- 24.04.2009, 11:29:51
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Experten: Innovation durch User löst "Unternehmens-Festung" ab
Großteil der von Firmen entwickelten Produkte floppt - Nutzer wollen individuellere Lösungen und gestalten selbst mit

Wien (OTS) - Kundinnen und Kunden sind immer häufiger unzufrieden
mit Standardprodukten und werden daher selbst zu Innovatoren. Während
sich dies in der Vergangenheit eher schwierig gestaltete, haben neue
Medien und Trends wie Web 2.0 das Feedback und die Kommunikation mit
den Herstellern massiv erleichtert. Darauf müssen die Firmen rasch
reagieren, gaben sich Expertinnen und Experten bei einer
Veranstaltung der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend,
in Wien überzeugt.
"Viele Unternehmen sind Festungen, in denen irgendwo eine
Forschungs- und Entwicklungsabteilung angesiedelt ist. Nach dem
Motto: Die Innovationen machen wir", erklärte Nikolaus Franke, Leiter
des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der
Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Diese Einstellung führe allerdings
dazu, dass ein Großteil der Waren floppt. "Rund 60 Prozent der
weltweiten Textilproduktion werden verramscht oder recycelt", so
Franke. Künftig würde es zur Normalität, dass sich "Produkte aus dem
Markt heraus" entwickeln. Unternehmen, die sich dagegen wehren,
"bekommen große Probleme".
Snowboards und Botox als "User-Erfindung"
Bereits in der Vergangenheit seien viele Innovationen nicht von
den Herstellern, sondern von den Userinnen und Usern geschaffen
worden. "Ein Beispiel dafür sind Snowboards, die Sportfreaks, denen
Schifahren zu langweilig war, entwickelt haben", sagte Franke. Aber
auch bei Hightech, etwa Robotern für die Gehirnchirurgie, würden die
Ideen teilweise von Ärztinnen und Ärzten und nicht den Produzenten
von medizinischen Geräten stammen. Neben konkreten Produkten
"erfinden" die User zudem neue Anwendungen. So sei das Nervengift
Botox ursprünglich zur Reduktion von Spasmen eingesetzt worden.
Kunden hätten aber herausgefunden, dass das Mittel auch zur Glättung
von Falten verwendet werden könnte.
Generell würden sich viele Menschen nicht mehr mit Produkten von
der Stange zufriedengeben. Während früher die Vermittlung der
Bedürfnisse an die Hersteller und der Austausch zwischen den
Userinnen und Usern kaum geklappt habe, biete das Web nun diese
Möglichkeit. Das eröffne eine Chance für die Produzenten, da die
Nutzer mit ihren Verbesserungsvorschlägen oftmals kein kommerzielles
Interesse verfolgen würden. "Kunden werden zu Produktgestaltern, wenn
ihnen Unternehmen beispielsweise virtuelle Designwerkzeuge zur
Verfügung stellen. Außerdem steigt die Zahlungsbereitschaft", so der
Experte. Noch befinde man sich aber in der Experimentierphase.
"Sieg des Individuums" durch T-Shirt-Gestaltung?
"Der Hersteller erhält sehr früh und kostenlos Input, was der
Kunde wünscht, und der Kunde kriegt ein Produkt, das seinen
Anforderungen entspricht", sieht auch Christian Plaichner, Managing
Director des Softwareunternehmens Senactive, Vorteile für beide
Seiten. Er sei sich aber nicht sicher, ob man schon vom "Sieg des
Individuums" sprechen könne, wenn sich Kundinnen und Kunden auf einer
Website ein T-Shirt mit individuellem Aufdruck bestellen. Vorsicht
sei auch geboten, wenn die Meinung vertreten werde: "Der Durchschnitt
aller Meinungen bildet die neue Wahrheit ab." Vielleicht gebe es ja
noch eine bessere Lösung.
"Nur auf den Kunden zu fokussieren und alles zu vergessen, was man
gelernt hat, ist auch nicht gut", ergänzte Verena Krawarik, Leiterin
Innovationsmanagement bei der APA - Austria Presse Agentur.
Innovationen im Business-to-Business-Bereich (B2B) würden in Zeiten
von Open Innovation eine besondere Herausforderung darstellen, da
viele Rezepte, die ursprünglich für die Konsumgüter-Industrie
entwickelt worden seien, adaptiert werden müssten. Die APA habe daher
eine Internetplattform gestartet, auf der Eigen-Entwicklungen im
Prototypen-Stadium präsentiert und Rückmeldungen von Kunden eingeholt
würden. Aktuell finden sich dort unter anderem Demos zu
Medienbeobachtung, Spracherkennung oder Geocodierung.
Mitgestaltung anbieten, statt Abwanderung provozieren
Kunden früh einzubinden sei ein wesentlicher Faktor, gab sich auch
Engelbert Kerschbaummayr, Director Customer Solution Management beim
Netzwerkausrüster Kapsch CarrierCom, überzeugt. Wer die Wünsche der
User berücksichtige, habe ein wertvolles Instrument in der Hand.
Nachholbedarf sieht er beispielsweise in der Telekombranche: "Die
Kunden wandern aus dieser Welt ab, weil sie im Internet - und hier
speziell im Web 2.0 - Instrumente zur Verfügung gestellt bekommen,
mit denen sie selbst gestalten können", so Kerschbaummayr. Wenn hier
nicht bald reagiert werde, könnte die Kommunikation komplett ins Web
abwandern "und die Telcos schauen durch die Finger". Nun gelte es,
Testballons zu starten, um zu sehen, was der User will.
Grundsätzlich müsse zwischen B2B und dem Massenmarkt unterschieden
werden, sagte Helmut Waitzer, IT & Organisation-Manager beim
Softwarespezialisten Navax. Denn die Unternehmen hätten bereits
bisher direkten Kontakt mit den Kunden gehabt, während die
Kommunikation mit dem Massenmarkt vor zehn Jahren noch nicht in
dieser Form möglich gewesen wäre. Aber auch im B2B-Bereich gehe der
Trend weg von Insellösungen und hin zur Integration von Unternehmen
in die Wertschöpfungskette. Durch die Weiterentwicklung von Produkten
mit innovativen Kunden könnten so auch Branchenlösungen geschaffen
werden.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- economyaustria economyaustria.at
- Hewlett-Packard www.hp.com/at
- IT Solution GmbH www.itsolution.at
- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- seeyou 3.0 www.seeyou.at
- Senactive www.senactive.com
- Telekom Austria www.telekom.at
- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia multimedia.apa.at
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Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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