schüler,
die gegen den Wegfall der schulautonomen Tage demonstrierten,
vermittelten den Eindruck, dass ihnen Bildung eine Mühsal ist und
kein Privileg. Sie traten für weniger Bildung ein anstatt für mehr.
In Frankreich zogen Jugendliche auf die Straßen, weil Stunden gekürzt
wurden.

Der Adressat der Schüler-Demos war Claudia Schmied. Auch das
irritierte. Es war schließlich die Lehrergewerkschaft, die die
schulautonomen Tage zur Disposition stellte. Das Opfer brachte keinen
Cent fürs Budget, wohl aber der Gewerkschaft eine Image-Politur.

Dass die Ministerin in das substanzlose, mit budgetären Tricks
ermogelte Paket einwilligte, ohne eine Vorstellung davon zu haben,
was man mit den fünf Tagen machen soll und wie man sie in eine neue
Ferienordnung einbetten könnte, offenbart das ganze Ausmaß an
Konzeptlosigkeit und Chaos. Beides ist in dieser bildungspolitischen
Realsatire beliebig steigerbar, wie die beiden nachgereichten
Fenstertage zeigen: Wer mag, darf in die Schule kommen. Take it or
leave it. Schulpflicht auf Österreichisch.

In acht Wochen von null auf Gehrer: Die Ministerin, die Hoffnungen
weckte, ist nach dem Reformdebakel ein politischer Pflegefall. Das
Desaster ist zur Parabel geworden. Sie erzählt von der
Erneuerungsunfähigkeit eines satten, in Gruppenegoismen zerfallenen
und von fideler Willenlosigkeit regierten Landes. Es ist ein Land der
Besitzstandswahrer und der wohlerworbenen Rechte. Dagegen lohnte es
sich aufzustehen, nicht für die Absenz von Bildung. Die Jungen werden
das Unvermögen der Politik begleichen müssen. Sie werden nichts
Wohlerworbenes mehr zu wahren haben.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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